Skripnik gefährdet den Werder-Weg

Der Bauchtrainer macht Bauchschmerzen

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Werder-Sportchef Thomas Eichin (links) hat bereits ein klärendes Gespräch mit Trainer Viktor Skripnik (rechts) geführt – und ist sich sicher, dass der Coach nicht zurücktreten wird.

Bremen - Als es Werder so richtig schlecht ging, da war er da: Viktor Skripnik. Der Retter! Aus einem Tabellenletzten machte der Ex-Profi als Nachfolger des gefeuerten Robin Dutt einen Fast-Europapokal-Teilnehmer. Doch nach einem Jahr bereitet der 45-Jährige, der so gerne aus dem Bauch heraus entscheidet, dem Club vor allem eines: Bauchschmerzen.

Denn Skripnik verliert nur noch, wütet vor den Medien und startet selbst eine Trainerdiskussion, die seine Vorgesetzten mit aller Macht verhindern wollten. Deswegen hat so mancher Werderaner einen dicken Hals. Schließlich geht es nicht nur um die Zukunft von Skripnik, sondern auch um die des Clubs: Der Werder-Weg ist in Gefahr.

Thomas Eichin hat bereits gehandelt und Skripnik nicht nur zum Rapport bestellt, sondern schon mit ihm gesprochen. „Für mich ist das Thema abgehakt, ich nehme ihm das nicht krumm“, behauptet der Sportchef und meint damit Skripniks Wutausbruch in einer Medienrunde nach der 0:1-Niederlage gegen die Bayern. „Viktor trägt nun mal sein Herz auf der Zunge, und er muss auch authentisch bleiben“, nimmt Eichin den Coach zwar in Schutz, fordert von ihm aber auch: „Viktor ist sehr ehrgeizig und war deshalb wegen der Niederlage sehr verärgert. Trotzdem muss er gegenüber den Medien einfach die Faust in der Tasche lassen. Aber das wird er hinkriegen.“

Wirklich? Es war schließlich nicht das erste Mal, dass Skripnik der Kragen platzte und er ein Mediengespräch explodieren ließ. Das Grundproblem dabei: Der 45-Jährige wittert inzwischen hinter jeder Frage eine Böswilligkeit, hört oftmals gar nicht bis zum Schluss zu – und schießt dann wild um sich. Wie am Samstag, als er nur den Plan für die Schlussphase gegen die Bayern erklären sollte. Eigentlich eine schöne Steilvorlage, um sich und sein Trainerteam sowie die Mannschaft zu loben.

Und dann ist da auch noch das Verständigungsproblem. Der Ukrainer versteht Fragen oftmals falsch und fühlt sich mit seinem speziellen Skripnik-Deutsch genauso oft falsch verstanden. Ein Dilemma. Nicht das einzige. Nach fast 20 Jahren bei Werder fließt grün-weißes Blut durch Skripniks Adern. Die hochemotionale Bindung zum Verein lässt ihn nun offenbar verkrampfen. „Er sollte sich nicht zu sehr unter Druck setzen“, rät Eichin und will von einem drohenden Rücktritt des Cheftrainers nichts wissen: „Das ist Unsinn!“

Dabei hatte sich Skripnik selbst zur Diskussion gestellt: „Verlieren wir in Mainz, kommt Dortmund zu uns. Vielleicht dann ja ohne mich. Das ist die Realität bei Werder Bremen.“ Das klang nach fünf Niederlagen am Stück nach Resignation. Doch so war es nicht gemeint, beteuert Eichin nach dem Gespräch mit Skripnik: „Viktor will mit uns gewinnen, sonst nichts!“ Auch für den Sportchef kommt aktuell eine Trennung vom Coach nicht infrage. Denn das Verhältnis Trainer/Mannschaft ist noch intakt, obwohl es gerade auf eine harte Probe gestellt wird. Die älteren Spieler wundern sich über die unprofessionellen Auftritte des Trainers in der Öffentlichkeit, die jüngeren Spieler ärgern sich über ihren Status als ständige Verschiebemasse zwischen erster und dritter Liga. Das Wir-Gefühl leidet.

Skripnik behält aber seinen Freifahrtschein: Als Vollblut-Bremer steht er für den Werder-Weg. Der ist „alternativlos“, wie alle Verantwortlichen in Laierkasten-Manier seit Monaten vortragen. Werder rettet sich selbst, setzt aus Kostengründen auf eigene Spieler, die von eigenen Trainern wie Skripnik und dessen Assistenten (ebenfalls alle mit Werder-Vergangenheit) geformt werden sollen. „Diesen Weg wollen wir alle gemeinsam gehen und schauen da nicht nach rechts oder links, sondern wir vertrauen unserem Trainerteam“, betont Eichin.

Was soll er auch anderes sagen? Ohne Skripnik wäre der Werder-Weg am Ende. Im Club gibt es keinen Ersatz. Co-Trainer Torsten Frings ist zu eng mit Skripnik verbunden, um ihm nachfolgen zu können. Bei einem Aus von Skripnik bliebe nur eine externe Lösung. Ein Huub Stevens zum Beispiel, der in dieser Saison den VfB Stuttgart ausnahmsweise mal nicht retten möchte. Oder ein Lucien Favre, der Borussia Mönchengladbach schon mal unten rausgeholt hat.

Hat Eichin bereits einen Plan B? Für einen guten Sportchef ist das eigentlich ein Muss, genauso wie allerdings auch das Schweigen bei diesem heiklen Thema. Also lenkt der Ex-Profi den Fokus auf das nächste Spiel am Samstag in Mainz (15.30 Uhr) und wünscht sich einen „dreckigen Sieg“.

Der war dort übrigens schon vor einem Jahr die beste Medizin: Skripnik gewann gleich sein erstes Bundesliga-Spiel, danach ging es dem Patienten Werder viel besser.

kni/mr

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