Stammplatz – oder der Pole geht

Für die EM würde Obraniak wechseln

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Trotz einer eher ungewissen Zukunft präsentierte sich Ludovic Obraniak gestern durchaus gut gelaunt.

Bremen - Ludovic Obraniak hat einen Traum. Er will unbedingt bei der EM 2016 dabei sein. In Frankreich, wo er geboren und aufgewachsen ist. Auflaufen will der 29-Jährige dann für Polen, das Land seiner Vorfahren. Schon 34 Mal hat er für seine sportliche Heimat gespielt – beim letzten Test aber nicht. Der neue Nationalcoach Adam Nawalka hat ihn im Juni gegen Litauen nicht berücksichtigt, „weil ich im Club nicht so viel gespielt habe“. Das hat Obraniak weh getan und nachdenklich gemacht, ob Werder noch der richtige Verein für ihn ist.

„Es ist für mich 2016 die letzte Gelegenheit, so ein großes Turnier zu spielen. Um in der Nationalmannschaft zu sein, brauche ich Spielpraxis“, sagt der Mittelfeldspieler und lässt deshalb seine Zukunft in Bremen offen: „Die Transferperiode läuft noch einen Monat. Man wird sehen, was passiert. Natürlich ist es eine Option zu wechseln, wenn es so läuft wie in den letzten drei Monaten.“

Damit meint Obraniak nicht die Vorbereitung, sondern die Rückrunde. Nach seinem Winterwechsel für 1,5 Millionen Euro von Girondins Bordeaux an die Weser hatte er schnell einen Stammplatz, traf gegen Mönchengladbach spät mit einem feinen Freistoß zum 1:1, um dann peu a peu aus der Mannschaft zu rutschen. In den letzten sieben Partien stand der polnische Franzose nur 23 Minuten auf dem Rasen. Inakzeptabel für einen 29-Jährigen. „Da habe ich mir schon meine Gedanken gemacht“, berichtet Obraniak.

Ein weiteres Problem: Er durfte fast nie dort spielen, wo er es gewohnt war. „In Frankreich war ich einer von drei Angreifern mit vielen Freiheiten.“ Robin Dutt setzte ihn bei Werder aber meist im linken Mittelfeld mit Defensivaufgaben ein. „Hier braucht man mehr Disziplin“, sagt Obraniak. Es ist nicht zu überhören, dass ihm diese Rolle nicht schmeckt, wenngleich der 29-Jährige ganz der Profi betont: „Man kann sich seine Position nicht aussuchen. Ich habe keine andere Wahl, ich muss mich anpassen.“ In der Vergangenheit sei ihm das stets gelungen. Nach seiner ersten Werder-Vorbereitung sagt er nun: „Es ist härter als in Frankreich. Ich fühle mich gut. Wir werden sehen, was das bringt.“

Sportchef Eichin

zeigt Verständnis

Gegen Chelsea sah das schon ganz gut aus – nicht nur wegen seines Treffers zum 2:0, den er jedoch kaum bejubelte: „Es war doch nur ein Test.“ Obraniak wirkte spritziger, gedankenschneller, hatte allerdings auch einige Unkonzentriertheiten dabei. Gerne zog er in die Mitte, wo Zlatko Junuzovic den Zehner gab. Genau diese Position würde Obraniak bei Werder gerne bekleiden. Doch seine Karten dafür sind nicht gut. Deshalb riecht es trotz Vertrags bis 2016 nach Abschied.

Sportchef Thomas Eichin sieht das ganz entspannt: „Ludovic ist ein ehrgeiziger Spieler, der nicht aus Bordeaux zu uns gekommen ist, um auf der Bank zu sitzen. Dafür habe ich Verständnis. Aber er hat auch einen Vertrag. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Aber zu schreiben: Sollte Werder für Obraniak ein lukratives Angebot bekommen, dann wird ihm der Club sicher keine Steine in den Weg legen.

kni

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