„Schaaf hat den Kopf dafür“

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Klaus-Dieter Fischer redet Klartext: Für den Werder-Geschäftsführer kommt ein Trainerwechsel nicht in Frage, er vertraut Thomas Schaaf.

Von Björn Knips - Klaus-Dieter Fischer hat mit Werder Bremen schon alles erlebt: Europapokal-Sieg, Meisterschaft, Abstieg, Aufstieg. Und er hat gemeinsam mit anderen Verantwortlichen auch schon einige Trainer entlassen, doch bei Thomas Schaaf schließt der Werder-Geschäftsführer diese Maßnahme aus.

Der 70-Jährige lobt den Coach aber nicht nur, er gibt ihm im Interview auch einen Tipp. Zudem verrät Fischer, dass der Aufsichtsrat den Vertrag mit Sportchef Klaus Allofs verlängern will.

Herr Fischer, wie groß ist Ihre Angst vor dem Abstieg?
Es ist ein Gefühl zwischen Angst und Zuversicht. Aber die Zuversicht überwiegt.
Warum?
Das ist ein Resultat der Gespräche mit Thomas Schaaf. Er ist so klar in seinen Überlegungen, so klar in seiner Analyse, wie ich das bei keinem anderen Trainer erlebt habe. Mein Vertrauen in Thomas Schaaf ist sehr, sehr, sehr groß.
Aber Thomas Schaaf wirkt immer häufiger ratlos und geradezu verbittert.
Ich denke, dieser Eindruck resultiert auch daraus, dass sich Thomas aufgrund von negativen Erfahrungen der Presse zuletzt verschlossen hat. Da könnte er sich mehr öffnen. Aber damit das klar ist: Thomas Schaaf ist nicht ratlos. Er hat einen Weg, der zwar mühsam ist, der aber zum Erfolg führen wird.
Gehören zu diesem Weg auch so leidenschaftslose Auftritte wie in Hamburg?
Das muss man differenzierter sehen. Wir haben uns das erste Gegentor eingefangen, als die Hamburger Fans immer unruhiger wurden und wir unsere ersten Chancen hatten. Und wieder mal war’s ein blöder Fehler von uns. Erst dann bricht die Mannschaft ein.
Darf eine Werder-Mannschaft in einem Nordderby überhaupt einbrechen?
Sie darf es natürlich nicht. Aber im Abstiegskampf kann so etwas passieren. Da ist bei den Spielern die Angst oft größer als die Zuversicht.
Und Thomas Schaaf kann den Spielern diese Angst nehmen?
Ja! Er kann das, er macht das! Ich habe ihn schon als Amateurtrainer in ähnlichen Situationen erlebt. Er hat das Händchen dafür, er hat den Kopf dafür. Er versteht es, eine richtige Balance zu finden zwischen Kritik und Lob. Thomas putzt die Spieler nicht runter. Denn man darf selbst nach einer schlimmen Leistung eine Mannschaft nicht total kaputt machen, sondern muss auch noch positive Dinge sehen. Das kann er, und das ist mir auch von mehreren Spielern bestätigt worden.
1999 waren Sie und Ihre damaligen Vorstandskollegen anderer Meinung und haben im Abstiegskampf Felix Magath gefeuert und Thomas Schaaf geholt. Ist die aktuelle Situation nicht vergleichbar?
Nein, sie ist sogar extrem anders. 1999 waren wir nicht mehr vom Trainer überzeugt. Für mich war es 1999 ein Wunder, dass wir es geschafft haben. Jetzt wäre es nur das Ergebnis gut geleisteter Arbeit.
Gut geleistete Arbeit? Werder ist als Champions-League-Teilnehmer in die Saison gestartet und kämpft nun nur noch um den Klassenerhalt.
Es ist doch ein Strauß von Kakteen, der da zusammengekommen ist: die schwierige Vorbereitung nach der WM, das Verletzungspech speziell bei Naldo, der für Werder wirtschaftlich unvermeidliche Verkauf von Mesut Özil, den wir einfach nicht ersetzen konnten, und, und, und. Natürlich werden wir das alles nach der Saison aufarbeiten. Aber jetzt zählt nur der Klassenerhalt.
Im Winter war das Thema offensichtlich noch nicht so präsent, oder warum hat Werder in Hugo Almeida seinen besten Torjäger der Hinrunde verkauft?
Das war eine langfristige Überlegung. Hugo wäre im Sommer ablösefrei gegangen, ein neuer Vertrag war für uns kein Thema, weil seine Gehaltsforderungen viel zu hoch waren. Deswegen haben wir ihn verkauft und das Geld in einen Spieler, Denni Avdic, investiert, auf den wir künftig bauen können. Und ganz nebenbei: Hugo hat von seinen neun Toren drei Treffer in einem Spiel erzielt, und er war hinter Pizarro und Arnautovic nur Stürmer Nummer drei, hätte also auf der Bank gesessen.
Hat Thomas Schaaf grünes Licht gegeben?

Verkauf und Verpflichtungen von Spielern sind zunächst Sache von Thomas Schaaf und Klaus Allofs. Dann entscheidet die Geschäftsführung über den finanziellen Rahmen. Der Aufsichtsrat hat übrigens nur etwas damit zu tun, wenn es nicht in den Etat passt. Bei Almeida und Avdic war das nicht der Fall, weil das Geschäft plus minus null aufgegangen ist. Und wo wir gerade beim Aufsichtsrat sind: Dieses Gremium kann auch keinen Trainer entlassen, das kann nur die Geschäftsführung.

Aber der Aufsichtsrat kann die Geschäftsführung feuern, Sie ausgenommen, weil Sie vom Verein entsandt sind. Und dann werden Geschäftsführer eingesetzt, die den Trainer rausschmeißen. Es geht also doch.
Aber das ist ein doch wohl undenkbares Szenario.
Aber Willi Lemke und Co. schweigen und versäumen es damit, der Geschäftsführung inklusive Klaus Allofs sowie Trainer Thomas Schaaf öffentlich Rückendeckung zu geben.
Das hat der Aufsichtsrat doch schon gemacht – und zwar zuerst in Ihrer Zeitung. Und intern sind wir permanent im Austausch – das reicht uns. Das passt auch viel besser zu Werder. Und ich möchte an dieser Stelle auch klarstellen, dass der Aufsichtsrat nicht untätig ist. Der Verein befindet sich nicht in einer Schockstarre. Wir sind sogar sehr aktiv.
Es gibt den Verdacht, dass Klaus Allofs seit seinem Aufstieg zum Vorsitzenden der Geschäftsführung nicht mehr genug Zeit für den sportlichen Bereich hat. Braucht er Entlastung?
Die hat er doch in Person von Frank Baumann bekommen, der ein vorzüglicher Lehrling ist. Und für das dazu gekommene Aufgabengebiet Öffentlichkeitsarbeit gibt es unsere große Medienabteilung. Das alles hat mit unserer sportlichen Situation nichts zu tun.
Wird Klaus Allofs über das Ende seines Vertrags Mitte 2012 hinaus bei Werder bleiben? Der Aufsichtsrat gibt sich auch bei diesem Thema sehr zurückhaltend, das bietet Raum für Spekulationen.
Ich weiß, dass der Aufsichtsrat Klaus Allofs das Signal gegeben hat, Gespräche führen zu wollen. Den Zeitpunkt soll er selbst bestimmen, was ich in der aktuellen Situation für absolut vernünftig halte.

Will Allofs überhaupt bleiben?

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