Werder-Bosse wählen nach der Twente-Pleite die sanfte Tour – warme Worte für die Verlierer

Streichelzoo Weserstadion

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Vor wenigen Wochen hatte er noch ihr Gehalt eingefroren, nun gab’s von Klaus Allofs warme Worte für die Spieler. Auch Thomas Schaaf umsorgte das kickende Personal.

Von Björn Knips · Vor wenigen Wochen hatte er noch ihr Gehalt eingefroren, nun gab’s von Klaus Allofs warme Worte für die Spieler. Auch Thomas Schaaf umsorgte das kickende Personal.

Dabei hat Werder Bremen eine Horror-Woche hinter sich. Erst das DFB-Pokal-Aus in München (0:1), dann der üble Bundesliga-Rückschlag gegen Nürnberg (2:3) und nun auch noch das Champions-League-Desaster gegen Twente Enschede (0:2) – schlimmer geht’s nicht. Werder befindet sich im freien Fall, doch Clubchef und Trainer machen das Weserstadion zum Streichelzoo.

Noch auf dem Platz trommelte Allofs die Spieler zusammen – und redete ihnen Mut zu. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass es für uns trotz der Niederlage weitergeht“, berichtete der Ex-Profi. Schaaf hatte überraschend etwas abseits gestanden, sein Auftritt vor dem Team sollte noch folgen. Dafür sagte er sogar alle Interview-Termine bei den TV-Anstalten ab und ging lieber in die Kabine. „Es war mir wichtig, lange mit der Mannschaft zu reden und sie wieder aufzubauen. Natürlich sind wir alle unzufrieden, aber ich habe den Spielern angemerkt, dass sie etwas Gutes zeigen wollten“, berichtete der Coach kurz vor Mitternacht auf der vorgeschriebenen Pressekonferenz.

Wille und Einsatz stimmten durchaus – die Leistung allerdings nicht. Auf der anderen Seite stand kein europäisches Spitzenteam, sondern nur Enschede. Immerhin zwar holländischer Meister, aber von den Spielernamen her auch keine Truppe, die Angst und Schrecken verbreitet. Zudem wirkten die Gäste hinten äußerst wackelig, allen voran Keeper Nikolay Mihaylov. Doch die einstige Torfabrik Werder Bremen plagt sich weiter mit Betriebsstörungen herum. Nachdem Marko Arnautovic in München Riesenchancen liegen gelassen hatte, patzte diesmal Hugo Almeida (52. und 55.). „Zum Fußball gehören Tore, und die bekommen wir im Moment nicht so hin. Das ist der Hauptgrund für die aktuelle Situation“, meinte Allofs. Die Tatsache, dass Werder hinten mal wieder zum Tag der offenen Tür eingeladen und Twente zahlreiche Chancen serviert hatte, schob er auf die vielen verletzungsbedingten Ausfälle in der Defensive: „Wir müssen hinten improvisieren, da kommt es auch mal zu Fehlern.“

Werder Bremen unterliegt Enschede

Werder Bremen unterliegt Enschede mit 0:2

Und irgendwann auch zu Gegentoren. Als Werder nach Torsten Frings’ Platzverweis (75.) in Unterzahl spielte, schlug Twente zu und nutzte Ballverluste von Wesley und Daniel Jensen zur 2:0-Führung durch Nacer Chadli (81.) und Luuk de Jong (84.). Ausgelassen bejubelten die Gäste ihr „Wunder von der Weser“, wie sie den Coup später immer wieder nannten. Als Außenseiter waren sie an-, als durchaus verdienter Sieger wieder abgereist.

Werder ist zwei Spieltage vor Schluss mit zwei Pünktchen Gruppenletzter hinter Tottenham Hotspur (7 Zähler), Inter Mailand (7) und Twente (5). „Wir hatten uns schon etwas anderes ausgerechnet“, gestand Allofs immerhin und forderte: „Wir müssen jetzt versuchen, noch Dritter zu werden.“ Dann würde Werder wenigstens international überwintern und in der Europa League weiterspielen. Schaaf dachte sogar noch an einen Verbleib in der Königsklasse, „auch wenn da viel Phantastisches passieren muss und man dafür viel Phantasie braucht“.

Die haben Allofs und Schaaf durchaus – zumindest was den aktuellen Kader betrifft. Der sei keineswegs zu schlecht für die hochgesteckten Ziele, die eigentlich eine Top-Platzierung in der Bundesliga und ein Achtelfinale in der Champions League vorsehen. „Wenn die Mannschaft ihr Potenzial voll abruft, dann hat sie die Qualität. Davon sind wir weiterhin überzeugt“, stellte Allofs klar. Und er wehrte sich vehement dagegen, die Saison schon jetzt als missraten abzuhaken. „Gut, im DFB-Pokal geht nichts mehr, da sind wir raus. Das kann bei einem Spiel in München auch passieren“, meinte Allofs und fügte kämpferisch an: „In der Bundesliga ist noch alles möglich. Das haben wir doch vergangene Saison gesehen.“ Damals hatte sich Werder mit einem fulminanten Schlussspurt noch auf Platz drei gerettet.

Werder klammert sich an die erfolgreichen Krisenbewältigungen der Vergangenheit – und das auf die sanfte Tour. Auch das gehörte zur Ansprache von Allofs auf dem Rasen. Die Profis wurden eingenordet, näher zusammenzurücken und sich auch dementsprechend positiv öffentlich zu äußern. Gesagt, getan – die anschließenden Interviews waren voll des Lobes für den Teamgeist. „Alle haben total geackert“, meinte zum Beispiel Frings, der wenige Tage zuvor seinen Kollegen noch Egoismus vorgeworfen hatte. Und der Kapitän fügte mit Blick auf die Partie am Sonntag in Stuttgart an: „So doof das auch klingen mag. Wir müssen einfach so weitermachen, dann werden wir uns bald wieder belohnen.“

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