Selke vergibt, Werder verliert und hofft weiter

Spielbericht und Einzelkritik: Eine Chance auf Europa

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In seinem letzten Heimspiel für Werder führte Sebastian Prödl (rechts, gegen Gladbachs Alvaro Dominguez) sein Team als Kapitän aufs Feld. Der Abschied für den Österreicher verlief jedoch nicht nach Wunsch, die Bremer verloren mit 0:2.

Bremen - Von Björn Knips. Es war die Minute nach der Pause, ein Teil der Fans stand im Weserstadion nach Bratwurst und Bier noch im Stau – und Davie Selke plötzlich völlig frei vorm Tor: Der Noch-Bremer schloss nach feiner Vorarbeit von Levin Öztunali auch ganz ordentlich ab, doch Mönchengladbachs Keeper Yann Sommer parierte sensationell.

Es war die Chance für Werder auf einen Dreier und damit auf Europa. Am Ende feierten die Gladbacher, weil Raffael (53. und 85.) für einen verdienten 2:0 (0:0)-Sieg (übrigens den ersten seit 28 Jahren in Bremen) sorgte und seinen Club damit direkt in die Champions League schoss. Aber Werder musste nicht traurig sein, denn nach der vergebenen Möglichkeit gibt es nächsten Samstag tatsächlich noch eine Chance auf die Europa League. „Jetzt haben wir ein Endspiel. Und den Dortmundern vor 80 000 Zuschauern den Abschluss zu versauen, das ist doch mal ein Ziel“, meinte Werder-Sportchef Thomas Eichin.

Die Dortmunder machten schon gestern unangenehme Erfahrung mit einem Bremer – pardon – einem Ex-Bremer: Naldo gelang der Wolfsburger 2:1-Siegtreffer gegen den BVB. Der kann Platz sieben durch eine Heimniederlage gegen Werder genau an diesen Gegner verlieren. Und gewinnt Wolfsburg dann das Pokalfinale gegen die Dortmunder, ist Werder tatsächlich international wieder dabei. Ob das wirklich so gut für den Club wäre, das ist zumindest fraglich. Denn sportlich scheint die Mannschaft längst noch nicht so weit, was nach drei Jahren Abstiegskampf nicht wirklich verwundert. Und vor wenigen Monaten stand Werder noch ganz unten. Außerdem verlieren die Grün-Weißen drei gute Spieler: Sebastian Prödl, Koen Casteels und Davie Selke wurden gestern vor der Partie offiziell verabschiedet – letzterer übrigens wegen seines Wechsels zu RB Leipzig mit zahlreichen Pfiffen.

Werder verliert letztes Heimspiel gegen Gladbach: die Noten

Auch Mönchengladbach verliert am Saisonende in Christoph Kramer (zurück nach Leverkusen) und Max Kruse (nach Wolfsburg) wichtige Stützen. Vor allem der Ex-Bremer bewies gestern seine Extraklasse, war überall zu finden und bereitete das 1:0 mit einem feinen Pass auf Raffael vor. Bei Werder hatten beide Außenverteidiger, Theodor Gebre Selassie und Janek Sternberg, nicht aufgepasst – und Jannik Vestergaard bei seinem Rettungsversuch unglücklich ausgesehen. Die Führung war trotz der Selke-Riesenchance kurz zuvor hochverdient. „Wir mussten ganz tief stehen, weil der Gladbacher Druck so groß war“, seufzte Zlatko Junuzovic – genauso wie Teamkollege Franco Di Santo: „Die haben uns überrollt. Wir haben es nicht geschafft, ihnen den Ball wegzunehmen.“ In Zahlen ausgedrückt bedeutete das 68 Prozent Ballbesitz für Gladbach.

Werder mühte sich, passte sich aber den neuen, etwas blassen Trikots an. Es fehlten Spielwitz, individuelle Klasse und auch das Glück: So zischte Sternbergs Direktabnahme knapp übers Tor, weil Kramer den Ball noch leicht abgefälscht hatte (75.). Den Gästen wurde das Toreschießen dagegen leicht gemacht. Assani Lukimya wollte an der Grundlinie klären, Andre Hahn hielt den Fuß davor, der Ball landete genau bei Raffael – 0:2 (85.). „Natürlich darf so etwas nicht passieren“, befand Eichin. Doch der Sportchef wollte gestern nicht schimpfen: „Ich bin gar nicht so unzufrieden, wir haben es nicht so schlecht gemacht. Gladbach ist eben eine Klasse-Mannschaft.“ Die so etwas ist wie Werders Vorbild.

Die Gladbacher sind auch von ganz unten wieder nach oben gekommen. Das allerdings erst in der zweiten Saison unter Trainer Lucien Favre. Viktor Skripnik kann es mit Werder sogar noch in seiner ersten Spielzeit schaffen – und deshalb stellte der Ukrainer, der Werder Ende Oktober als Tabellenletzter übernommen hatte, auch zufrieden fest: „Wir müssen glücklich sein. Wir haben mit dem Klassenerhalt fast Unmögliches geschafft – und jetzt haben wir sogar noch diese Chance in Dortmund.“

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