„Sogar Silvester und Neujahr wird trainiert“

Die Mimik deutet es an: Werders Trainer Cristian Tamas (li.) und Teamchef Sascha Greber sind mit der bisherigen Saison des Tischtennis-Bundesligisten alles andere als zufrieden. ·

Bremen - Von Carsten Drösemeyer. Ein ereignisreiches Jahr 2011 neigt sich für Tischtennis-Bundesligist SV Werder Bremen dem Ende entgegen. Nach Wunsch lief es für die Hanseaten bislang allerdings keinesfalls.

In der Bundesliga rangiert Werder hauchdünn vor den Abstiegsplätzen auf Rang acht, und im ETTU-Cup scheiterten die Grün-Weißen am französischen Spitzenteam aus Angers. Grund genug, mit Trainer Cristian Tamas und Teamchef Sascha Greber Bilanz zu ziehen.

Nach dem guten sechsten Platz der Vorsaison riecht es jetzt verdächtig nach Abstiegskampf. Muss man sich Sorgen um Werder machen?

Greber: Wir müssen die Situation schon ernst nehmen. Schließlich liegen wir nur aufgrund des besseren Spielverhältnisses vor den Abstiegsplätzen.

Tamas: Für Panik besteht aber auch kein Anlass. Wir hatten in einigen Spielen enormes Pech. Das kann sich in der Rückrunde ganz schnell wieder drehen.

Lag es denn nur am fehlenden Glück? Oder gibt es noch andere Gründe für die eher suboptimale Hinrunde?

Greber:Es war von Anfang an der Wurm drin. Vorm ersten Spiel gegen Frickenhausen verletzte sich unser Spitzenspieler Adrian Crisan und ging dann nicht völlig fit an den Tisch. Konsequenz: Wir vergeigten mit 1:3 und trauern diesen eingeplanten Zählern immer noch hinterher.

Die nächsten drei Spielen gingen danach aber auch in die Binsen. Crisan müsste zu diesem Zeitpunkt doch wieder fit gewesen sein . . .

Greber:Das war dann ein psychologisches Problem. Adrian startete mit 0:2-Einzeln und hatte dann in den entscheidenden Momenten nicht das nötige Selbstvertrauen. Jeder, der Tischtennis spielt, weiß, dass viel vom Kopf abhängt.

Tamas: Adrian hatte aber auch oftmals enormes Pech. Gegen Timo Boll stand er zum Beispiel bei drei Matchbällen kurz vorm Sieg. Klar ist aber auch: Eine Bilanz von 6:9 ist für ihn eindeutig zu wenig.

Wie kann man ihm als Trainer denn helfen, wieder zu alter Stärke zurückzufinden? Gibt es da spezielle Übungen?

Tamas:Die gibt es. Wir setzen zum Beispiel passende Sparringspartner ein und arbeiten gezielt an seinen Schwächen. Ich kenne Adrian jetzt über 20 Jahre. Er wird wieder der Alte werden. Da bin ich sicher.

Mit bislang nur 4:6-Einzelsiegen stellt Neuzugang Kamal Achanta ein weiteres Sorgenkind dar. War es im Nachhinein ein Fehler, den Vertrag von Lars Hielscher auslaufen zu lassen?

Greber:Niemals. Auf Kamal lasse ich nichts kommen. Sicherlich bleibt er momentan noch hinter den Erwartungen zurück, doch der Knoten wird bei ihm bald platzen. Außerdem gab es natürlich Gründe für die Trennung von Lars. Er war einfach zu verletzungsanfällig.

Tamas: Unabhängig von Lars – Kamal wird sein Potenzial noch bei uns ausschöpfen. Er muss nur seine überragenden Trainingsleistungen endlich im Spiel umsetzen.

Warum gelingt das noch nicht?

Tamas:Da muss man Geduld haben. Werder ist sein erster größerer Verein in Deutschland. Wenn sich Kamal erst akklimatisiert hat, werden wir noch viel Freude an ihm haben.

Greber: Er kam schließlich auch in eine instabile Truppe. Jeder war mit sich selbst genug beschäftigt.

Gibt es Anlass zur Hoffnung, dass sich daran im neuen Jahr etwas ändert?

Tamas:Auf alle Fälle. Wir arbeiten hart, um in der Rückrunde die Abstiegsregion weit hinter uns zu lassen. Sogar Silvester und Neujahr wird trainiert. Die Jungs wollen. Gemeinsam kommen wir da raus.

Greber: Wichtig ist auch, dass wir als Verantwortliche die Nerven behalten. Aber ganz Werder-like wird es keine Unruhe geben.

Die Play-Off-Plätze liegen nur vier Punkte entfernt. Kann mit einer optimalen Rückrunde noch einmal oben angegriffen werden?

Greber:Die Play-Offs nehme ich nicht in den Mund. Unser einziges Ziel ist es, so schnell wie möglich unten herauszukommen.

Tamas: Genau. Erst einmal zählt nur der Klassenerhalt. Alles andere stellt Zukunftsmusik dar.

Kommen wir zu den internationalen Auftritten. Vor der Saison wurde mit dem Halbfinale geliebäugelt . . .

Greber:Das wäre auch möglich gewesen. Leider mussten wir im Achtelfinale auswärts antreten. Daheim hätten wir Angers gut packen können.

Tamas: Aber zumindest bleibt uns ja noch der nationale Pokal. Im Januar können wir beim Final 8 in Stuttgart mit einem Sieg gegen Ochsenhausen ins Halbfinale einziehen. Und dann ist alles möglich.

Im Halbfinale würde dann jedoch der Sieger der Partie Saarbrücken/Düsseldorf warten. Eine unlösbare Aufgabe?

Greber:Wir hatten sicherlich nicht gerade Losglück. Ochsenhausen wird uns schon alles abverlangen. Und über Saarbrücken und Düsseldorf muss ich ja kein Wort verlieren. Das sind momentan die besten Teams der Liga.

Tamas: Wir haben aber Düsseldorf bereits einmal im Halbfinale ausgeschaltet. Selbst mit Timo Boll und Christian Süß sind die nicht unschlagbar. Aber klar – erst müssen wir unsere Hausaufgaben gegen Ochsenhausen machen, bevor wir vom Pokalsieg träumen.

Gutes Stichwort: Wovon träumen Sie sportlich im Jahr 2012?

Tamas:Dass wir endlich wieder befreit aufspielen und unser Potenzial ausschöpfen. Wenn alle verletzungsfrei bleiben, kann es noch eine gute Saison werden.

Greber: Ich wünsche mir nur, dass wir möglichst schnell den Klassenerhalt perfekt machen.

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