Skripnik streicht heute den freien Tag und bittet das Team zu einer speziellen Einheit

Verabredung zur Quälerei

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Drei Niederlagen liegen hinter Viktor Skripnik und dem SV Werder. Ergreift der Trainer jetzt die richtigen Maßnahmen?

Bremen - Seinen Führungsstil verändern? Härter werden? Nein, mit derlei Fisimatenten will Viktor Skripnik der sportlichen Talfahrt bei Werder Bremen nicht begegnen. Das sagt er jedenfalls. Doch eine seiner Maßnahmen nach der dritten Niederlage in Folge sagt etwas anderes. Der Chefcoach hat den freien Tag heute gestrichen und die Mannschaft für 10.00 Uhr zu einer knüppelharten Laufeinheit ins Stadion „Platz 11“ bestellt. „Da wird es auch darum gehen, sich zu quälen“, erklärt der Ukrainer.

Straftraining – das ist der Begriff, der einem zu einer solchen Maßnahme einfällt. Aber auch das stimme nicht, meint der Werder-Coach. „Kein Straftraining. Ich habe der Mannschaft gesagt, was sie erwartet. Sie ist einverstanden. Das zeigt, dass sie zurück zum Erfolg will. Und das geht nur über harte Arbeit, nicht über Träumereien. Wir müssen auch wieder bereit sein, auf dem Platz die unangenehmen Sachen zu erledigen.“

Also bittet Skripnik in der ersten Krise, die nicht vom Vorgänger übernommen wurde, sondern auch sein Werk ist, zu einer Trainingsheinheit, „in der es auch um Willen geht“. Um den Willen, durchzuhalten. Zu schaffen, was verlangt wird. Auch den letzten Meter zu machen. Oder anders gesagt: Eine Einheit, bei der die Beine laufen, aber der Kopf das Trainingsziel ist.

Skripnik spricht viel von fehlendem Herz und vermisster Leidenschaft, wenn er über die augenblickliche Lage bei Werder referiert. Die hat sich mit der Niederlagenserie gegen Ingolstadt (0:1), Darmstadt (1:2) und Leverkusen (0:3 inklusive indiskutabler zweiter Halbzeit) dermaßen zugespitzt, dass der Coach sich genötigt sah, mit einer seiner Gewohnheiten zu brechen. Normalerweise spricht er nicht abseits der normalen Pressekonferenzen mit den Medien, gestern machte er eine der seltenen Ausnahmen. „Ich stelle mich, hier bin ich.“

Das klang ein bisschen, als würde sich der 45-Jähriger als Beschuldigter fühlen. Dabei sollte er nur erklären, was aus seiner Sicht nun zu tun sei. In einer Situation, die mit einem „unglaublich hohen Stressfaktor“ (Skripnik) verbunden und durchaus schon brenzlig ist. Auf die drei Pleiten folgt jetzt schließlich die mehr als heikle Aufgabe bei Liga-Schlusslicht Hannover 96. Danach kommen der FC Bayern und Borussia Dortmund ins Weserstadion, unterbrochen nur vom Auswärtsspiel in Mainz. Man mag sich gar nicht ausmalen, was passiert, wenn Werder auch in Hannover verlieren sollte…

Kapitän Clemens Fritz vermeidet diesen Gedanken, verordnet den Kollegen lieber eine Dosis Zuversicht: „Wenn wir jetzt alles schwarzsehen würden, könnten wir keine Leistung mehr bringen.“ Aber woher den Optimismus nehmen? Fritz meint, man müsse sich nur an die Siege über Gladbach (2:1) und Hoffenheim (3:1) erinnern: „Wir haben doch schon gezeigt, dass wir es besser können.“

Besser – das heißt eben mit Herz und Leidenschaft. Aber es ist ein Bremer Phänomen, dass diese Tugenden nach guten Phasen regelmäßig verloren gehen. Das war in der vergangenen Saison im Schlussspurt schon zu beobachten, jetzt wieder. Fritz wundert sich nicht („Die Euphorie ist schnell da – und dann gehen zwei, drei oder zehn Prozent verloren“), fordert aber die sofortige Rückkehr zum Vollblut-Fußball: „Wenn wir Spiele gewonnen haben, waren wir immer bei hundert Prozent. Das muss jedem klar sein. Bevor wir richtig unten reinrutschen, sollten wir aufpassen und Gas geben.“ Schön gesagt. Das positive Gefühl als Brennstoff für den heftig stotternden Bremer Motor muss sich die Mannschaft laut Kapitän Fritz „im Training erarbeiten“. Ob die von Skripnik verordnete Quälerei heute dafür das richtige Mittel ist, wird sich zeigen.

csa

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