Der Ex-Bremer Leon Andreasen hat in Hannover nach ewiger Leidenszeit zu alter Stärke gefunden

Das Stehaufmännchen

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Endlich wieder da! Leon Andreasen, hier beim Torjubel nach seinem Treffer zum 3:0 gegen Wolfsburg, kostet das Ende seiner langen Zeit im Krankenstand aus. „Ich fühle mich fit und wohl“, sagt der Ex-Bremer. ·

Hannover - Von Manfred Bock. Leon Hougaard Andreasen steht ganz vorne in der ersten Reihe. Zwar nicht in Fußballer-Kluft mit Trikot und kurzer Hose, sondern in Kapuzenpullover und ausgefranster Jeans.

So posiert der dänische Nationalspieler auf der Startseite des Online-Fanshops von Hannover 96 – zusammen mit seinem Nebenmann im defensiven Mittelfeld, Sergio Pinto.

Dass Andreasen wieder als Frontmann eines Bundesligisten taugt, hatten nicht viele erwartet – selbst sein Trainer Mirko Slomka nicht: „Niemand hat ernsthaft daran geglaubt, dass er nach so einer ausweglosen Situation so zurückkehren wird“, gab Slomka in der Pressekonferenz vor Hannovers Bundesliga-Heimspiel gegen Andreasens Ex-Club Werder Bremen (morgen, 15.30 Uhr) zu: „Das ist eine herausragende Leistung und eine wunderbare Wendung.“

Keine Frage: Seit dieser Saison ist der in Aarhus ausgebildete Andreasen, der 2005 bei Werder seine ersten Schritte in der Bundesliga unternahm, wieder mittendrin statt nur dabei. Als Abräumer und Leistungsträger. Als Vorzeigefigur und Vorkämpfer.

„Es war mein Ziel, den alten Leon wiederzufinden. Aber ich hätte nicht geglaubt, dass es so schnell geht“, sagt der 29-Jährige über sich selbst. Ihm kam zugute, dass Slomka kein Freund von verpachteten Erbhöfen in seinem Team ist; allein mit Leistung lässt sich dieser Fußballlehrer überzeugen, der auch morgen wieder dem Duo Andreasen/Pinto vertrauen dürfte. „Leon ist einer dieser Typen, der aus dem Mittelfeld für unheimlich viel Torgefahr sorgen kann. Das macht uns noch schwerer ausrechenbar“, sagt Slomka über Andreasen, während der derart Gelobte aktuell lieber schweigt: „Ich will nicht immer über mich sprechen.“

Zu viel ist ihm schließlich schon passiert. In seinen drei Bremer Profijahren, wo er nur 32 Bundesligaspiele bestritt, machten ihm einerseits immer neue Blessuren zu schaffen, andererseits stand er sich oft selbst im Weg. „Leon war immer etwas ungeduldig und den Dingen voraus“, sagte Trainer Thomas Schaaf damals am Ende der grün-weißen Andreasen-Ära. Jetzt freut sich sein Ex-Coach, „dass wir ihn in der Liga wiedersehen. Ich finde es bemerkenswert, dass er es geschafft hat, wiederzukommen und sich in die Mannschaft zu spielen.“

Über ein Leihgeschäft beim FSV Mainz und eine Station beim FC Fulham landete Andreasen, der kampfeslustige 1,88-Meter-Mann, 2009 bei Hannover 96. Was als Neuanfang gedacht war, endete in einem Niederschlag. Nach seiner ersten Operation geriet er vor drei Jahren mit einem Discogast in seiner dänischen Heimat aneinander und wurde zu 30 Tagen Haft auf Bewährung verurteilt. Dann kämpfte das Team von Hannover 96 nach dem Suizid von Robert Enke 2010 gegen eine mentale Blockade an; Andreasen ignorierte in dieser Phase über Wochen seine erneut aufgetretenen Probleme in der Schambein- und Leistengegend. Er schluckte massenhaft Schmerzmittel. Bis es nicht mehr ging. Zukünftig, das weiß der Mann mit der Rückennummer zwei jetzt, „werde ich besser auf meinen Körper achten. Damals habe ich es zur Seite geschoben, weil wir im Abstiegskampf waren. Das würde ich nie wieder machen.“

Zu gut erinnert er sich noch an seine zweijährige Odyssee durch diverse Behandlungszimmer. Immer neue Diagnosen, sieben Operationen. Aber keine Besserung. „Von ein paar Ärzten war ich wirklich genervt“, gibt der Familienvater zu: „Ich war sauer auf die Leute, die gesagt haben: Das wird nichts mehr.“

Doch es wurde noch etwas – nach mehr als zwei Jahren im Krankenstand. „Er hat den Glauben an sich nie verloren“, zollt ihm Schaaf Anerkennung. Dass Geschäftsführer Jörg Schmadtke dem Sorgenkind Ende Mai ein neues, stark leistungsbezogenes Arbeitspapier für ein Jahr gab, überraschte Andreasen nicht: „Ich fand es nur fair. Ich habe mich wirklich reingebissen.“

Wenn er weiter so beißt, steigt er bald wieder zum Bestverdiener auf, denn Andreasen passt mit seiner Spielweise gut zum 96-Konterstil. Es braucht Akteure, die den Defensivzweikampf gewinnen und das schnelle Umschaltspiel in Gang setzen. Dazu entwickelte Andreasen bislang eine nie gekannte Torgefahr, traf in sieben Pflichtspielen bereits fünf Mal. „Es läuft besser durch die Tore. Ich fühle mich fit und wohl.“ Bei seinem Comeback in der Nationalmannschaft reichte es zwar nicht zu einem Treffer – aber allein die Rückkehr beim 0:0 gegen Tschechien vor einer Woche setzte genug Glücksgefühle frei.

Gegen Werder ist Andreasen nun bis in die Haarspitzen motiviert, wie er im kleinen Kreis verriet. Detaillierte Auskünfte gibt es dann erst nach dem Nordderby: Andreasen ist nämlich morgen als Gast im ZDF-Sportstudio. Spätestens dann muss er auch über sich selbst sprechen, was er sonst ja nicht so gern tut.

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