Thomas Schaaf: Seine Zeit bei Werder Bremen

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Thomas Schaaf, Trainer des SV Werder Bremen, ist seit 41 Jahren Vereinsmitglied.

Bremen - Von Marcel Kloth. Thomas Schaaf ist seit 41 Jahren Vereinsmitglied bei Werder Bremen und verkörpert die Liebe zu seinem Verein wie kein Zweiter in der Bundesliga. Ein Blick auf seine Karriere.

Am 10. Mai war Thomas Schaaf 14 Jahre als Trainer im Amt, am 6. August hätte er Otto Rehhagels Rekord egalisiert - er wäre 14 Jahre und 88 Tage Trainer bei Werder und hätte den Altmeister damit eingeholt. Doch dazu kam es nicht mehr: Am 15. Mai gab der SV Werder Bremen die einvernehmliche Trennung von Cheftrainer Thomas Schaaf bekannt.

„Mannheim ist mein Geburtsort, Bremen ist meine Heimat. Wenn du hier so lange lebst, hier aufgewachsen bist – dann ist dir eine Stadt wie Bremen ans Herz gewachsen“, sagte Thomas Schaaf 2011 im Interview mit der Kreiszeitung Syke. Schaaf wurde am 30. April 1961 in Mannheim geboren und zog nach dem Tod des Vaters im Jahr 1965 - als Werder erstmals Deutscher Meister wurde - mit seiner Mutter und seinem Bruder nach Bremen. Seitdem hat sich eine Liebe zur Stadt entwickelt, nachvollziehbar, da sie seit 48 Jahren Wohn- und Arbeitsort ist. Er begeisterte sich früh für den Fußballsport und spielte als Kind beim BVV Union Bremen. Als elfjähriger Junge wurde er Vereinsmitglied bei Werder und durchlief fortan die Jugendmannschaften des Vereins.

Als hochtalentierter A-Jugendlicher schaffte er 1978 den Sprung in die Amateurmannschaft und feierte schließlich noch im gleichen Jahr sein Debüt in der Fußballbundesliga. Mit 17 Jahren, elf Monaten und 19 Tagen ist er der jüngste Bundesligaakteur der Hanseaten. Im Buch "Lebenslang grün-weiß" von Arnd Zeigler sagte Schaaf 2006: „Ich war eigentlich noch A-Jugendlicher, spielte aber schon bei den Amateuren. Ab und zu habe ich auch im Profikader mittrainieren dürfen. Die Bundesligamannschaft musste in Bochum antreten, und durch einen Personalengpass wurde ich nominiert. Norbert Siegmann hatte sich verletzt. Morgens am Spieltag, einem Mittwoch, bin ich noch zur Schule gegangen und mittags mit dem Zug der Mannschaft hinterhergefahren. Im Spiel hat sich unser Kalle Geils dann auch noch verletzt, und nach 64 Minuten hat mich Trainer Weber dann aufs Feld geschickt. Ich musste gegen Bochums Jochen Abel spielen, damals ein sehr abgezockter, erfahrener Torjäger. Wir haben leider 0:3 verloren, aber das Spiel war mein Einstand.“

Es war das erste von insgesamt 281 Spielen für den SV Werder Bremen - davon 262 in der 1. Bundesliga. Doch seine ersten Jahre als Profi waren geprägt von unruhigen Verhältnissen, vielen Trainerwechseln und dem Abstieg im Jahr 1980. Trotz dieser Ereignisse haben diese Jahre die Spielweise von Schaaf geprägt, da er mit Legenden wie Horst-Dieter Höttges und Klaus Fichtel zusammenspielen durfte. Dazu sagte Schaaf im im Buch "Lebenslang grün-weiß" von Zeigler: „Von ihnen konnte an sich in Sachen Cleverness und Zweikampfverhalten natürlich eine Menge abgucken. Mit ihnen zusammenzuspielen hat unheimlich viel Spaß gemacht. Ich habe im weiteren Verlauf meiner Karriere sehr davon profitiert, so großartige Vorbilder bei Werder gehabt zu haben.“

1981 folgte der souveräne und direkte Wiederaufstieg ins Oberhaus des deutschen Fußballs. Am 2. April übernimmt Otto Rehhagel erneut das Traineramt in Bremen und läutet eine sensationelle Ära bei den Norddeutschen ein. Thomas Schaaf etabliert sich als unangefochtener Stammspieler auf der Position des rechten Verteidigers. 1983, 1985 und 1986 wird die Meisterschaft knapp verpasst, bis Werder 1988 unter Mannschaftskapitän Mirko Votava nach 23 Jahren zum zweiten Mal deutscher Meister wird. Im gleichen Jahr gewinnt man den Supercup und stößt im UEFA-Pokal bis ins Halbfinale vor. Das ist der Beginn einer goldenen Ära! In den zwei darauffolgenden Jahren zog man jeweils ins Pokalfinale ein, 1990 erneut bis ins Halbfinale des UEFA-Pokals. 1991 folgte der Pokalsieg als der 1. FC Köln im Elfmeterschießen mit 3:4 besiegt wurde, Ulli Borowka versenkte den entscheidenden Ball zum Endstand. 1992 eroberte Werder Europa, bezwang am 6. Mai im Stadion des Lichts in Lissabon des AS Monaco mit 2:0 und gewann den Europapokal der Pokalsieger. Die Tore schossen damals Klaus Allofs und Wynton Rufer. Trainer des Gegners war ein gewisser Arsène Wegner, inzwischen seit 17 Jahren Cheftrainer beim FC Arsenal. Doch Thomas Schaaf stand vor dem Ende seiner Spielerkarriere und erlebte die Meisterschaft 1993 und den DFB-Pokalsieg 1994 nur noch als Ergänzungsspieler. Als Otto Rehhagel sich im Jahr 1995 mit der Vizemeisterschaft aus Bremen verabschiedete, verkündete auch Thomas Schaaf das Ende seiner Karriere.

Seit 1988 war Schaaf neben seiner Spielerkarriere auch als Trainer verschiedener Jugendmannschaften tätig und übernahm 1995 die Amateurmannschaft des SV Werder Bremen. „Den Weg vom Nachwuchstrainer direkt zum Profitrainer zu werden, den gab es eigentlich nie. Weder bei uns, noch bei anderen Vereinen. Ich konnte nie davon ausgehen, bei Werder Cheftrainer der Profis zu werden. Ich habe mir immer gesagt: Mach deinen Job als Nachwuchstrainer gut, dann kriegst du vielleicht irgendwann ein Angebot eines anderen Vereins aus dem Profibereich. Und dann gehst du weg und entwickelst dich weiter, und vielleicht kommst du irgendwann wieder“, so Schaaf im Zeigler-Buch.

Doch alles kam anders als erwartet! 1999 schwebt Werder in höchster Abstiegsgefahr, Trainer Felix Magath wird nach nur 22 Spielen wieder entlassen. Thomas Schaaf wird Cheftrainer für die letzten vier Spiele der Saison und feiert einen Bilderbuch-Einstand. Am 11. Mai schießt Christoph Dabrowski in der 54. Minute das entscheidende 1:0 für Werder gegen den FC Schalke 04 - es sollte bei diesem Ergebnis bleiben! Besser hätte das Debüt als Cheftrainer nicht verlaufen können! Schaaf sagte darüber: „Werder kannte meine Arbeit und hatte das Problem, nach der Trennung von Felix Magath einen neuen Trainer finden zu müssen. Ich wurde an einem Sonntag vom Vorstand angerufen und gefragt, ob ich die Mannschaft für den Rest der Saison übernehmen würde. Ich habe gar nicht viel überlegt und erstmal gesagt: „Klar, kein Thema!“ Auf der anderen Seite hat man einen Plan für sein eigenes Berufsleben. Es hätte ja auch sein können, dass man sich mit so einem Job als Interimstrainer alles verbaut. Aber letztlich hatte ich Werder so viel zu verdanken und sagte mir: Jetzt wirst du gebraucht und machst das einfach! Ich habe also zugesagt und hatte nur ganz wenig Zeit mit der Mannschaft vor dem Schicksalsspiel gegen Schalke 04 zu arbeiten. Am Sonntagabend wurde ich gebeten, den Job zu machen, am Dienstag war das Spiel. Und das war sensationell! Ich kriege jetzt noch jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, welche Sympathie uns entgegengebracht wurde. Unfassbar!“

Es sollte der Beginn einer großartigen Trainerkarriere werden. Er verhinderte den Abstieg und führte die Mannschaft in der gleichen Saison zum Gewinn des DFB-Pokals, der FC Bayern München wurde im Elfmeterschießen mit 5:4 geschlagen, Torhüter Frank Rost verwandelte den entscheidenden Versuch. Damit wurde Schaaf in seinem fünften Spiel der erste Trainer, der den Pokal bereits zuvor als Spieler gewonnen hatte.

Im Oktober 1999 bekam Schaaf Klaus Allofs als Vorstand des Profifußballs an die Seite gestellt. Die beiden sollten 13 Jahre lang ein erfolgreiches, harmonierendes Duo bilden. In den darauffolgenden Jahren wurde der Kader verstärkt, es kamen Spieler wie Claudio Pizarro, Frank Baumann, Tim Borowski, Paul Stalteri und Ivan Klasnic. Werder wurde Stammgast im oberen Tabellendrittel. 2004 folgte der absolute Höhepunkt des gesamten Vereinsgeschichte! Werders erfolgreichste Mannschaft aller Zeiten holte mit Kapitän Frank Baumann das Double. Seit dem 16. Spieltag befanden sich die Bremer dauerhaft als Platz 1 der Tabelle und machten die Meisterschaft am 32. Spieltag mit einem 1:3-Erfolg beim Rivalen in München perfekt. Das Bild, wie Thomas Schaaf bei der Ankunft in Bremen mit Fahne und Kamera oben aus der Flugzeugluke die Fans begrüßte, ging in die Geschichtsbücher ein. Doch es kam noch besser! Am 29. Mai wurde Alemannia Aachen im DFB-Pokalfinale mit 3:2 besiegt, Tim Borowski machte den Coup als Doppeltorschütze perfekt. Thomas Schaaf war auf dem Höhepunkt seiner Karriere!

Werder wurde Stammgast in der Champions League, erreichte dort 2005 und 2006 das Achtelfinale und war unumstrittene Nummer Eins im Norden. Das Team spielte jährlich um die Meisterschaft mit und wurde 2006 und 2008 Vize-Meister. Nationalspieler wie Miroslav Klose und Petri Pasanen wurden verpflichtet, Torsten Frings wurde aus München zurückgeholt. Mit spektakulärem Offensiv-Fußball begeisterte Werder die Fans, Spieler wie Diego, Naldo und Mertesacker gaben dem Erfolg jahrelang ein Gesicht. 2009 stand Werder erstmals im Finale des UEFA-Pokals, im gleichen Jahr wurde der DFB-Pokal gewonnen. Werder etablierte sich als Spitzenmannschaft und mischte die Bundesliga kräftig auf. Der Vater des Erfolgs war der Trainer: Thomas Schaaf.

Seine Karriere in Bildern

14 Jahre Thomas Schaaf bei Werder Bremen

Doch seit 2011 ist Werder ins Mittelmaß abgerutscht. Nach einer Negativserie, die Werder an den Rand des Abstiegskampfes brachte, wurde der Trainer erstmals öffentlich diskutiert. Der Verein sprach ihm jedoch stets das Vertrauen aus und erstickte mögliche Spekulationen im Keim. Nach einer durchschnittlichen Saison 2011/2012 erfolgte ein Umbruch, Leistungsträger verließen den Verein, es wurde auf junge Nachwuchskräfte gesetzt. Aber dieses Experiment scheiterte. Im Oktober verließ Manager Klaus Allofs den Verein in Richtung Wolfsburg, mit Thomas Eichin wurde einige Wochen später ein Nachfolger präsentiert.

Thomas Schaaf ist mit seiner Frau Astrid verheiratet und hat eine Tochter, Valeska (*1991). Er wohnt in Stuhr. Seine Ausbildung zum Fußballlehrer absolvierte er an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Seit 2004 engagiert sich Schaaf ehrenamtlich als Botschafter für das „Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in Bremen“ und hilft dem Verein zusammen mit weiteren Prominenten wie Sabine Postel und Ina Müller.

Am 15. Mai 2013 hat sich der SV Werder Bremen von Cheftrainer Thomas Schaaf einvernehmlich getrennt. Der langjährige Coach wird beim letzten Bundesliga-Soiel nicht mehr auf der Bank sitzen

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