Sportvorstand statt Trainingsplatz: Werders Ex-Coach heuert in Stuttgart an

Dutts Rolle rückwärts

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Robin Dutt (li.) und Huub Stevens müssen künftig Hand in Hand arbeiten.

Bremen - Von Carsten Sander. Der Mann, der unbedingt den Rasen riechen wollte, sitzt bald doch wieder hinter dem Schreibtisch: Robin Dutt, im Oktober als Trainer von Werder Bremen entlassen, wird nach übereinstimmenden Medienberichten neuer Sportvorstand beim VfB Stuttgart. Für den 49-Jährigen wird es die Rückkehr auf die Funktionärsebene, nachdem er vor seinem Werder-Engagement zehn Monate lang als Sportdirektor für den Deutschen Fußball-Bund gearbeitet hatte.

Den Job schmiss Dutt damals hin, weil er zu der Erkenntnis gelangt war, dass nur der Sportdirektor sein sollte, „der mit Leib und Seele Funktionär sein möchte – und keiner, in dem ein Trainer schlummert“. Er heuerte bei Werder an – und ist eineinhalb Jahre und einen Rausschmiss später offenbar überzeugt, dass doch kein Trainer in ihm schlummert. Der Satz „Ich gehöre auf den Trainingsplatz, nicht an den Schreibtisch“ gilt jedenfalls nicht mehr. Dutt selbst hat deutlich erklärt: Wenn er sich für den VfB entscheidet, ist es vorbei mit der Coacherei.

Er wird wieder Sportdirektor. Beim VfB Stuttgart soll er die Nachfolge des im September entlassenen Fredi Bobic antreten. Eine offizielle Bestätigung dafür erfolgte gestern jedoch noch nicht. Laut „kicker“ sind noch letzte Details zu klären. Mit seiner Forderung nach einem Vierjahresvertrag hat sich Dutt aber bereits durchgesetzt – weil, so berichten es die „Stuttgarter Nachrichten“, er in den Gesprächen mit Präsident Bernd Wahler und dem Aufsichtsrat überzeugend darlegen konnte, „dass er die Arbeit beim VfB Stuttgart als Lebensaufgabe betrachte“. Wie einst bei Werder...

Vermutlich wird Dutt erst am 6. Januar als neuer Sportdirektor vorgestellt. Mit Amtsantritt soll der 49-Jährige direkt Mitglied des Vorstands seines Vor-der-Haustür-Vereins werden. Dutt lebt seit Jahren in Leonberg, einem Stuttgarter Vorort. Er kennt die Verhältnisse beim VfB, er kennt die handelnden Personen. Sein Anwalt Christoph Schickhardt gilt als einflussreicher Freund von Präsident Wahler. Dutt startet folglich nicht bei Null in Stuttgart.

Vor einer Unterschrift bei den Schwaben muss er allerdings erst noch seinen bis 2016 laufenden Vertrag bei Werder Bremen auflösen. Bisher ist das trotz fortgeschrittener Verhandlungen mit der Werder-Spitze Thomas Eichin und Klaus Filbry (augenblicklich im Urlaub) nicht erfolgt. Was noch fehlt, ist die Unterschrift. „Ich denke, da muss Robin Dutt noch einmal auf uns zukommen“, sagte der scheidende Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer gestern. Klar ist: Werder kommt die aktuelle Entwicklung sehr entgegen. Mehr als eine Million Euro wird der finanziell klamme Club wohl an Gehalt bzw. Abfindung sparen können.

Nun wird der Ex-Trainer für Werder zum Konkurrenten. Der VfB Stuttgart steht in der Bundesliga-Tabelle auf Platz 15 – punktgleich mit Werder und nur um ein Tor besser. Dutts wichtigste Aufgabe wird zunächst darin bestehen, den VfB gemeinsam mit Trainer Huub Stevens fit für den Abstiegskampf zu machen und den Kader für die kommende Saison zu planen. Er muss zudem die Mitglieder von einer Ausgliederung der Profi-Abteilung überzeugen. Und er muss die Fans auf seine Seite bringen. Das könnte sich als schwierigstes aller Unterfangen erweisen. Denn Robin Dutt startete seine Karriere im bezahlten Fußball einst als Trainer des ungeliebten Lokalrivalen Stuttgarter Kickers. Spätfolge: In einer Umfrage des SWR sprachen sich 86 Prozent der Anrufer gegen die Dutt-Verpflichtung aus.

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