Skripnik erklärt sein Erfolgsrezept und den Weg zum Auswärtssieg heute gegen Hoffenheim

„Breite Brust, aber nicht Nase hoch“

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Viktor Skripnik grübelt, wie seine Jungs endlich auch auswärts so erfolgreich auftrumpfen können wie stets im Weserstadion.

Bremen - Es ist nicht immer so ganz einfach, Viktor Skripnik in seinen Ausführungen zu folgen. Doch auf seiner holprigen Fahrt durch die deutsche Sprache sorgt der Ukrainer stets auch für die Einfachheit in Perfektion. „Breite Brust, aber nicht Nase hoch“, lautet sein Motto für Werders Auswärtsspiel heute Abend bei der TSG 1899 Hoffenheim (20 Uhr).

Verkündet gestern Mittag bei der Pressekonferenz und garniert mit dem Hinweis: „Wir dürfen nicht denken, dass wir gerade etwas erreicht und die anderen verloren haben.“ Und noch etwas gefährdet den Aufwärtstrend nach dem 2:0 gegen Berlin: die eklatante Auswärtsschwäche.

Skripnik kennt natürlich die Zahlen. Nur bei seinem Bundesliga-Debüt als Chefcoach gab es Punkte in der Fremde (2:1-Sieg in Mainz). Es folgten durchaus deutliche Pleiten in Hamburg (0:2), Frankfurt (2:5) und Mönchengladbach (1:4). Produkte ängstlicher Auftritte, die im krassen Gegensatz zu den Heimspielen mit viel Mut und Leidenschaft stehen. „Vielleicht können einige Spieler nicht so gut mit dem Druck auswärts umgehen“, glaubt der 45-Jährige und zählt auf: „Ein anderes Stadion, eine andere Kulisse, ein anderer Platz, eine andere Umkleide und so weiter – unsere jüngeren Spieler haben noch nicht diese Erfahrung.“ Werder besitzt immerhin den mit 23,38 Jahren jüngsten Kader der Liga – und das mit großem Abstand (siehe Info-Kasten).

Dafür haben die jungen Wilden aber Viktor Skripnik. Er will an ihnen auch auswärts festhalten. Zu Beginn seiner Amtszeit hat er noch Rücksicht auf Heim- oder Auswärtsspiel genommen. Das soll sich nun etwas ändern. Der Ex-Profi will auch als Gast attackieren und mutiger sein. „Die Handschrift von Viktor wird sich Woche für Woche weiter übertragen. Er geht seine Aufgaben Schritt für Schritt an – und der nächste ist, dass wir auch auswärts bestehen“, erklärt Sportchef Thomas Eichin und hofft natürlich, „dass es schon gegen Hoffenheim klappt“.

Werder will agieren und nicht mehr so viel reagieren. „Nur zwei Busse vor den Sechzehner zu stellen und zu warten, dass Di Santo irgendwie zwei Tore macht, darauf dürfen wir uns nicht verlassen“, sagt Skripnik und fügt mit einem breiten Grinsen noch an: „Aber natürlich kann das passieren, denn Franco hat das drauf.“ Typisch Skripnik: Wo er nur kann, redet er öffentlich seine Spieler stark. Über den Gegner werden nur die nötigsten Worte fallen gelassen. Immer respektvoll, aber immer auch mit dem klaren Blick aufs eigene Team. Das gehört zu seinem Erfolgsrezept. Aber nicht nur das. Skripnik beschreibt sein Vorgehen so: „Ich bin immer ehrlich zu den Spielern. Echte Kritik gibt es nur unter vier Augen. Ich habe von jedem Spieler ein Bild gezeichnet, was ich von ihm erwarte, und ihm gesagt: ,Bleibst du im Bild, dann kriegst du was. Gehst du raus aus deinem Bild, dann hat das Konsequenzen.‘“ Fußball kann so einfach sein. Wobei es sich Skripnik gar nicht so einfach macht. Jeder Spieler bekomme weitere Chancen, „wenn er fleißig ist und nicht an sich, sondern an die Mannschaft denkt“. Die steht an erster Stelle und der Verein über allem. Und da er über 18 Jahre bei Werder sei, wisse er ganz genau, wie das Geschäft läuft und laufen muss. Aber auch er könne das nicht allein, betonte der 45-Jährige und hob seine Trainerkollegen Torsten Frings, Christian Vander und Florian Kohfeldt hervor: „Das ist eine wunderbare Truppe.“

Eine, die auch auf dem Boden geblieben sei – trotz der nun schon 16 Punkte aus neun Spielen. „Einige sagen schon, es sind nur noch sechs Punkte bis zur Europa League und vergessen, dass es nur drei Punkte bis zu einem Abstiegsplatz sind. Wir sind realistisch. Nach einem Sieg gibt es noch keinen Grund zu träumen“, stellt Skripnik klar. Wichtig sei, Vertrauen in die Spieler zu haben – und umgekehrt. „Wenn sie sehen, dass es funktioniert, dann werden sie so weitermachen“, glaubt der Coach und sieht sich dabei auf einem sehr guten Weg. Und von dem möchte er sich auch auswärts nicht mehr abbringen lassen: „Wir wollen gewinnen.“

kni

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