Abstiegskampf zu Schaafs 14. Jahrestag

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14 Jahre Coach bei Werder Bremen:Thomas Schaaf feiert Jubiläum.

Von Michael Rossmann - Ein ungewöhnlicher Jahrestag: Genau 14 Jahre nach seinem Trainer-Debüt tritt Werder-Coach Schaaf zu einem wichtigen Spiel im Abstiegskampf an. Ob es eine weitere Saison mit dem dienstältesten Coach gibt und er den Rehhagel-Rekord knackt, ist derzeit fraglich.

Ein Putztrupp musste vergangene Woche eingreifen. „Schaaf raus“ hatte ein verärgerter Werder-Fan an den Sockel des Weser-Stadions gesprüht - natürlich in grün. Am anderen Tag war die Schmiererei zwar wieder entfernt, doch zeigt die Episode, wie es um Werder steht. Und um Thomas Schaaf, der vor 14 Jahren am 11. Mai 1999 sein erstes Match als Trainer des Fußball-Bundesligaclubs absolvierte und nun am Samstag einen merkwürdigen Jahrestag erlebt.

Werder war damals im Abstiegskampf, genau wie jetzt. 1999 gewannen die Bremer mit dem Trainer-Novizen gegen Schalke 04 mit 1:0, und das gleiche Ergebnis am Samstag beim Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt könnte die erneute Rettung sein. Es könnte aber auch Schaafs letztes Heimspiel als Werder-Trainer sein, wie die Zeitungen in Bremen und im Bremer Umland spekulieren.

Die Mehrheit der Werder-Fans - die Reaktionen im Stadion waren in den vergangenen Wochen eindeutig - steht weiterhin geschlossen hinter Schaaf. Auch wenn der Zweite der ewigen Bundesliga-Tabelle wieder dort angekommen ist, wo er beim Dienstantritt des 52 Jahre alten Trainers vor 14 Jahren schon einmal war: mitten im Abstiegskampf.

Dazwischen liegt eine äußerst erfolgreiche Zeit. Noch im ersten Jahr führte Schaaf Werder zum Pokalsieg, zwei weitere Siege im Cup-Finale folgten 2004 und 2009. Die Meisterschaft krönte das Jahr 2004, doch der langfristige Erfolg zeigte sich vor allem in sechs Champions-League-Teilnahmen innerhalb von sieben Jahren.

Zuletzt ging es freilich bergab. Zum dritten Mal in Folge verpassen die Bremer in dieser Saison einen internationalen Wettbewerb, sogar der Abstieg in die 2. Liga droht. Und die typischen Mechanismen mit Diskussionen um den Trainer haben auch in der Hansestadt längst eingesetzt.

Gerade die Sätze von Thomas Eichin, dem Nachfolger von Schaafs langjährigem Weggefährten Klaus Allofs, werden derzeit geradezu seziert. „Er hat einen Vertrag bis 2014“, betonte Eichin in den vergangenen Tagen häufiger. Aber auch: „Wir bringen jetzt gemeinsam die Saison zu Ende. Dann setzen wir uns hin und diskutieren die Situation. Danach werden wir erklären, was wir machen.“ Diese Aussagen lassen viel Spielraum für Interpretationen.

Klaus Filbry, als Vorsitzender der Geschäftsführung offiziell der entscheidende Mann bei Werder, sagte am Sonntag im NDR: „Stand heute gehe ich davon aus, dass er bleibt.“ Stand heute - eine solch vage Formulierung war vor nicht allzu langer Zeit undenkbar.

Und Schaaf selber. „Wenn ich im Weg stehen sollte, geh' ich gerne zur Seite, das ist überhaupt nicht das Problem“, hatte der 52 Jahre alte Coach Ende April vor laufender Kamera des Pay-TV-Senders Sky gesagt. Anschließend dementierte er einen möglichen Rücktritt und reagierte ansonsten bei unangenehmen Fragen unwirsch.

Erfüllte Schaaf seinen laufenden Vertrag tatsächlich, dann würde er damit den Rekord von Otto Rehhagel knacken. Zu diesem Thema mochte der Coach noch nie besonders gerne antworten. Und jetzt ist erst recht kein guter Zeitpunkt, Schaaf danach zu fragen. dpa

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