Den Sportchef ärgert die Krisenstimmung, der Trainer vermisst den „letzten Biss“

Ein genervter Eichin und ein suchender Skripnik

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Thomas Eichin mochte es gestern nicht mehr hören. Die Fragen nach der Angst vor einer Niederlage morgen in Berlin und damit einem Fehlstart brachten Werders Sportchef in Rage. „Das ist ein Thema, das mich tierisch nervt“, meinte der 48-Jährige.

Bremen - Diese Wechselbäder der Gefühle bringen Thomas Eichin so richtig in Wallung. „Vor ein paar Tagen saßen wir hier noch und hatten eine Super-Stimmung, jetzt kommen Fragen nach Angst vor einem Fehlstart, ob dies oder das nicht funktioniert – das ist ein Thema, das mich tierisch nervt“, wetterte Werders Sportchef während der gestrigen Pressekonferenz vor dem Bremer Auswärtsspiel morgen Abend (20.30 Uhr) bei Hertha BSC.

Ja, sein Team hatte den Bundesliga-Start mit 0:3 gegen Schalke in den Sand gesetzt. Und ja, Viktor Skripnik vermisste dabei „den letzten Biss“, gab der Chefcoach gestern zu. „Aber das kommt hier teilweise rüber, als wären wir jetzt schon im Oktober und stünden auf einem Abstiegsplatz“, ärgerte sich Eichin.

Auch Jannik Vestergaard wunderte sich ein wenig über die „Krisenstimmung“ unter der Woche: „Es kam mir hier so vor, als ob auf einmal alles infrage gestellt würde“, schilderte Werders Innenverteidiger seine Eindrücke.

Solche negativen Schwingungen wollte Eichin gar nicht erst aufkommen lassen, selbst wenn er Werder gestern vorsichtshalber eine „ganz, ganz harte Saison“ prophezeite. Im selben Atemzug erinnerte der Manager jedoch an die „sehr, sehr gute Vorbereitung“ und das Weiterkommen im DFB-Pokal. „Jetzt haben wir ein Spiel verloren. Aber das erste Bundesliga-Spiel zählt immer auch zur Vorbereitung, weil du nicht weißt, wo du stehst“, meinte der 48-Jährige, der der Niederlage auch etwas Positives abgewann: „Jetzt wissen wir, wie wir uns verhalten müssen.“

Skripnik hatte da gestern so einiges an Verbesserungswünschen: Der Trainer vermisste am Samstag die „richtige Reaktion“ auf den Rückstand. Zudem forderte er in Berlin den „richtigen Rhythmus bei der Arbeit mit dem Ball und gegen den Ball“. Umschaltsituationen nach Ballverlusten seien „genauso wichtig wie nach Ballgewinnen“. Gegen Schalke „hätte ich mir das effektiver gewünscht“. Also ließ er dies am Nachmittag ausgiebig mit Über- und Unterzahl-Szenarien trainieren.

Vestergaard hatte schon vorher verstanden, was der Trainer wollte. „Das fängt ganz hinten an“, räumte der Hüne aus dem Bremer Abwehrzentrum selbstkritisch ein: „Wir müssen die Leute besser mit Bällen bedienen, die unsere Stürmer in Szene setzen.“ Gegen Schalke war da noch Luft nach oben, gestand der 23-Jährige – „aber die sind ja auch nicht blind: Sie haben uns das Leben mit ihren zwei Viererketten ganz schön schwer gemacht. Trotz alledem hatten wir die Chance zum Ausgleich.“

Der Defensivmann zeigte gegen die Königsblauen noch eine der besseren Leistungen im Bremer Team, „doch es war nicht das stärkste Spiel von mir“, haderte der Däne: „Ich habe versucht, meinen Job zu machen, aber leider gab es trotzdem drei Gegentore.“

Dieses Resultat „hörte sich erstmal fürchterlich an – aber so fürchterlich war unser Spiel nicht“, urteilte Eichin – und unterfütterte die These mit seinem Blick in die Statistik: „Fast 60 Prozent Ballbesitz, das war in Ordnung. Wir müssen uns jetzt nicht in die Hose machen.“ Es bedürfe jedoch „vieler Kleinigkeiten, die das Pendel zur einen oder zur anderen Seite ausschlagen lassen, die nötig sind, um ein Spiel zu gewinnen“, mahnt der Sportchef: „Da reicht es schon, wenn du den einen oder anderen Meter nicht gemacht hast.“

Vestergaard beschrieb das als „die letzten paar Prozent, die uns noch gefehlt haben – und die müssen wir jetzt eben in Berlin draufpacken. Dann glaube ich, dass wir gut dastehen.“ Und dann wäre erstmal wieder Schluss mit mieser Stimmung.

ck

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