Werder-Torwart Tim Wiese gibt nicht auf – und lässt im Training Dampf ab

„Südafrika? Dafür werde ich das ganze Jahr kämpfen“

Werder-Torwart Tim Wiese (links) war gestern im Training kaum zu halten. Der Keeper spielte im Feld und gab richtig Gas. Zweimal wusste sich Teamkollege Sebastian Boenisch (rechts) nur mit einem Foul zu helfen – und Wiese verwandelte einen Elfmeter, den anderen überließ er Torsten Frings. Foto: nph

Werder-Bremen - Von Arne Flügge · Er rannte, grätschte, dribbelte – so, als gäbe es kein Morgen. Werder Bremens Torwart Tim Wiese war gestern im Training wie aufgedreht, beackerte als Feldspieler die rechte Außenbahn. Es hatte den Anschein, als müsse sich der 28-Jährige mal richtig auspowern und sich eine gehörige Portion Frust von der Seele rennen.

Denn die Länderspielreise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit den Begegnungen in Russland und gegen Finnland ist für Werders Nummer eins alles andere als befriedigend verlaufen. In Moskau schmorte Wiese nur auf der Tribüne, in Hamburg saß er 90 Minuten lang auf der Bank. Und zu allem Überfluss kam der Torwart mit der für ihn bitteren Erkenntnis zurück, im aktuellen Ranking um die Tickets für die WM im kommenden Jahr in Südafrika hinter Rene Adler (Leverkusen), Robert Enke (Hannover) und Manuel Neuer (Schalke 04) wohl auf den vierten und letzten Platz abgerutscht zu sein.

Doch Wiese wäre nicht Wiese, wenn er diese Momentaufnahme nicht als zusätzlichen Ansporn sehen würde. „Mein Ziel ist es, im kommenden Jahr dabei zu sein. Südafrika? Dafür werde ich das ganz Jahr kämpfen“, sagte der Bremer Keeper.

Auch wenn es für ihn ein Kampf gegen die Windmühlen werden sollte und wohl vermutlich auch wird. Wiese – der Don Quichotte unter den deutschen Torhütern? Schließlich hat es den Anschein, dass der Bremer in der Gunst von Bundestrainer Joachim Löw nicht besonders hoch angesiedelt ist. Eine echte Bewährungschance ist ihm bislang nicht gegeben worden. „Doch was soll ich machen?“, fragt Wiese – und schickt die Antwort gleich hinterher: „Ich weiß, was ich kann. Und ich kann jetzt nur weiterhin meine Leistung bringen. Die Entscheidung treffen dann andere.“

Wiese – der Kämpfer. 529 Bundesligaminuten ist er jetzt ohne Gegentor. Er ist der einzige von den vier Torwart-Kandidaten, der international spielt. Dennoch haben andere die Nase vorn. Das ist für den Torwart frustrierend. Was aber soll er anderes tun, als sich weiterhin optimistisch zu zeigen? Kritik an der für ihn im DFB-Team derzeit unkomfortablen Lage lauthals herausbrüllen? Damit würde er sich nur selbst schaden. Da verstehen die Chefs im DFB keinen Spaß. Teamkollege Torsten Frings kann ein Lied davon singen. Den Frust über die Situation in sich hineinfressen? Dafür ist Wiese nicht der Typ. Da lässt er lieber mal Dampf ab – sportlich freilich, wie gestern im Training.

Immerhin: Wiese holte gegen Sebastian Boenisch zwei Elfmeter heraus, von denen er einen selbst verwandelte. Zudem bereitete er zwei weitere Tore vor. „Ich glaube, er hatte in den letzten zwei Wochen bei der Nationalmannschaft viel Zeit, sich auszuruhen“, stichelte Clemens Fritz, etatmäßiger Rechtsverteidiger bei Werder, scherzhaft. „Noch zwei, drei Wochen, dann kannst du mich auf der Position bringen“, entgegnete Wiese. Trainer Thomas Schaaf hatte da so seine eigene Einschätzung: „Besser nicht . . .“

Als Torwart habe Wiese weitaus größere Qualitäten. Ob die aber reichen, um in Südafrika dabei zu sein, wird nicht an der Weser entschieden.

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