Simon- und Monfils-Trainer Jan de Witt zurzeit zum Gegenbesuch in Bremen / „Wir wollen regelmäßig voneinander lernen“

Werder schaut sich beim Tennis um – und Schierenbeck ist begeistert

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Tenniscoach Jan de Witt (links) und Björn Schierenbeck, Direktor des Werder-Leistungszentrums, wollen sich von der jeweils anderen Sportart einiges abgucken.

Bremen - Es geht um Fußball, um Tennis – und darum, was die eine Sportart von der anderen lernen kann. Jan de Witt, einer der erfolgreichsten Tennis-Coaches der Welt und aktuell Trainer der Franzosen Gilles Simon (ATP-Nummer 16) und Gael Monfils (Nummer 19) wirft in dieser Woche einen Blick hinter die Kulissen von Werder Bremen. Auf dem Programm stehen unter anderem das U23-Training, ein Treffen mit Werders Video-Analysten und Gespräche – darunter mit Aufsichtsratschef Marco Bode.

Die Kooperation wirft auf den ersten Blick Fragen auf. Tennis als Einzelsport scheint mit dem Mannschaftssport Fussball wenig gemeinsam zu haben. Werder und de Witt aber stehen täglich vor der gleichen Herausforderung: Wie mache ich jeden einzelnen Spieler ein Stück besser? Stellschrauben gibt es viele. Von der Trainingseinheit auf dem Platz bis zur Videoanalyse, vom Athletik- bis zum Mentaltraining. „Die Anforderungen an Trainer und Betreuer sind im Sport die gleichen. Da ist es spannend zu sehen, welche Lösungen Werder wählt“, sagt de Witt.

Björn Schierenbeck, Direktor des Werder-Leistungszentrums, war Feuer und Flamme, als er von de Witts Idee eines Treffens hörte. Ende November, beim Bremer Heimspiel gegen Paderborn, kamen die beiden zum ersten Mal zusammen. Ein Kennenlernen, ein erster Austausch und Auftakt der Zusammenarbeit. Im Dezember fuhr eine Bremer Delegation zum Gerry Weber Breakpoint Team nach Halle in Westfalen. Dort verbrachten Schierenbeck, Thomas Wolter (Sportlicher Leiter des Leistungszentrums) und U23-Coach Alexander Nouri einen Tag, guckten sich unter anderem eine Trainingseinheit von Tennis-Star Simon an. Der Franzose und Coach de Witt hinterließen einen bleibenden Eindruck. Schierenbeck: „Es ist schon sehr interessant zu sehen, dass dem Spieler für jeden Bereich Spezialisten zur Seite stehen. Beeindruckend war auch, wie konzentriert und beharrlich Simon an vermeintlichen Kleinigkeiten arbeitet.“

Nur: Wie viel Individualität verträgt der Fußball? Im Optimalfall müsste ein Nachwuchs-Spieler für ein paar Wochen aus dem Punktspielbetrieb genommen werden, um an Details zu arbeiten. Aber nicht selten steht dieser sinnvollen Maßnahme das kurzfristige Denken von Spieler, Trainer, Eltern, Verein und Verband entgegen. Viele Zwänge wirken auf ihn ein. Das weiß auch Schierenbeck. Es bedarf Überzeugungsarbeit. Dem Spieler muss deutlich werden, dass es nicht wichtig ist, wie viele Auswahlpartien er im Nachwuchsbereich bestritten hat. Entscheidend ist, dass er es später bei den Profis packt.

Werders Nachwuchs-Chef ist begeistert von der Art und Arbeit des Tennis-Coaches. Und auch de Witt genießt die Zeit an der Weser. Kein Wunder: Er ist in Bremen aufgewachsen, Werder-Fan und ein Trainer, der neugierig ist, stets über den Tellerrand hinausschaut. Egal, ob in die NBA oder die Fußball-Bundesliga.

De Witts Besuch soll nur ein weiterer Schritt der sportartübergreifenden Kooperation sein. Beide Seiten haben schon nach den ersten Gesprächen gemerkt, dass sie davon profitieren können. Schierenbeck kündigt an: „Wir wollen auch in Zukunft regelmäßig voneinander lernen, werden auch noch mal zu Jan nach Halle fahren. Es geht ja auch darum, die voneinander übernommenen Maßnahmen zu überprüfen.“

et

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