Werder-Kapitän Frings will „Spaß und Freude“ zurück – dann endet bald auch die Bremer Krise

Im Teufelskreis der Enttäuschung?

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„Uns weht der Gegenwind jetzt richtig ins Gesicht", sagt Werder-Spieler Torsten Frings.

Werder-Bremen - Von Carsten Sander · Der Wutausbruch des Trainers kommt aus dem Nichts. Und er trifft ausgerechnet einen, der nicht gerade zu den Hauptverantwortlichen für die Werder-Krise gezählt werden kann. „Was stehst du da rum?“, schreit Thomas Schaaf Reservespieler Peter Niemeyer an und rennt mit den Armen wedelnd über den Trainingsplatz. Schaaf faucht, zürnt, bölkt. Es ist eine Szene, die verdeutlicht: Nach vier Niederlagen in Folge werden Ton und Umgang in Bremen immer rauer.

Die eisige Brise, die dabei über den Peterswerder zieht, passt zudem perfekt. Sie macht die clubinterne Atmosphäre gewissermaßen auch für Außenstehende (nach)fühlbar. Und Torsten Frings beschreibt sein Empfinden so: „Uns weht der Gegenwind jetzt richtig ins Gesicht.“

Mit Orkanstärke sogar. Denn Werder, das hochgelobte Wunderteam der Hinrunde, hat schon viel verspielt. Die Meisterschaft ganz sicher. Die Champions League im Grunde auch. Selbst ein Europa-League-Platz ist schon sechs Punkte entfernt. Gründe genug für den erfahrenen Kapitän, lauter denn je Alarm zu schlagen. „Wir sind kurz davor, dass es wieder so eine Saison wird wie die letzte“, warnt Frings und fordert von allen Kollegen, sich fortan mit aller Konsequenz gegen die Krise zu stemmen: „Ich denke, dass die Mannschaft weiß, dass es so nicht weitergeht. Wir müssen diese Niederlagenserie stoppen – egal wie.“

Bislang waren in der Aufzählung der geeigneten Mittel zur Krisenbewältigung vor allem Vokabeln wie Kampf, Einsatz und totale Bereitschaft gefallen. Frings schließt sich dem an. Doch er, dessen gesamte Karriere auf Kampf, Einsatz und totaler Bereitschaft basiert, erweitert die Palette um zwei zusätzliche Faktoren: „Wir müssen“, erklärt der 33-Jährige, „uns den Spaß und die Freude zurückholen. Diese Dinge haben uns in der Hinrunde noch stark gemacht.“

Damals – also noch vor sieben Wochen – war die Mannschaft ein Serientäter im positiven Sinne. 23 Spiele in Folge gingen ohne Niederlage über die Bühne. Frings: „Da herrschte eitel Sonnenschein.“ Jetzt geht’s rasant in die andere Richtung. Und es will sich nicht gleich erschließen, wie der Werder-Kapitän eingedenk der Pleitenserie, der Demütigung durch den FC Bayern, der Gefrierschrank-Temperaturen und eines tobenden Trainers Spaß und Freude erzeugen will. Wie er den Teufelskreis aus Frust, Niederlagen und neuem Frust und wieder neuen Niederlagen verlassen will. Doch Frings bleibt dabei: „Wir müssen uns das im Training irgendwie zurückholen.“

Irgendwie – das klingt irgendwie wenig fundiert. Frings weiß auch, dass vieles, was er zur aktuellen Situation sagen kann, nach Parolen klingt. Aber die genannten Dinge seien eben die Stellschrauben, an denen im Fußball gedreht werden kann. „Anders geht’s nicht“, sagt er.

Dabei blendet er eine Möglichkeit (bewusst?) aus. Neue Spieler. Die zurückhaltende Personalpolitik von Coach Schaaf und Sportdirektor Allofs – lediglich Linksverteidiger Aymen Abdennour wurde in dieser Winterpause verpflichtet, ein dringend benötigter neuer Stürmer ist nicht in Sicht – sorgt in den Werder-Fan-Foren schon lange für heftige Diskussionen und erregte Beiträge. Torsten Frings möchte sich „dazu nicht äußern“. Der Kapitän sagt, das sei „ein leidiges Thema“.

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