Der Werder-Star muss im Training nicht mehr fliegen

Sonderbehandlung für Claudio Pizarro

Schon wieder schussgewaltig: Claudio Pizarro kehrte gestern ins Mannschaftstraining zurück und meldete sich anschließend einsatzbereit für das Heimspiel morgen gegen Mainz. -  Foto: nph

Bremen - Mit einem breiten Grinsen im Gesicht schlendert Claudio Pizarro zum Trainingsplatz. Auch mit 37 Jahren freut er sich ganz offensichtlich noch auf jede Einheit. Und ganz besonders natürlich, wenn er ein paar Tage nicht mitmachen durfte. Das sorgte fast in ganz Bremen für schlechte Laune, denn jeder weiß: Ohne den Torjäger vom Dienst wird es schwierig mit dem Klassenerhalt.

Doch die Muskeln haben ihren Streik rechtzeitig vor dem Heimspiel am Samstag gegen Mainz beendet. Dank fürsorglicher Behandlung von Pizarro selbst und seinen Helfern. Der Peruaner macht viel für seinen Körper, er fordert aber auch viel von ihm – wie seine Pläne zeigen.

Der ohnehin leicht irreführende Begriff Länderspielpause bekommt bei Pizarro sogar noch eine ganz besondere Note: Denn von einer Pause kann beim Stürmer keine Rede sein. Eher vom Gegenteil: Pizarro fliegt zu Wochenbeginn nach Südamerika, um mit Peru in der WM-Qualifikation zu spielen. Erst am Donnerstag gegen Venezuela, fünf Tage später dann in Uruguay. Werder hat gar nicht erst versucht, mit Pizarro darüber zu sprechen. „Er ist jetzt gesund und will für Peru spielen, also wird er dabei sein“, sagt Viktor Skripnik. Der Ex-Profi hat für das vielleicht etwas stur wirkende Verhalten seines Angreifers absolutes Verständnis: „Ich kann aus meiner Erfahrung sagen: Es ist immer etwas ganz Großes, für sein Land zu spielen. Claudio hat sein Ziel, er will bei der WM 2018 dabei sein. Warum sollen wir ihn also überreden?“

Zumal bei Pizarro nicht der Verdacht besteht, er würde sich in der Heimat nicht professionell verhalten. Der 37-Jährige gilt längst als Vorzeigeprofi. Er ernährt sich ganz speziell, verzichtet auf Süßes und setzt auf Dinkel. Er ist oft der Erste in der Kabine und meistens der Letzte, der sie wieder verlässt. „Ich muss regelmäßig Behandlung haben, zur Vorsorge gewissermaßen“, erzählt er: „Wir arbeiten viel mit meinem Rücken, mit meinen Leisten und meinem Becken.“

Den hundertprozentigen Schutz vor Verletzungen gibt es aber nicht. Und so erwischte es Pizarro nach dem Hannover-Spiel. Kleine Zerrung im Adduktorenbereich lautete die Diagnose. Für Skripnik keine wirkliche Überraschung: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es eine englische Woche war. Claudio hat die drei Spiele fast durchgespielt. Da kommt so eine muskuläre Reaktion schon mal vor.“ Der Coach betont dabei noch mal, „dass wir bei Claudio sehr vorsichtig sind. Er macht selber schon so viel, unser Doktor und unsere Physiotherapeuten arbeiten ständig mit ihm, aber er ist 37 . . .“

Ja, ja das Alter. Es spielte gestern auch bei Pizarros Rückkehr ins Mannschaftstraining eine nicht zu übersehende Rolle. Bei der Zweikampfschulung machte der Peruaner zwar mit, ließ den Kollegen aber immer mal wieder den Vortritt und kam somit auf wesentlich weniger Durchgänge. Das war durchaus in Skripniks Sinn. „Die jungen Spieler müssen auf dem Feld fliegen. Mit 37 und mit seiner Geschichte braucht Claudio nicht mehr zu zeigen, dass er alles mit 120 Prozent macht. Es ist nur wichtig, wie er sich um halb vier im Weserstadion fühlt.“

Werder-Training am Donnerstag

Genau um diese Zeit ertönt morgen der Anpfiff gegen Mainz. Voraussichtlich mit Pizarro in der Startformation. Gestern Abend verkündete er jedenfalls schon mal: „Das Training lief gut. Ich habe keine Schmerzen mehr und bin bereit für Mainz.“ Es ist ja auch einer seiner Lieblingsgegner. Von 15 Bundesliga-Duellen mit den Rheinhessen gewann er zwölf, nur ein Mal setzte es eine Niederlage (2012 mit Werder/0:3). Außerdem winkt der Torrekord. Ein Treffer noch, dann hat Pizarro Rekordhalter Marco Bode (101-Bundesliga-Tore für Werder) eingeholt. Dafür würde er auch einen weiteren unangenehmen Sonntagmorgen mit Schmerzen als Folge eines 90-Minuten-Einsatzes in Kauf nehmen. „Es gibt Tage, da stört es mich mehr als an anderen. Aber mittlerweile weiß ich, was ich machen muss, damit es nicht so stört.“ Spezialtraining – allein oder mit Physiotherapeuten. Erst, wenn alles wieder in Ordnung ist, geht es raus auf den Trainingsplatz – und das dann mit einem breiten Grinsen. -  kni/csa

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