Sechs Trainingstage bis Stuttgart: Was hat der Werder-Coach noch in petto?

Skripniks erster Reiz vor dem Abstiegskrimi: ein Laktattest

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Nachdenklich und müde wirkte Viktor Skripnik gestern. Kann er Werder wirklich noch zum Klassenerhalt führen?

Bremen - Laktattest! Langweiliger geht es kaum. Mit dem Fitnesscheck, der im Laufe einer Saison immer wieder in den Trainingsplan eingebaut wird, startete Werder Bremen gestern nach zwei freien Trainingstagen in die enorm wichtige Woche vor dem enorm wichtigen Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (Montag, 20.15 Uhr).

Wenn 20 Mann immer und immer wieder um einen Fußballplatz rennen und sich zwischendurch Blut aus dem Ohrläppchen zapfen lassen, ist das zwar nicht gerade das, was als Trainingsreiz nach einem verlorenen Derby und vor einem Abstiegskrimi erwartet wird. Aber Werder-Chefcoach Viktor Skripnik hatte den Termin irgendwann ausgeguckt und hielt dran fest. Vorbereitung auf Stuttgart? Ab heute, 10.00 Uhr. Früh genug?

Tatsächlich ist reichlich Zeit bis zum Anpfiff gegen den VfB. Neun Tage liegen zwischen den Partien in Hamburg und gegen Stuttgart. Zwei davon waren der körperlichen und mentalen Regeneration nach dem 1:2 beim HSV gewidmet, einer dem Laktattest – bleiben noch sechs, um sich bereit zu machen für das hochbrisante und möglichweise schicksalhafte Kellerduell.

Die fußballerischen Probleme wird Viktor Skripnik in dieser Zeit sicher nicht mehr lösen – es ist ihm schließlich in der gesamten Saison nicht gelungen. Mit ziemlich großer Sicherheit wird es gegen Stuttgart jedoch auch nicht darum gehen, wer den besseren Ball spielt. Sondern darum, wer die besseren Nerven hat, wer der mental Stärkere ist. Mittelfeldmann Fin Bartels gibt zu, dass es mit seiner mentalen Kraft am Samstag und Sonntag nicht weit her gewesen sei. „Ich war schon ziemlich verbittert nach der Derby-Niederlage, hatte mit mir zu kämpfen, war am Boden“, sagte er. Aber – quasi per Spontanheilung – schien gestern beim Aufstehen wieder die Sonne aus seiner mit bereits vier Abstiegen belasteten Fußballerseele (siehe nebenstehenden Text). Bartels: „Ich bin mit der vollen Überzeugung aufgestanden, dass wir den Klassenerhalt packen werden. Und wenn wir in die Relegation müssen, dann schaffen wir es eben auf diesem Weg.“

Es waren Aussagen, die sehr zurechtgelegt wirkten. Und es sicher auch waren. Aber bei Nachfrage verteidigte Bartels leidenschaftlich seine frühmorgendliche Erleuchtung. „Wir lassen uns von außen nicht einreden, dass wir Abstiegskandidat Nummer eins sind. Wir treten auch nicht auf wie ein Absteiger. Wir haben Moral, spielen teilweise guten Fußball. Und mit dem Teamgeist und der Geschlossenheit, die wir auf jeden Fall haben, haben wir Riesen-Pluspunkte“, argumentierte er.

Das hört sich alles so schön an, so überzeugend. Dennoch sah Viktor Skripnik gestern die Spieler eines akut gefährdeten Tabellen-16. im strömenden Regen über die Laufbahn traben – und nicht die eines Europacup-Anwärters. Der Coach, dessen Ablösung am Saisonende nach Informationen dieser Zeitung bereits beschlossen ist, saß trocken unter dem Tribünendach, nippte an einem Becher Kaffee, wirkte nachdenklich, aber bestimmt nicht lebhaft. Wie immer eigentlich.

Dabei braucht Skripnik jetzt Ideen, wie er Werder noch vor dem Abstieg bewahren will. Doch mit dem Einfallsreichtum ist es so eine Sache bei dem Ukrainer. Meistens macht er alles wie immer, auf spezielle Situationen mit speziellen Maßnahmen zu reagieren, war bisher nicht seins. Ob das vor dem „Abstiegsendspiel“ gegen Stuttgart anders sein wird, bleibt abzuwarten. Ihn danach zu fragen, ist unmöglich, denn außerhalb der wöchentlichen Pressekonferenz nicht mit den Medien zu reden, gehört bei ihm auch zur Gewohnheit. Vielleicht hätte der 46-Jährige aber auch noch keine Antwort geben können. Denn der Wochenplan war bis zum Nachmittag noch nicht ausgetüftelt.

Laktattest am Montag

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