Werder-Coach kritisiert nach 0:5-Desaster sein Team / Freier Tag wird gestrichen

Sturmlos ins Verderben, doch Schaaf sieht es anders

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Thomas Schaaf kritisiert sein Team.

Bremen - Thomas Schaaf hatte endlich alles hinter sich gelassen: die 0:5-Klatsche gegen Dortmund, den anschließenden Medien-Marathon mit den ständigen Systemfragen, das eiskalte Training am Morgen danach und auch das erneute Nachbohren der Journalisten.

Die Kabine war schon in Sichtweite, als gestern Mittag plötzlich zwei BVB-Fans auftauchten und um ein Foto mit dem Werder-Trainer baten. Schaaf blieb stehen, lächelte gequält in die Kamera und bewies damit ein hohes Maß an Professionalität. Es war die einzig gelungene Bremer Aktion an diesem Wochenende.

Werder hatte sich am Samstagabend vom Meister und Pokalsieger vorführen und abschießen lassen. Für Dortmund wären sogar noch mehr Treffer als die von Marco Reus (9.), Mario Götze (19.), Felipe Santana (48.), Robert Lewandowski (81.) und Jakub Blaszczykowski (85.) möglich gewesen. Aber auch das 0:5 reichte zur höchsten Bremer Heimniederlage seit März 1987 – diesem legendären 1:7 gegen Borussia Mönchengladbach. Schaaf hatte auch das damals live erlebt – als Werder-Spieler. „Wo war ich eigentlich nicht dabei? Wo war ich eigentlich nicht schuld?“, seufzte der 51-Jährige und hatte die Lacher in der Journalistenrunde auf seiner Seite.

Die Spieler in der Einzelkritik

Werder verliert gegen Dortmund: die Einzelkritik

Dabei war die Schuldfrage nach dem jüngsten Debakel eine durchaus ernste Angelegenheit. Denn Schaaf hatte etwas getan, was kaum jemand verstand: Auf den Ausfall des gesperrten Außenstürmers Marko Arnautovic reagierte er nicht mit einer simplen Umstellung, also Aaron Hunt oder Kevin De Bruyne außen stürmen zu lassen, sondern mit einem komplizierten Systemwechsel. Werder griff nicht mehr wie sonst mit drei Stürmern an, sondern blieb vorne blank. Ex-Sturmspitze Nils Petersen musste sich im rechten Mittelfeld versuchen. Eine Maßnahme, die sich Schaaf schon in der Winterpause überlegt hatte, die er dann durchweg trainieren und in den Tests spielen ließ, um für diese eine Partie gegen Dortmund gerüstet zu sein.

„Das System war nicht entscheidend“, behauptete Schaaf anschließend – und nicht nur das: „Wir haben in der ersten Halbzeit gute Möglichkeiten gehabt.“ In der Statistik lässt sich allerdings nur Petersens Gelegenheit in der zehnten Minute finden. Ansonsten agierte Werder so harmlos wie selten zuvor. „Wir hatten gar keine Torchancen“, haderte Zlatko Junuzovic: „Wir haben uns einige Male ganz gut den Ball im Mittelfeld erkämpft, aber 20, 25 Meter vorm Tor war Schluss. Mir kam es vor, als wäre da überhaupt keiner von uns im Strafraum gewesen.“ Ohne Stürmer keine wirkliche Überraschung.

Bilder vom Spiel

Werder Bremen verliert gegen Borussia Dortmund 0:5

Doch Schaaf suchte die Gründe für die Klatsche woanders – und zwar beim Team: „Wir sind nach dem 0:3 zurückgegangen, wir haben den Gegner gewähren lassen. Das ist für mich das Entscheidende gewesen. Das ist elementar für unser Spiel. Das müssen wir verändern. Ich stürze mich in die Arbeit.“

Gestern ließ er die Verlierer allerdings noch in Ruhe. Nur die Reservisten mussten richtig trainieren. Die Startformation lief nur 45 Minuten aus. Doch schon heute geht es weiter. Eine Seltenheit bei Werder. Der Montag ist häufig trainingsfrei. Vor allem, wenn das nächste Spiel erst an einem Sonntag ist – so wie das Nordderby beim Hamburger SV. Doch Schaaf betonte, „dass wir viel Arbeit vor uns haben“.

Zum Beispiel muss ab jetzt das alte System der Hinrunde intensiv geübt werden, weil Arnautovic gegen den HSV wieder spielberechtigt ist. Ob die Zeit reicht? Sie muss reichen! Noch beträgt der Rückstand auf die internationalen Plätze tatsächlich nur fünf Punkte. Ein Sieg in Hamburg – und Werder wäre wieder auf Europa-Kurs. Eigentlich unglaublich nach diesem Desaster. · kni

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