Stürmer rechnet mit „Ärger und Pfiffen“

Kein Präsent „am Pranger“: Di Santos Abschied im Stillen

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Auf ausschweifenden Torjubel will Franco Di Santo (links, hier mit Schalke-Kollege Julian Draxler) am Samstag verzichten, falls er denn gegen Werder trifft.

Bremen - „Adios“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Werder rudert bei der Verabschiedung von Franco Di Santo zurück. Anders als bei früheren Präsent-Übergaben und guten Wünschen wird der Bundesligist seinen bisherigen Torjäger nicht im Mittelkreis des ausverkauften Weserstadions ehren, sondern lieber kurz vor Anpfiff in den Katakomben.

Schuld ist die fragwürdige Art, wie der Argentinier die Bremer in Richtung Schalke 04 verlassen und damit viele Fans verärgert hatte. Nun tritt Di Santo mit seinem neuen Club Schalke gleich zu Werders Bundesliga-Auftakt am Samstag ab 15.30 Uhr bei seinem alten Arbeitgeber an – und die Bremer Verantwortlichen möchten die Anti-Stimmung nicht unnötig anheizen.

„Wir wollen niemanden provozieren und niemanden an den Pranger stellen“, begründete Werders Sportchef Thomas Eichin gestern den Entschluss, dieses Ritual doch lieber in einem diskreteren Rahmen zu vollziehen.

Vielleicht besser so, denn Franco Di Santo dürfte bei seiner Rückkehr ohnehin ein scharfer Wind entgegen wehen, wie er selbst vermutete: „Die Werder-Fans werden sicher alles dafür tun, um mir ihre Enttäuschung und ihren Ärger zu zeigen“, schätzte der 26-Jährige im Interview mit „Sport Bild“: „Ich rechne deshalb mit Pfiffen. Aber ich lasse mich davon nicht verunsichern.“ Sollte er jedoch ein Tor gegen seine Ex-Kollegen schießen, „werde ich nicht tanzen – aus Respekt vor meinem früheren Club.“

Doch gesagt hat er schon viel. Jüngstes Beispiel: Sein bisher letztes Zitat auf Bremer Boden. „I hope no“, hatte er auf die Frage geantwortet, ob er zu Schalke wechsele. Das war am „Tag der Fans“ vor knapp drei Wochen. Wenig später brauste er bereits in Richtung Gelsenkirchen davon. In „Sport Bild“ beteuerte der Stürmer nun, „immer mit offenen Karten gespielt“ und sich „fair verhalten“ zu haben. Sieben Tage vor Ende seiner Ausstiegsklausel habe er Werder mitgeteilt, zu Schalke wechseln zu wollen.

Wie auch immer: Für Clemens Fritz ist das alles Schnee von gestern. „Es interessiert mich nicht mehr“, sagte Werders Kapitän kurz und knapp zu dem bevorstehenden Wiedersehen: „Franco hat sich hier super eingebracht und ist ein Super-Typ, aber er ist kein Spieler mehr von Werder Bremen. Wir beschäftigen uns nicht mehr damit“, versichert der 34-Jährige: „Für mich geht es jetzt nur darum, dass wir am Wochenende Punkte holen.“

Am besten mit einem ähnlichen Auftreten wie an jenem Tag, als Di Santo ging: „Es war für uns alle überraschend, aber wir haben uns kurz geschüttelt und im Spiel gegen den FC Sevilla die richtige Reaktion gezeigt“, erinnerte Fritz an den 3:1-Sieg nur wenige Stunden nach der Hiobsbotschaft.

Auch Werders Mittelfeldmann Philipp Bargfrede sieht einem möglichen Duell mit seinem Ex-Kollegen ziemlich leidenschaftslos entgegen: „Schalke hat auch so schon gute Qualitäten – ob mit oder ohne Franco. Wir konzentrieren uns darauf, dass wir eine vernünftige Leistung abrufen.“ Ein Zweikampf mit ihm am Samstag würde keinen Unterschied zu anderen Gegnern darstellen: „Ich glaube nicht, dass man das im Spiel merkt.“

Und nach dem Abpfiff, meint Fritz, „können wir von mir aus ein paar Scherze machen. Davor geht es einfach nur um drei Punkte.“ Die würden Werders Fans den Abschied von Franco Di Santo erheblich erleichtern.

ck

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