Neuer HSV-Coach gibt Vollgas

Slomka und sein Derby-Drill

+
Mirko Slomka gibt beim Hamburger SV den Weg vor.

Hamburg - Rund ums Weserstadion herrschte gestern tote Hose. Die Werder-Profis hatten frei, trainieren erst heute wieder um 15 Uhr. Es war die perfekte Gelegenheit, den kommenden Gegner Hamburger SV vor dem 100. Bundesliga-Nordderby am Samstag (15.30 Uhr, im Liveticker) genauer unter die Lupe zu nehmen.

Am Fuße der Imtech-Arena ging’s auf dem Platz ordentlich zur Sache. Der Eindruck nach einem halben Tag HSV: Achtung, Werder! Alle sind heiß und fokussiert, hängende Köpfe sieht man beim Tabellen-16. nach dem 3:0-Befreiungsschlag gegen Dortmund nicht mehr.

Auch die Vereinsmitarbeiter sind schon im Derby-Fieber. Aus ihren Bürofenstern im Stadion hängen unzählige HSV-Fahnen. „Schön zu sehen“, findet Trainer Mirko Slomka, „das zeigt, dass wir alle eng zusammenstehen. Die Atmosphäre ist da, nun wollen wir sie weitertragen.“

Um 10 Uhr betreten die Hamburger Profis, die am Montag ihren freien Tag hatten, bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen den Rasen – beäugt von 250 Zuschauern, die wissen wollen, wie die Mannschaft drauf ist. Und vor allem, wie der neue Coach Slomka sie auf den Nordschlager in Bremen vorbereitet. Nach einem lockeren Aufwärmen geht es ziemlich schnell ziemlich rund. Fans, die bei den Einheiten häufig an dem hüfthohen Zaun direkt am Platz stehen, staunen nicht schlecht. So etwas haben sie bei Slomkas Vorgänger Bert van Marwijk eher selten gesehen. Der neue Mann, Ende vergangenen Jahres bei Hannover 96 entlassen, hat sich schöne Sachen für seine Spieler ausgedacht. Tempoläufe mit Ball am Fuß über die volle Länge des Platzes gehören ebenso dazu wie knackige Sprints. Es ist fast ein Zirkeltraining, wie es sonst eher in der Vorbereitung auf dem Plan steht. Die Profis haben sichtlich zu kämpfen, einige stützen sich immer mal wieder mit den Händen auf den Knien ab, um durchzuschnaufen. Die Trinkpausen, die der Coach etwa alle 20 Minuten gewährt, sind eine erfrischende Abwechslung. Slomka selbst ist sehr aktiv, feuert an, lobt, läuft teilweise sogar ein paar Meter mit. Ein bisschen erinnert das Ganze auch an eine militärische Übung, denn Slomka und seine Trainerkollegen benutzen oft und gerne Trillerpfeifen, um zu starten oder zu beenden.

Mit dabei sind erstmals Kapitän Rafael van der Vaart (nach Bänderriss im Sprunggelenk) und der Ex-Bremer Dennis Diekmeier, der das Dortmund-Spiel wegen eines Magen-Darm-Infekts verpasst hat. Beide dürften im Nordderby einsatzbereit sein – bei van der Vaart (der die zweite Einheit am Nachmittag sicherheitshalber nicht mitmacht) stellt sich aber die Frage: Verändert Slomka seine Erfolgself, um den vor seiner Verletzung schwächelnden und arg kritisierten niederländischen Nationalspieler ins Team zurückzuhieven? Der Coach mauert noch, sagt später in der dienstäglichen Medienrunde in einer Stadionloge: „Wir wollen erst mal gucken, wie die Trainingswoche läuft und ob es dann reicht.“ Van der Vaart sei „völlig unbestritten ein fantastischer Spieler“ mit einem „vorbildlichen Engagement“ und zudem mit sieben Toren und sechs Vorlagen der Topscorer – aber: Eine Extrawurst gibt es für den 31-Jährigen nicht. „Den Begriff Sonderstellung finde ich in der Bundesliga unpassend“, meint Slomka, „jeder muss Leistung zeigen, um Akzeptanz zu bekommen.“

Voll akzeptiert ist in Hamburg Pierre-Michel Lasogga. Der Leihstürmer von Hertha BSC (Ende Januar mit Oberschenkelproblemen ausgefallen) wird sogar geschont, damit er am Samstag auflaufen kann. Der elffache Torschütze trainiert individuell, soll erst heute wieder voll einsteigen. „Wir wissen, welche Bedeutung er mit seinem Willen und seiner Wucht für uns hat. Deshalb ist da große Vorsicht geboten“, betont Slomka.

Nach exakt anderthalb Stunden beendet der HSV-Coach das erste Training, das auch Heiko Westermann (grippaler Infekt) und Jaroslav Drobny (Muskelfaserriss) versäumt haben. Im Anschluss spricht Slomka noch über das Nordderby und Gegner Werder. „Sie haben das in Frankfurt (0:0 in Unterzahl, Anm. d. Red.) taktisch super gemacht und sich den Punkt redlich verdient“, findet der 46-Jährige. Einen Favoriten gibt es am Samstag nicht, meint Slomka: „Das wird ein Duell auf Augenhöhe, da muss man alles reinwerfen. Und bei Werder ist wohl Aaron Hunt wieder dabei, ein toller Fußballer.“

Mit Derby-Kampfansagen hält sich Slomka zurück, weil er 2007 auf Schalke mal schlechte Erfahrungen gemacht hat. Gerald Asamoah kündigte damals an, bei einem Sieg in Dortmund, der fast sicher die Meisterschaft bedeutet hätte, zu Fuß nach Gelsenkirchen zurücklaufen zu wollen. Schalke verlor, wurde nur Zweiter – und Slomka sagt vor dem Werder-Spiel: „Ich versuche, nicht so viele scharfe Sätze zu formulieren.“ · mr

BVB besiegt Titelfluch - DFB-Pokaltriumph im vierten Anlauf

BVB besiegt Titelfluch - DFB-Pokaltriumph im vierten Anlauf

Dortmund holt den Pott! Bilder vom Sieg gegen Frankfurt

Dortmund holt den Pott! Bilder vom Sieg gegen Frankfurt

„Auba-cooler Elfer!“ Die Pressestimmen zum BVB-Sieg

„Auba-cooler Elfer!“ Die Pressestimmen zum BVB-Sieg

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

Meistgelesene Artikel

Werder testet gegen Wolverhampton Wanderers

Werder testet gegen Wolverhampton Wanderers

Entspannter Entscheider

Entspannter Entscheider

Schierenbeck sucht nach neuem Bruns

Schierenbeck sucht nach neuem Bruns

Schierenbeck zu Sargent-Gerücht: „Das ist mir neu“

Schierenbeck zu Sargent-Gerücht: „Das ist mir neu“

Kommentare