Skripnik macht ihn zur Nummer zwei

Casteels sofort im Angriffsmodus

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Erste Flugstunde von Koen Casteels bei Werder – und Richard Strebinger schaut ganz interessiert zu. Der Österreicher hat seinen Platz als Nummer zwei schon verloren, und auch Raphael Wolf (oben) sitzt der neue Konkurrent im Nacken.

Bremen - Der Notnagel ist da – und er wurde gestern sofort angespitzt: Werder versetzte seinen gerade erst ausgeliehenen Keeper Koen Casteels gleich in den Angriffsmodus. Trainer Viktor Skripnik machte ihn zur Nummer zwei, und Sportchef Thomas Eichin mehr als deutlich, was er von dem Belgier erwartet: „Vollgas im Training, er soll die Nummer eins unter Druck setzen. Jetzt ist schön Druck auf dem Kessel.“

Das dampft also gewaltig nach einem knallharten Duell mit Raphael Wolf. Der gilt als klare Nummer eins, wie Trainer und Sportchef gestern noch einmal beteuerten, muss aber gewaltig aufpassen. Schon morgen bei der Generalprobe für den Rückrundenauftakt in einer Woche gibt es einen Vorgeschmack: Nach einer Halbzeit oder spätestens nach einer Stunde muss Wolf beim Test gegen Hannover 96 in der HDI-Arena seinen Platz für Casteels räumen. So hat es Skripnik angekündigt: „Koen muss uns auch auf dem Platz kennenlernen.“

Casteels wird das mehr als recht sein. Denn der 22-Jährige ist nicht nach Bremen gekommen, um nur für den Notfall auf der Tribüne zu sitzen. Mindestens auf die Bank will er: „Das ist der Anspruch eines jeden Torwarts.“ Er hätte auch sagen können, dass er spielen will – doch der Belgier ist clever genug, vor der versammelten Bremer Journaille nicht zu überdrehen: „Es wird alles auf dem Platz entschieden – und nicht hier.“

Dass er nun in Bremen gelandet ist, sei „schon eine Überraschung“, gestand Casteels. Denn eigentlich ging es ja um einen Wechsel von 1899 Hoffenheim zum VfL Wolfsburg. Doch die Niedersachsen brauchen ihn erst ab Sommer, also wurde er für vier Monate an den SV Werder ausgeliehen. Casteels hätte sich wahrscheinlich auch woanders parken lassen – Hauptsache weg. Denn mit Hoffenheim hat er abgeschlossen, die Vorgehensweise des Clubs hat ihn enttäuscht. Er fühlt sich nach seinem Schienbeinbruch im April fallen gelassen. „Nach meiner Verletzung waren meine Chancen auf die Nummer eins, zwei oder sogar drei sehr gering. Es wurde kaum mit mir geredet.“ Und dass er erst Ende November in Hoffenheims U23 sein Comeback feiern durfte, „hat der Trainer so entschieden, ich war längst fit“. Gemeint ist wohl Chefcoach Markus Gisdol, den Namen erwähnt Casteels aber nicht.

Der 22-Jährige weiß, dass sein Ruf nicht der beste ist. Er gilt als Schwarz-Weiß-Keeper mit tollen Paraden, aber auch schlimmen Patzern. „Ich habe schon sehr viel erlebt in der Bundesliga“, sagte Casteels, verwies auf seine 39 Spiele und fügte erklärend an: „Ich habe dort in meinen dreieinhalb Jahren fünf Trainer und drei Manager erlebt. Hoffenheim stand immer für sehr offensiven Fußball, defensiv gab es dafür Probleme. Es ist doch klar, dass dann der Torwart besonders im Blickpunkt steht.“

Natürlich zweifelt Casteels nicht an seiner Klasse, selbstbewusst beschrieb er seine Stärken: „Ich bin ein Torwart, der mitspielt, der hoch vor dem Tor steht und die Bälle abläuft.“ Qualitäten die ihn fast bis zur WM gebracht hätten. „Der Schienbeinbruch hat mich um viel gebracht“, seufzte Casteels.

Nun der Neuanfang – erst in Bremen, dann in Wolfsburg. „Jetzt zählt nur Werder“, betonte der Keeper. Er könne zwar verstehen, dass sich die Leute um die Identifikation mit dem Club sorgten, aber für ihn sei das „kein Problem. Ich will so viele Punkte wie möglich mit Werder sammeln.“

Gestern hat die Arbeit begonnen. Bewerten wollte Skripnik den ersten Auftritt des Neuen freilich noch nicht. Aber der Coach schaffte trotzdem schon Fakten: „Raphael Wolf ist die Nummer eins, und momentan sieht es so aus, dass Koen Casteels die Nummer zwei ist.“ Und Richard Strebinger? „Für ihn ist es keine einfache Situation“, meinte Eichin zum bisherigen Ersatzmann: „Wir müssen gucken, was perspektivisch möglich ist.“ Denkbar sei eine Ausleihe, allerdings erst im Sommer. Denn in die Rückrunde will Werder unbedingt mit seinen drei Bundesliga-erprobten Torhütern gehen. Nachwuchsmann Raif Husic wurde dafür in die U23 zurückgeschickt. Möglicherweise wird der 18-Jährige noch abgegeben.

Erste Trainingseinheit für Werder-Neuzugang Koen Casteels

Profi-Fußball ist eben knallhart, der Druck groß. Für Wolf mit der neuen Konkurrenz noch größer. Doch Eichin sieht darin kein Problem: „Das muss ein Bundesliga-Torwart aushalten – und er wird es aushalten.“ Und wenn nicht, dann muss der Notnagel Casteels einschlagen.

kni

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