Stimmungskiller Schalke: Werder rätselt nach der 0:3-Auftaktpleite

„Willkommen in der Realität“

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Da half auch kein Trikotzupfer: Ulisses Garcia konnte Maxim-Eric Choupo-Moting nicht stoppen, Schalke war für Werder einfach eine Nummer zu groß.

Bremen - Für Viktor Skripnik war die Beschreibung der Situation ganz einfach. „Willkommen in der Realität“, sagte der Werder-Coach nach dem völlig missglückten Bremer Bundesliga-Auftakt. Diese 0:3-Heimpleite gegen den FC Schalke tat richtig weh, hatte man sich nach starker Vorbereitung doch einiges ausgerechnet.

Doch Werder waren die Grenzen mehr als deutlich aufgezeigt worden. Danach wurde nicht nur die Qualitätsfrage gestellt, Sportchef und Kapitän legten den Finger auch in eine andere Wunde. „Es haben elementare Dinge gefehlt, um gegen einen Gegner wie Schalke zu bestehen“, monierte Thomas Eichin. Er wollte aber öffentlich nicht ins Detail gehen, um die Mannschaft nicht schon nach dem ersten Spieltag an den Pranger zu stellen. Das übernahm das Team dann selbst – in Person von Kapitän Clemens Fritz: „Beim Zweikampfverhalten und bei der Aggressivität müssen wir eine Schippe drauflegen. Diese Leidenschaft hat uns eigentlich immer ausgezeichnet.“ Gegen Schalke war sie nicht zu erkennen. Werder agierte zu brav. „Du musst auch mal ein taktisches Foul machen, um Konter zu stoppen“, monierte Zlatko Junuzovic und wunderte sich: „Wir haben ja nicht eine Gelbe Karte bekommen.“

Schalke war da cleverer. Die Bremer Aufholjagd wurde auch durch Fouls von Dennis Aogo und Marco Höger gestoppt. Die Verwarnungen nahmen sie dafür gerne in Kauf. Auch das ist eine Qualitätsfrage. Die Antwort darauf war nach diesem Spiel ohnehin sehr einfach, der Schalker 3:0-Sieg nach den Treffern von Theodor Gebre Selassie (34., Eigentor), Eric-Maxim Choupo-Moting (68.) und Klass-Jan Huntelaar (85.) hochverdient. „Die individuelle Klasse von Schalke ist größer“, stellte Skripnik ganz nüchtern fest: „Aber ich schimpfe nicht, das ist die Realität, so ist Werder Bremen im Moment.“

Kommentar: Werders Fehlstart

Während Schalke geschätzte 90 Millionen Euro pro Jahr an Gehältern zahlt, ist es bei Werder nur ein Drittel davon. „Wir haben unseren Weg, Schalke seinen“, meinte Skripnik und verwies dabei auf seine junge Mannschaft. Die am Samstag allerdings mit 25,64 Jahren sogar etwas älter war als die Schalker Truppe. Von den Bremer Talenten standen zu Beginn auch nur zwei auf dem Platz: Ulisses Garcia (19) und Levin Öztunali (19), der allerdings schon zum 32. Mal in der Bundesliga. Also kein Frischling. Anders als Florian Grillitsch, der in der 70. Minute sein Bundesliga-Debüt feierte. Und an ihm machte Skripnik dann auch das Bremer Nachwuchsproblem fest. „Im Training zeigt er viel, hier war er erst ängstlich“, sagte der Coach. Man müsse eben Geduld mit den Talenten haben. Zumal Werder auch keine Riesentalente besitzt. So wie Schalke mit Leroy Sane. Der 19-Jährige kam in der 82. Minute, zündete 180 Sekunden später den Turbo und bereitete das 3:0 sehenswert vor. An die Klasse reicht bei Werder höchstens Melvyn Lorenzen heran, doch dessen Knie spielt nicht mit, der 20-jährige Stürmer muss noch langsamer aufgebaut werden als die anderen Talente.

Die Noten: Werder Bremen - Schalke 04

Maximilian Eggestein war da schon viel weiter – ein Stammspieler. Zumindest in der Vorbereitung. Gegen Schalke saß der 18-Jährige nur auf der Bank. Skripnik vertraute ihm nach dem dürftigen Pokalauftritt in Würzburg nicht mehr, brachte Bartels als Spielmacher. Ohne Erfolg. Werder fehlt einfach ein echter Zehner. Levent Aycicek trägt zwar die Nummer, allerdings nur noch bei der U23. „Wir haben einige, die auf dieser Position spielen können“, urteilte Fritz. Doch überzeugend klang das nicht, und auf Nachfragen meinte er: „Wir arbeiten mit denen, die wir zur Verfügung haben. Ich bin kein Freund davon, neue Spieler zu fordern.“

Wahrscheinlich wäre es ohnehin vergeblich. Ein Spielmacher ist nicht billig, ein Kauf für Werder nicht bezahlbar. Aber der Club spekuliert auf eine Ausleihe am Ende der Transferperiode in zwei Wochen. Bis dahin muss es anders gehen. Und zwar schon am Freitag in Berlin. Denn verliert Werder auch dort, dann könnte die Realität das Tabellenende bedeuten.

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