Thomas Schaaf wird 50 Jahre alt und sagt: „Ich bin mir treu geblieben“

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„Mannheim ist mein Geburtsort – Bremen ist meine Heimat“, sagt Werder-Trainer Thomas Schaaf.

Ein Interview von Arne Flügge - Eine große Party-Sause wird’s nicht geben, wenn Thomas Schaaf am Samstag seinen 50. Geburtstag feiert. Werder Bremens Trainer mag’s viel lieber ruhig und familiär.

Im Interview erzählt der 49-Jährige, wie Bremen zu seiner Heimat geworden ist, was er verabscheut, was er bewundert, warum er einen Vereinswechsel nicht kategorisch ausschließt – und warum er noch heute gerne mal den Mannheimer Dialekt spricht.

Herr Schaaf, was wünschen Sie sich zum 50. Geburtstag?

Schaaf: Es sind weniger materielle Dinge, weil es uns insgesamt gut geht. Wichtig ist, dass man gesund bleibt, um die vielen Sachen, die man sich noch vorgenommen hat, die im Hinterkopf sitzen, auch umzusetzen.

Was haben Sie sich denn noch vorgenommen?

Schaaf: Mit der Familie in den Urlaub zu fahren, gemeinsame Dinge zu unternehmen. Dabei spielt Gesundheit sicher eine wichtige Rolle.

Thomas Schaaf in guten wie in schlechten Zeiten

Thomas Schaaf in guten wie in schlechten Zeiten

Wer Sie kennt, der weiß, dass es am Samstag keine große Geburtstagsparty gibt, sondern ein ruhiges kleines Fest mit Familie und Freunden.

Schaaf: Das ist richtig. Ich brauche den großen Rummel nicht, und ich will ihn auch nicht.

Fühlen Sie sich mit 50 Jahren plötzlich alt?

Schaaf: Nein, warum auch? Man ist so alt, wie man sich fühlt. Da ist die 50 für mich nichts Problematisches. Natürlich wird hier und da gewitzelt: Willkommen im Club! Aber das ist normal. Wichtig ist doch, dass man sich auslebt, sich gut fühlt. Dass man älter wird, merkt man natürlich, weil die Kinder erwachsen werden, es dort Veränderungen gibt. Und wenn man dann ein so gutes Verhältnis hat, wie meine Frau und ich es zu unserer Tochter Valeska haben, dann fällt es schon schwer, auch mal loszulassen. Aber das bekommen wir ganz gut hin.

Sie wurden 1961 in Mannheim geboren, sind als Kind aber schon nach Bremen gekommen. Haben Sie überhaupt noch eine Beziehung zu Mannheim?

Schaaf: Mannheim ist mein Geburtsort, Bremen ist meine Heimat. Wenn du hier so lange lebst, hier aufgewachsen bist – dann ist dir eine Stadt wie Bremen ans Herz gewachsen. Aber es gibt natürlich noch immer Verbindungen nach Mannheim.

Welche sind das?

Schaaf: In den ersten Jahren als Schüler bin ich noch häufiger in den Ferien hingefahren und habe Verwandte besucht. Jetzt war gerade mein Onkel mit seiner Familie bei uns.

Und wie es sich gehört, haben Sie dann gemeinsam den berühmten Mannheimer Dialekt gesprochen.

Schaaf: Ja, natürlich.

Im Ernst, Sie sprechen den Dialekt?

Schaaf: Ja. Mit meiner Mutter spreche ich ihn manchmal noch. Auch als Ümit Davala, der ja in Mannheim aufgewachsen ist, damals zu Werder kam, haben wir das eine oder andere Wort gewechselt. Er wollte das auch erst nicht glauben. Dann habe ich ihn aber mal wie in seiner Heimat begrüßt . . .

Was war das einschneidenste Erlebnis in Ihrem bisherigen Leben?

Schaaf: Da denkt man gleich immer an die ganz besonderen Dinge. Es gab viele Geschehnisse, die mich sicher auch geprägt und vielleicht auch ein wenig beeinflusst haben. Das Außergewöhnlichste in meinem Leben aber war die Geburt unserer Tochter. Das war einzigartig.

Haben Sie ein Lebensmotto als ständigen Begleiter?

Schaaf: Nein, ich versuche immer das, was ich mache, bestmöglich, mit viel Einsatz und so optimal wie es geht zu leisten – und am Ende sollte schon etwas Gescheites dabei herauskommen (lacht). Und ich kämpfe darum, eine Gelassenheit zu erreichen, mich nicht an Dingen aufzureiben, die man ohnehin nicht ändern kann.

Was bewundern Sie, was verabscheuen Sie?

Schaaf: Ich verabscheue alles, was das gesunde Miteinander der Menschen kaputtmacht, Leute zu schädigen, zu verletzen. Wir müssen in unserer Gesellschaft aufpassen, gewisse Formen und Verhaltensregeln nicht zu verlieren.

Und was bewundern Sie?

Schaaf: Ich bewundere Menschen, die sich für andere einsetzen und dafür sogar ihr Leben riskieren. Ich bewundere Menschen, die sich uneigennützig um andere kümmern, ihnen Hilfestellung geben, ihr Leben zu verbessern, beispielsweise besser mit einer bestimmten, schlimmen Situation klarzukommen.

Engagieren Sie sich deshalb so stark für das Zentrum trauernder Kinder in Bremen und in der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger?

Schaaf: Als ich gefragt wurde, ob ich als Botschafter bereitstehen würde, habe ich mich erstmal schlau gemacht. Und dann war es einfach, schnell ,ja‘ zu sagen und sich mit der Sache zu identifizieren. Und es wurde in den letzten Jahren viel erreicht.

Sie sind für viele Menschen ein Vorbild, haben Sie selbst eines, zu dem Sie aufblicken?

Schaaf: Es ist schwierig, weil man die Person ja nicht zu 100 Prozent wirklich kennt. Klar, gewisse Züge versucht man schon mal zu übernehmen, wie zum Beispiel die Ruhe und die Souveränität, die ich anstrebe. Man versucht, kleinere Stücke für sich herauszupicken. Entscheidend ist aber, dass man niemanden kopiert. Man muss sich selbst treu bleiben.

Wenn Sie zurückschauen – würden Sie heute alles noch einmal so machen, wie Sie es getan haben?

Schaaf: Ich bin kein Mensch, der großartig zurückblickt. Vielleicht würde ich das eine oder andere heute anders einschätzen, kleinere Fehler revidieren. Aber du stehst mit 20 Jahren nicht vor Entscheidungen, die du mit 40 treffen musst. Das ist manchmal auch ganz gut so. Ich würde aber wieder versuchen, das Bestmögliche zu erreichen.

Sie sind im kommenden Jahr 40 Jahre im Verein. Ist auch Werder Bremen Ihre Heimat geworden?

Schaaf: Wenn ich manchmal unten auf dem Platz stehe oder durch das Stadion gehe, dann kommen tatsächlich viele Erinnerungen hoch an das, was ich hier als Spieler und auch als Trainer erlebt habe. Dann denkt man schon daran, wie viele Stunden, Tage, Wochen, Monate und schließlich Jahre man in diesem Verein verbracht hat. Und man denkt an die vielen Veränderungen, die es in der Zeit gab. Vieles war damals unvorstellbar.

Können Sie sich bei einer so langen Vereinstreue überhaupt vorstellen, den Club einmal zu verlassen?

Schaaf: Diese Frage hat für mich etwas Negatives. Man muss in diesem Beruf mit Veränderungen leben können. Wichtig ist doch, seiner Arbeit nachgehen zu können, seine Aufgaben anzupacken, eine Mannschaft zu trainieren und zu versuchen, Erfolg zu haben. Und dieser Arbeit, diesem Beruf kann man bei einem anderen Verein genauso nachgehen.

Wünschen Sie sich eine Veränderung?

Schaaf: Hier bei Werder hat es in den vergangenen Jahren doch so viele Veränderungen gegeben. Es sind so viele Spieler gekommen und gegangen. Die Geschäftsführung hat teilweise gewechselt – dazu der Stadionumbau. Das einzige, was sich in den vielen Jahren nicht verändert hat, war doch mein Anfahrtsweg zum Stadion. Nein, ich mache meine Arbeit bei Werder gerne, und der widme ich auch meine ganze Kraft. Das schließt aber doch nicht aus, vielleicht mal etwas anderes zu machen, vielleicht sogar mal eine Pause einzulegen, abzuschalten und dann wieder neu einzugreifen.

Wie wär’s wenn Sie an Ihrem Geburtstag den Club beschenken und ihren 2012 auslaufenden Vertrag vorzeitig verlängern?

Schaaf: Ich habe keine Eile, mich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Irgendwann werden wir uns mal treffen und darüber reden. Anderes ist im Moment wichtiger. Beispielsweise sind die vielen offenen personellen Fragen vor der neuen Saison noch zu klären. Die haben Vorrang. Ebenso wie der Klassenerhalt jetzt. Schaffen wir den gegen Wolfsburg, wäre die Laune an meinem Geburtstag natürlich besser.

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