Werder präsentiert Neuzugang / Die 22 von Frings als zusätzliche Motivation / Debüt in England?

Soforthilfe Sokratis: „Ich bin fit“

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Noch wirkt Sokratis Papastathopoulos etwas schüchtern. Doch diese Zurückhaltung will der neue Bremer Abwehrspieler auf dem Platz sofort ablegen. ·

Werder-Bremen - DONAUESCHINGEN · Sein erstes grünes Trikot war hinten noch blank. Das lag aber nicht an den vielen Buchstaben in seinem Namen, denn Sokratis Papastathopoulos wird bei Werder Bremen nur unter seinem Vornamen firmieren.

Dem Club hatte gestern vor der offiziellen Vorstellung des Neuzugangs vom FC Genua schlichtweg die Zeit gefehlt, im Trainingslager in Donaueschingen eine Beflockungsmaschine aufzutreiben. Trotzdem hielt Sokratis stolz sein neues Lieblingsshirt in die Kameras und versicherte: „Ich bin fit, ich kann sofort anfangen.“

Neuzugang Sokratis Papastathopoulos

Sokratis Papastathopoulos bei Werder Bremen

Worte, die Sportchef Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf mit einem zufriedenen Lächeln vernahmen. Die beiden Werder-Macher wirkten total erleichtert, dass der Grieche in ihrer Mitte saß. „Es ist gut, dass er endlich da ist. Wir brauchen ihn. Er verringert unsere Not“, sagte Schaaf und sprach damit die Probleme in der Innenverteidigung an. Dort muss der Coach gleich ein ganzes Quartett (Naldo, Mertesacker, Prödl, Silvestre) ersetzen. Als erfahrener Mann stand bislang nur Andreas Wolf zur Verfügung – nun kommt Sokratis dazu. Erst einmal für ein Jahr (Leihgebühr angeblich 500 000 Euro, Kaufoption 3,5 Millionen Euro).

Mit seinen 23 Jahren ist Sokratis zwar deutlich jünger als Wolf (29), aber er bringt durchaus Erfahrung mit. So spielte Sokratis zwei Partien bei der WM 2010 in Südafrika – darunter eine ganz besondere. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Argentinien hatte ihn Nationalcoach Otto Rehhagel als Sonderbewacher von Weltfußballer Lionel Messi aufgeboten. Der Superstar war später von der Beharrlichkeit des Griechen ziemlich genervt gewesen, durfte sich aber über einen 2:0-Sieg freuen. Sokratis schied mit den Griechen aus, bekam als Trost allerdings gute Kritiken und wechselte nach einer zuvor starken Saison beim FC Genua zum großen AC Mailand. Dort langte es jedoch nur zu fünf Einsätzen in der Liga und zwei im Pokal. Spielpraxis sieht anders aus. „Ich würde trotzdem nicht sagen, dass es keine gute Saison war. Milan ist ein großer Verein, ich war erst 22 und die Konkurrenz sehr groß. Ich habe dort viel gelernt, ich bin dort erwachsen geworden“, sagte Sokratis gestern und verwies zugleich auf seine acht Partien mit Griechenland: „Die haben die Lücke ganz gut gefüllt.“

Allerdings nicht gut genug: Sokratis wollte weg, eine Rückkehr nach Genua kam nicht in Frage. Werder lockte, und der Grieche war begeistert: „Das ist ein großer Verein. Ich freue mich, dass ich in der Bundesliga spielen darf.“ Dafür hat er auch gerne etwas länger auf grünes Licht aus Bremen gewartet und sich wegen des späten Trainingsauftakts von Genua (18. Juli) selbst fit gehalten: „Ich wollte unbedingt hier hin und habe fest damit gerechnet, dass es klappt.“

Nun peilt der Grieche das nächste Ziel an: „Ich will Stammspieler werden.“ Das dürfte ihm gelingen, denn Schaaf findet seinen Neuen natürlich richtig gut: „Er wird uns mit seiner Zweikampfstärke und seinem guten Kopfballspiel die nötige Stabilität in der Defensive geben. Und er geht gerne die Wege für die Spieleröffnung mit. Ich habe auch mit Kollegen in Griechenland gesprochen, die klangen alle sehr überzeugend.“ Otto Rehhagel sei bei seinem Rundruf nicht dabei gewesen. Auch Sokratis hatte sich nicht bei seinem Nationalcoach erkundigt: „Ich kannte Werder selbst sehr gut – aber natürlich weiß ich, welche erfolgreiche Rolle Otto Rehhagel hier mal gespielt hat.“

Nun will er selbst mit Werder Siege feiern, tut sich allerdings schwer, ein Saisonziel zu benennen: „Das sollen Klaus Allofs oder Thomas Schaaf sagen. Wir sind eine Familie und werden dann gemeinsam versuchen, diese Ziele zu erreichen.“ Schöner hätte es kein Redenschreiber formulieren können. Sokratis gibt das Bild des vorbildlichen Profi-Fußballers ab, von dem Leistung und keine Skandale zu erwarten sind. Dabei wirkt er etwas zurückhaltend und emotionslos, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. Einen ständigen Dolmetscher braucht der 23-Jährige allerdings nicht, schließlich spricht er gut Englisch. Und die Tatsache, dass er sich auch sehr gut auf Italienisch verständigen kann, zeigt seine Anpassungsfähigkeit. Deutsch soll jedenfalls schon bald auf dem Stundenplan stehen. „Ich gehe davon, dass ich die Grundbegriffe, die ich im Spiel brauche, schnell lernen werde“, sagte Sokratis.

Morgen muss es wohl erst mal ohne deutsche Worte klappen, denn der neue Innenverteidiger soll bereits beim Blitzturnier in Southampton – mit den Gastgebern und dem FC Bilbao – zum Einsatz kommen. Vorausgesetzt, der Papierkram ist bis dahin erledigt – und eine Beflockungsmaschine gefunden. Die soll dann nicht nur den Namen, sondern auch die Nummer 22 aufs Trikot drucken. Ausgerechnet die 22, die Torsten Frings berühmt gemacht hat. „Das wusste ich gar nicht“, gestand Sokratis: „Es ist sicher nicht einfach, die Nummer von so einem bedeutenden Spieler zu tragen, der so viel für den Verein gemacht hat. Aber das motiviert mich auch.“ · kni

Sokratis Papastathopoulos

Position: Abwehr

Geb.: 9. Juni 1988

Nation: Griechenland

Größe: 1,83 m

Gewicht: 82 kg

Länderspiele/-Tore: 20/0

CL-Spiele/-Tore: 3/0

EL-Spiele/-Tore: 3/0

UEFA-Cup-Spiele/-Tore: 8/0

Bisherige Vereine: AC Mailand (07/20110 - 07/2011), FC Genua (07/2008 - 07/2010), AEK Athen (07/2006 - 07/2008).

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