Skripnik und Fritz vermissen die Leidenschaft, Eichin und Vestergaard den Fußball

Werder im Zwiespalt

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Hängende Köpfe in Darmstadt: Die Werder-Profis grübeln, warum sie schon wieder verloren haben.

Bremen/Darmstadt - Der erste Reflex nach Niederlagen ist fast immer gleich: Als Ursache wird gerne die fehlende Leidenschaft und Einsatzbereitschaft genannt. So hat es auch Werder-Coach Viktor Skripnik nach der 1:2-Pleite in Darmstadt getan. Doch diesem bekannten Weg wollten diesmal nicht alle Bremer folgen.

Sowohl Sportchef Thomas Eichin als auch Jannik Vestergaard sahen das Problem woanders: in fehlenden fußballerischen Lösungen. Werder steht nach zwei Niederlagen in Folge an der Schwellezur Krise – und steckt noch dazu im Zwiespalt: Soll Fußball gespielt oder gekämpft werden?

Skripnik setzt im Moment ganz klar auf Kampf. „Wir müssen das Werder Bremen der letzten Saison sein, als wir ein genauso unangenehmer Gegner waren wie Darmstadt“, sagte der Coach nach der Pleite beim Aufsteiger. Dabei hatte er vor Saisonbeginn noch betont, dass Werder in dieser Saison auch fußballerisch überzeugen will. Doch ihm selbst fehlt offenbar die Überzeugung. In Darmstadt bot der Coach eine extrem defensive, fast destruktive Startelf auf mit nur drei offensiven Spielern (Ujah, Johannsson und Bartels). Natürlich lag das auch daran, dass Zlatko Junuzovic nach seiner heftigen Erkältung erst einmal nur auf der Bank saß. Skripnik hätte im Mittelfeld aber auch Levin Öztunali statt Janek Sternberg vertrauen können. Er tat es nicht.

Vestergaard stellte später enttäuscht fest: „Wir haben zu viel das Spiel von Darmstadt gespielt.“ Der Däne ist zwar Innenverteidiger, aber einer, der angreifen will: „Natürlich müssen wir Herz und Leidenschaft zeigen, aber für mich geht es mehr darum, dass wir zu wenig Fußball gespielt haben.“ Da traut er seinem Team mehr zu und fühlt sich durch die guten Spiele gegen Hoffenheim und Mönchengladbach ebenso bestärkt wie durch einige Phasen in Darmstadt: „Da haben wir Dominanz erzeugt.“

So empfand es auch Eichin: „Wir haben immer dann gut ausgesehen, wenn wir Fußball gespielt haben. Das ist uns aber nicht immer gelungen.“ In puncto Einstellung nahm der Sportchef – anders als der Trainer – das Team ausdrücklich in Schutz: „Wir wollen gegen solche Mannschaften versuchen, Fußball zu spielen. Dann sieht es manchmal auch so aus, als ob die Leidenschaft fehlen würde.“

Also doch genug gekämpft? Einer, der immer für vollen Einsatz steht, ist Clemens Fritz. Der Kapitän war es schließlich auch, der das Bremer Problem aufdeckte. Werder kann mitspielen, aber nicht das Spiel machen. Gegen aktive Mannschaften wie Hoffenheim und Mönchengladbach sieht das dann eben besser aus als gegen Darmstadt. „Ich habe nach 25 Minuten gedacht, ich kriege Nackenschmerzen, die Bälle flogen nur übers Mittelfed. Spielerisch ging gar nichts. Das war nur Krampf“, erinnert sich Fritz mit Grauen: „Gegen Mannschaften, die über den Kampf kommen, die das Spiel zerstören wollen, ist es für uns schwierig, unser spielerisches Vermögen umzusetzen.“

Dieses ist nun einmal begrenzt – und am Samstag gegen Leverkusen sogar noch begrenzter. Dann fehlt nicht nur Philipp Bargfrede (Rotsperre), sondern auch Fin Bartels nach seiner Ampelkarte in der Schlussphase. Und ob Junuzovic wieder voll bei Kräften sein wird, bleibt auch abzuwarten. „Das sind wichtige Leute für uns“, meinte Fritz und war dabei kaum zu verstehen. Als wolle er diesen Nachteil am liebsten verschweigen.

Aus gutem Grund. Natürlich spürt Fritz, wie die Stimmung in Bremen nach den zwei unerwarteten Pleiten gegen die Aufsteiger Ingolstadt (0:1) und Darmstadt (1:2) kippt. Der Pizarro-Hype ist der Krisenangst gewichen. Die Erinnerungen ans Vorjahr werden wach, als Werder durch drei Niederlagen in der englischen Woche in den Abstiegssumpf rutschte. Mit drei Punkten nach sechs Spielen. „Wir haben sieben Punkte“, hält Fritz dagegen und verbietet jeglichen Rückblick mit einer ganz speziellen Begründung: „Wenn ich nach hinten schaue, läuft mir ein Schauer über den Rücken, wenn ich nach vorne gucke, dann freue ich mich.“

Selbst auf Leverkusen. Der Champions-League-Teilnehmer hat schließlich auch schon gegen einen Aufsteiger verloren – 0:1 am vierten Spieltag gegen Darmstadt. Wahrscheinlich hat Leverkusen damals zu wenig gekämpft…

kni/csa

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