Coach von Austria Wien und sein Salzburger Kollege Roger Schmidt im Blickfeld

Die Suche wird international: Wartet Werder auf Stöger?

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Peter Stöger leistet bei Austria Wien gute Arbeit. Das macht ihn auch für Werder Bremen interessant.

Bremen - Eines ist seit Samstagabend sicher: Werder Bremen hat in Thomas Eichin einen treffsicheren Sportchef – jedenfalls an der Torwand. Dreimal verwandelte der 46-Jährige bei seinem Premieren-Auftritt im ZDF-Sportstudio, einmal unten, zweimal oben.

Respekt dafür. Aber nun muss Eichin beweisen, dass er auch bei der Trainersuche einen Volltreffer landen kann. Und anders als an der Torwand hat er dafür keine sechs Versuche.

Das Terrain, das Eichin dabei abscannt, ist längst international geworden. Die Spuren führen vor allem nach Österreich. Möglich scheint, dass Eichins Ziel Peter Stöger (47) heißt. Werder soll bereits Kontakt zum Umfeld des Trainers von Austria Wien aufgenommen haben. Auch über Roger Schmidt (46), deutscher Coach des Austria-Widersachers Red Bull Salzburg, kursiert das Gerücht, er sei Werders Wunschkandidat. Eichin lässt alle Spekulationen unkommentiert, will Namen weder dementieren noch bestätigen und gibt keine Wasserstandsmeldungen ab.

Gemein haben die beiden aus dem Alpenland, dass sie über keine Erfahrungen in der höchsten deutschen Spielklasse verfügen (was kein Ausschlusskriterium, aber auch keine Empfehlung ist) und dass sie in Österreich noch um den Titel streiten.

Mit klaren Vorteilen für Stöger. Die Austria steht unmittelbar vor dem Gewinn der Meisterschaft. Zwei Spieltage vor Saisonschluss liegt das Überraschungsteam sechs Punkte vor dem finanzstarken Salzburger Fußball-Projekt. Am Mittwoch reicht schon ein Punkt gegen den SV Mattersburg zum Titel. Am 30. Mai wäre dann im Pokalfinale gegen den SV Pasching sogar das Double möglich.

Stöger befindet sich also in der heißen Phase der Saison, da wäre es nur logisch, wenn er das Bitte-nicht-stören-Schild an seine Tür hängt und aktuell keine Gespräche über einen Wechsel führen, geschweige denn eine Entscheidung fällen will. Doch der als Fußball-Intellektueller geltende Coach nimmt das Rumoren um seine Person locker, lacht sogar über das angebliche Bremer Interesse. „Ich fühle mich sehr geehrt, aber ich hatte keinen Kontakt“, sagte er am Wochenende.

Aber was nicht ist, kann noch werden – wenn Stöger und die Austria mit allem durch sind. Zu dieser Theorie passt, dass Eichin keine superschnelle Lösung des Bremer Trainer-Problems erwartet. „Diese Woche gehe ich nicht davon aus“, sagte er gestern.

Peter Stöger verfügt bei der Austria noch über einen bis 2014 laufenden Vertrag, der ehemalige Paderborn-Coach Schmidt in Salzburg ebenso. Doch eine mögliche Ablösezahlung würde Werder nicht schrecken. Das hatte Eichin – kurz bevor er an der ZDF-Torwand drei Bälle versenkte – in einem allgemein gehaltenen Statement klargemacht: „Wenn wir den Trainer finden und dieser Trainer zu uns kommen möchte, dann werden wir alle Möglichkeiten suchen, diesen Trainer zu bekommen.“

Ein größeres Problem könnte sein, dass Stöger beziehungsweise Schmidt die Chance auf die Champions oder Europa League gegen den Neuaufbau in Bremen tauschen müssten. Das wäre eine Grundsatzentscheidung, ist aber auch ein Gedanke, der zumindest für Stöger nicht neu ist. Über seine Zukunft hatte der ehemalige österreichische Nationalspieler (65 Einsätze, 15 Tore) unlängst offen sinniert. „Bei mir gibt es drei Überlegungen: Ich will hier so erfolgreich arbeiten, dass ich sage, okay, ich werde der am längsten dienende Austria-Trainer. Das Zweite ist logischerweise die Überlegung, was würde ich als Teamchef (der österreichischen Nationalmannschaft, d. Red.) machen. Oder wirklich einen Transfer in eine große Liga, wie zum Beispiel Deutschland.“

Die Liga in Deutschland ist zwar deutlich größer als in Österreich, hält für Werder offenbar dennoch keinen geeigneten (oder verfügbaren) Kandidaten für die Nachfolge von Thomas Schaaf bereit. Thorsten Lieberknecht (Eintracht Braunschweig) stand in Bremen zwar auf der Liste der Optionen weit vorne, hat aber abgewunken. Thomas Tuchel (Mainz 05) wollte nie ein Thema werden. Holger Stanislawski nach seinem Rücktritt beim 1. FC Köln auch nicht. „Ich werde mich erstmal zurückziehen“, sagte er über seine Pläne. Heiko Vogel (ehemals FC Basel) und Mike Büskens (ehemals Greuther Fürth) sind zwar vertragslos, spielen in den Bremer Überlegungen aber keine Rolle. Und Markus Weinzierl dürfte nach dem Klassenerhalt mit dem FC Augsburg seinen Heldenstatus dort kaum aufgeben wollen. · csa

Einzelkritik: De Bruynes würdevoller Abschied

Sebastian Mielitz: Nur einmal – bei einem Versuch von Mendler (47.) – zeichnete er sich aus. Ansonsten war es ein Spiel, wie es der Schlussmann in der Saison im doppelten Dutzend erlebt hat. Gegentore satt. In Nürnberg war Mielitz beim ersten chancen-, beim zweiten glück- und beim dritten reaktionslos, als er die Vorlage auf Pekhart durch den Fünfmeterraum sausen ließ. Note 4,5 © Nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Nach drei Spielen zurück in der Startelf. Aber Gebre Selassie bestätigte nur die negativen Eindrücke der gesamten Saison und beschloss die Spielzeit mit einer blassen, fehlerbehafteten Leistung. Wieso er beim 1:2 in Deckung ging, statt einzuschreiten? Sein Geheimnis. Note 5 © Nordphoto
Sebastian Prödl: Sorgte für ein Schmankerl, als er den Ball auf das Tribünendach drosch. Beim Nürnberger Ausgleich kam er gegen Nilsson einen Tick zu spät. Insgesamt wie alle anderen ohne Rezept gegen die Stärke des Gegners bei Standards. Note 4 © Nordphoto
Assani Lukimya: Vertrat den verletzten Sokratis in der Innenverteidigung. In der weitgehend beschäftigungsfreien ersten Halbzeit fiel er fast überhaupt nicht auf. Nach der Pause stieg die Intensität der Partie, und Lukimya kam nicht immer mit. Speziell nicht bei der Entstehung des 1:3. Note 5 © Nordphoto
Aleksandar Ignjovski: Gewohnt engagiert, aber nur selten mit der gewünschten Wirkung. Auch Ignjovski war beim 1:3 nicht im Bilde. Note 4 © Nordphoto
Felix Kroos: In der wiederbelebten Mittelfeldraute spielte er einen ganz passablen Part als einziger defensiver Mittelfeldspieler. Note 3 © Nordphoto
Clemens Fritz: Im rechten Mittelfeld aufgeboten, mühte er sich redlich, lief am meisten (11,84 Kilometer) gewann die meisten Zweikämpfe (15), setzte aber nach vorne keine Akzente. Note 3,5 © Nordphoto
Zlatko Junuzovic (bis 67.): War bis zur Pause gemeinsam mit Kevin De Bruyne der Motor des Bremer Spiels. Junuzovic lieferte mit einem schönen Pass die Vorlage zur Führung, vergab aber auch die Chance zum 2:0 (52.). Note 3 © Nordphoto
Kevin De Bruyne: In seinem letzten Spiel für Werder zeigte er nochmal alles. Der FCN bekam den Belgier nie in den Griff. Von seinen acht Torschüssen waren zwei drin. Er wird Werder in der kommenden Saison fehlen, keine Frage. Note 2 © Nordphoto
Joseph Akpala (bis 86.): Dritter Startelf-Einsatz der Saison, aber wieder eine schwache, biedere Vorstellung. Note 5 © Nordphoto
Nils Petersen: Nur Nuancen besser als Akpala, weil er engagierter wirkte. Zudem hätte Petersen einen Elfmeter verdient gehabt, als er von FCN-Schlussmann Schäfer von den Beinen geholt worden war (55.). Ging mit dem Makel von 1 073 torlosen Minuten aus der Saison. Note 4 © Nordphoto
Lukas Schmitz (ab 67.): Fand nicht mehr in die Partie. Note - © Nordphoto
Aleksandar Stevanovic (ab 84.): Zweiter Saisoneinsatz für den 21-Jährigen. Note - © Nordphoto
Johannes Wurtz (ab 86.): In seinem zweiten Bundesliga-Auftritt lieferte er noch die Vorlage zum 2:3. Note - © Nordphoto

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