Wiese-Thema abgewürgt, Aufruf zur Pro-Mielitz-Demo

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Intern hat Sebastian Mielitz (Bild) die volle Unterstützung. Und von den Fans? Coach Robin Dutt ruft für morgen zur Sympathie-Kundgebung für den Keeper auf.

Bremen - Die Pressekonferenz hatte schon die 20-Minuten-Marke geknackt, und immer noch war der entscheidende Satz nicht gesprochen. Doch dann kam er. Thomas Eichin formulierte ihn und beende damit gestern ein Thema, das rund um Werder Bremen in den vergangenen Tagen für Aufsehen und Aufregung gesorgt hatte. „

Tim Wiese“, sagte Eichin also „wird nicht hierher kommen.“ So. Basta. Ende einer Diskussion, die dem bei 1899 Hoffenheim ausgemusterten Wiese sicherlich geschmeichelt hat. Die aber Sebastian Mielitz, seinem Nachfolger im Werder-Tor, Schaden zugefügt hat. Den zu reparieren, wird so schnell nicht möglich sein.

Mielitz hat gelitten. Vielleicht nicht unbedingt unter dem Applaus, den das Publikum Wiese beim Torsten-Frings-Abschiedsspiel gespendet hatte. Auch die „Wiese-für-Werder“-Sprechchöre hatte er weggesteckt. Behauptete er jedenfalls. Aber dass die Spekulationen um eine Wiese-Rückkehr nicht endeten, dass Trainer Robin Dutt in seinen Aussagen über die Torwartfrage Interpretationsspielraum ließ – das hat dem ohnehin umstrittenen Bremer Schlussmann zugesetzt. Coach Dutt: „Die Geschichte hat Züge angenommen, die einem jungen Torhüter nicht guttun und die auch ein bisschen zu weit getrieben wurden.“ Er führte deshalb ein Gespräch mit dem 24-Jährigen, redete ihm gut zu und holte in der Öffentlichkeit nach, was er Tage zuvor versäumt hatte. „Sebastian Mielitz“, verkündete Dutt also zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, „hat unsere komplette Rückendeckung. Er ist ist unsere Nummer eins, alles andere ist nicht mein Thema.“

Es war ein Thema der Fans – speziell von denen, die Wiese am Samstagabend im Weserstadion gefeiert hatten. Und von denen, die auf „facebook“ die „Wir-wollen-Wiese-wieder“-Seite neu belebten. Aber klar: Es war auch ein Thema der Medien. Eichin hat es nun deutlich abgewürgt. Er habe dies auch schon früher getan, man habe ihn aber nicht hören wollen. Zwischen Eichins Aussage eins „Wir haben hier keine Torhüter-Diskussion“ und Aussage Nummer zwei „Wiese wird nicht hierher kommen“ gibt es aber fraglos Qualitätsunterschiede. Wieso er nicht früher deutlicher geworden ist? „Ich weiß, dass Tim Wiese hier Legenden-Status hat. Ich habe das Thema einer Rückholaktion aus Respekt vor Tim Wiese nie kommentiert“, sagte Eichin. Im Gespräch mit dem TV-Sender Sport1 legte der Werder-Sportchef aber einiges an Zurückhaltung ab. „Er ist ein toller Torhüter, das ist keine Frage“, sagte Eichin, verriet aber auch, wie er Wiese sportlich einordnet: „Er hat seinen Zenit schon etwas überschritten.“

Mielitz ist dagegen erst auf dem Weg dahin – glauben die Werder-Bosse. Und die aktuelle Situation könnte, so unschön sie auch gewesen sein mag, eine weitere erklommene Treppenstufe gewesen sein. Wenn Mielitz morgen gegen Frankfurt beweist, dass er schwierige Tage und Situationen wegstecken kann. Dutt sieht es so: „Das müssen wir in unserem Geschäft abkönnen, das gehört dazu. Miele hat jetzt eine große Chance: Wenn er ein gutes Spiel macht, müssen manche bereit sein, die Schublade zu schließen.“ Auf der Schublade, in der Mielitz steckt, seit er Tim Wiese beerbt hat, steht: Unsicher, ohne Ausstrahlung, kein Typ.

Dennoch wünscht sich Robin Dutt morgen eine Pro-Mielitz-Demo auf den Rängen: „Das Bremer Publikum hat schon oft ein tolles Gespür für die Situation entwickelt. Und ich bin ganz sicher, dass es dieses Gespür auch gegenüber Mielitz walten lässt.“ Intern, das versicherte der Coach noch einmal, sei der Keeper absolut unumstritten.

Das Vertrauen in Mielitz geht aber nicht so weit, dass ihm schon jetzt ein neuer Vertrag auf den Tisch gelegt wird. Sportchef Eichin hatte vor kurzem zwar noch angekündigt, nach seinem (seit gestern beendeten) Urlaub die Vertragsverlängerungen mit Mielitz und auch Aaron Hunt (beide bis 2014) angehen zu wollen. Doch das kann offenbar doch noch warten. Eichin: „Ich gehe ganz sicher nicht nach vier Spielen los und diskutiere über Zeiten, die über 2014 hinausgehen.“ Erstmal wolle er von jedem einzelnen Leistung sehen. Doch das, beeilte sich Eichin zu sagen, „hat nichts mit der Torhüter-Diskussion zu tun“. n csa/mr

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