Neuer Trainer glaubt an den Klassenerhalt

U23-Coach Hübscher im Interview: „Wir haben noch alle Chancen“

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Sven Hübscher ist der neue U23-Trainer von Werder Bremen.

Bremen - Klassenerhalt trotz schwarzer Serie? Sven Hübscher, der neue Coach von Werder Bremens U23, glaubt daran und klingt wie Florian Kohfeldt. Ein Interview.

Auf einmal war da Sven Hübscher. Der Mann, der erst im vergangenen Sommer als U17-Trainer im Leistungszentrum des SV Werder angeheuert hatte, wurde in der vergangenen Woche zum Nachfolger von Oliver Zapel ernannt und übernahm die U23. Die befindet sich nach 20 Spielen ohne Sieg und als Vorletzter der Dritten Liga in einer mehr als heiklen sportlichen Situation.

Hübscher, 39 Jahre alt und mit der Erfahrung aus dreieinhalb Jahren als Co-Trainer von Schalke 04 ausgestattet, soll das Team nun noch vor dem Abstieg retten. Wie? Die Vorlage liefert Bundesliga-Coach Florian Kohfeldt. Und ganz bestimmt dürfen sich Spiele wie das am Sonntag beim SV Wehen Wiesbaden nicht mehr oft wiederholen. Denn Hübschers Debüt war im Zuge einer schwarzen Bremer Serie eines zum Schwarzärgern.

Wie haben Sie Ihre ersten Tage als U23-Trainer erlebt?

Sven Hübscher: Es waren aufregende, vollgepackte und auch hektische Tage.

Mit dem 2:2 beim Tabellendritten Wehen Wiesbaden als Einstand. Bis zur 89. Minute hatte Ihr Team noch 2:0 geführt, dann flutschte der Einstand nach Maß noch durch die Finger.

Hübscher: Es wäre natürlich ein Traumeinstand gewesen, wenn wir das Spiel gewonnen hätten. Vor dem Spiel wären wir mit einem Punkt nicht unglücklich gewesen, aber in den Schlussminuten noch ein 2:0 aus der Hand zu geben, ist ärgerlich. So sind wir mit dem einen Punkt unzufrieden – die Mannschaft ist es, ich bin es. Aber wer weiß, wofür dieser eine Punkt am Ende noch gut ist.

Wie viel Ihres Elans, mit dem Sie Ihre neue Aufgabe angehen, hat dieser spät verspielte Sieg gekostet?

Hübscher: Nicht ein bisschen. Es geht einfach darum, den Jungs den richtigen Weg aufzuzeigen. Das haben wir in der Spielanalyse gemacht. Wir haben auch aufgezeigt, dass vieles gut war in dem Spiel und dass wir daran anknüpfen können.

Hübscher: Über allem steht der Abstiegskampf und die Serie von mittlerweile 20 Spielen ohne Sieg. Wie gehen Sie damit um?

Hübscher: Darüber denken wir nicht nach. Es darf die Mannschaft nicht interessieren, wie lange sie nicht mehr gewonnen hat. Irgendwann reißt diese Serie, und wir haben es in der Hand, wann das sein wird. Wir waren in Wiesbaden auf einem guten Weg. Wir müssen das jetzt konservieren und noch intensiver arbeiten. Es geht immer nur darum, das nächste Spiel zu gewinnen. Und die Mannschaft hat die Qualität für Siege.

Lässt sich die schwarze Serie so einfach beiseite schieben?

Hübscher: Ich versuche, die Spieler auf die Trainingsarbeit zu fokussieren und spreche die Serie selbst gar nicht an, blende sie komplett aus. Wir werden zwar ständig von den Medien damit konfrontiert, aber für uns darf die Serie gar nicht existieren. Die Mannschaft zieht mit, das hat man in Wiesbaden gesehen. Sie hat die richtige Einstellung. Dann kommen auch irgendwann die Siege.

Sie haben bei sieben Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz noch 14 Spiele Zeit, den Klassenerhalt irgendwie zu realisieren. Ist das noch ein realistisches Ziel? Oder geht es nur noch um die Ausbildung der jungen Spieler?

Hübscher: Natürlich geht es um den Klassenerhalt. Wir haben noch alle Chancen, sind doch nicht hoffnungslos abgeschlagen. Aber der Weg zum Klassenerhalt führt über die Entwicklung der Spieler. Wenn wir die fußballerische Qualität der Jungs auf den Platz bringen und in den entscheidenden Phasen besser Fußball spielen, hat der Gegner auch nicht den Zugriff und wir geraten nicht – wie am Sonntag – unter diesen Dauerdruck.

Es ist ein immer währendes Thema bei der U23, ob die dritte oder die vierte Liga die richtige Spielklasse für ein Nachwuchsteam ist. Wie sehen Sie es?

Hübscher: Ich denke, es ist die Dritte Liga. Zum einen weil sie für die Nachwuchsarbeit des Vereins ein Aushängeschild ist, zum anderen weil die Spieler in einer Profi-Liga besser lernen. Es ist zwar eine harte Schule, kleinste Fehler werden meistens knallhart bestraft. Aber das ist der Weg, um die Spieler an die Bundesliga heranzuführen. Je höher die Liga desto höher das Spielniveau, umso näher sind die Jungs an der Bundesliga dran.

Wo sehen Sie den dringlichsten Ansatzpunkt, um die Mannschaft zum Klassenerhalt führen zu können?

Hübscher: Es ist der fußballerische Ansatz. Wir müssen besser Fußball spielen, dürfen die Bälle nicht von hinten lang raus schlagen und damit wieder den schnellen Ballverlust haben. Wir müssen zum Kombinationsfußball finden.

Im Abstiegskampf den schönen Fußball kultivieren – das kommt einem sehr bekannt vor. Florian Kohfeldt macht es bei den Profis genauso und ist erfolgreich. Ist die Wiederentdeckung des schönen Fußballs Ihr Auftrag für die U23?

Hübscher: Es geht nicht um Wiederentdeckung, es geht aber definitiv um die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt. Sie soll mutig nach vorne agieren. Wir können uns nicht hinten reinstellen, wenn wir Spiele gewinnen wollen. Die Lösung liegt vorne. Und nach vorne kommen wir nicht, wenn wir den Ball nur lang schlagen und sofort wieder verlieren. Sondern indem wir Fußball spielen. Ich erwarte jetzt keinen Traumfußball, aber ich erwarte, dass wir uns nach vorne kombinieren, dass wir gewisse Situationen ruhiger ausspielen und Tore schießen.

Nochmal: Sie klingen wie Florian Kohfeldt...

Hübscher (lacht): Aber so funktioniert der Fußball, das lässt sich ja nicht ändern.

Sie sind erst im vergangenen Sommer zum SV Werder gestoßen und sind nach nur einer Halbserie vom U17 zum U23-Trainer aufgestiegen. Das ging ganz schön schnell.

Hübscher: Eigentlich war es mein Plan, mindestens ein Jahr eine Mannschaft zu trainieren – also die U17. Das hat nicht ganz geklappt (lacht).

Sven Hübscher gibt seit Anfang Februar 2018 die Anweisungen bei der U23 von Werder Bremen.

Zuvor haben Sie 16 Jahre lang bei Schalke 04 gearbeitet – die letzten dreieinhalb als Co-Trainer des Bundesliga-Teams. Jens Keller, Andre Breitenreiter und Roberto Di Matteo waren Ihre Chefs. Danach gab es eine Lücke von einem Jahr, und nun sind Sie Cheftrainer eines Drittligisten – entspricht das Ihrem Karriereplan?

Hübscher: Bevor ich zu Werder kam, hätte ich auch – ligaunabhängig – weiter als Co-Trainer arbeiten können. Ich habe mich aber ganz bewusst für Werder und für die Arbeit im Leistungszentrum entschieden. Vom SV Werder wurde mir sofort viel Wertschätzung und Vertrauen entgegengebracht. Ich wollte selbstständig arbeiten und meine Ideen umsetzen können.

Nun dürfen Sie das in Liga drei machen. Haben Sie Ambitionen, dass es für Sie noch höher hinaus gehen soll?

Hübscher: Ich habe es mir abgewöhnt, meine Glückseligkeit von der Position, die ich bekleide, abhängig zu machen. Im Fußball ist es schwer, etwas zu planen, das sieht man gerade wieder. Ich habe nicht mal das geplante Jahr bei der U17 geschafft (lacht). Jetzt bin ich bei der U23, und es gibt überhaupt keinen Grund, über etwas anderes nachzudenken – sei es intern oder extern.

Aber einen Wunsch, einen Traum werden Sie doch haben.

Hübscher: Mein Wunsch ist es, möglichst professionell arbeiten zu können – und dieser Wunsch ist eigentlich schon erfüllt: Ich kann mich jeden Tag auf dem Platz mit einer Mannschaft verwirklichen – bis vor kurzem mit der U17, nun mit der U23.

Wer Ihren Namen googelt, findet keine Hinweise auf eine Profi-Karriere. Dennoch haben Sie den Weg zum Fußballlehrer beschritten – wieso?

Hübscher: Bei mir ging es halt immer um Fußball. Meine Eltern hatten früher zwar versucht, mir auch andere Sportarten schmackhaft zu machen, das hat aber nicht geklappt. Es gab nur Fußball. Ich war dann aber früh verletzt, musste dreimal am Sprunggelenk operiert werden. Und dann habe ich – noch als U19-Spieler – erste Erfahrungen als U15-Trainer beim DSC Wanne-Eickel gemacht. Da bin ich irgendwie reingerutscht. Aber ich habe schnell erkannt: Das ist mein Ding. Nach wenigen Monaten hatte ich dann schon ein Vorstellungsgespräch bei Schalke 04 – das ging alles relativ schnell. Von dem Punkt an habe ich eine Stufe nach der anderen genommen. Mein Ziel war es, hauptberuflich als Fußballlehrer arbeiten zu können, und das habe ich geschafft.

Bei einem Abstieg der U23 wären Sie Trainer eines Regionalligisten – würde Sie das auch noch zufriedenstellen?

Hübscher: Ich spreche nicht über den Abstieg.

Der Verein hat bei Ihrer Beförderung aber direkt signalisiert, dass Sie – im Falle des Falles – auch eine Liga tiefer Trainer bleiben sollen.

Hübscher: Das bestätigt das Vertrauen des Vereins. Aber jetzt müssen wir uns erstmal auf die letzten 14 Spiele und auf den Klassenerhalt konzentrieren.

Werders neuer U23-Trainer Sven Hübscher (r.) im Interview mit DeichStuben-Reporter Carsten Sander.

Quelle: DeichStube

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