Werder Bremen: Siege am laufenden Band und seidenen Faden

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Fünf Siege aus sieben Spielen - die Fans von Werder Bremen haben derzeit allen Grund zum Jubel.

Bremen - Am Sonntagabend dachte Klaus Allofs zurück an den Samstag. Weil es der Spielplan möglich gemacht hatte, konnte der Werder-Geschäftsführer in aller Gemütlichkeit den FC Bayern München bei dessen Siegeszug durch die Bundesliga beobachten. Allofs war hinterher einmal mehr beeindruckt. Das 3:0 über Bayer Leverkusen sei „total souverän“ gewesen, urteilte er.

23 Stunden später lieferte Werder Bremen gegen Hertha BSC zwar nicht das Gegenstück dazu, aber souverän konnte der 2:1-Erfolg über nur noch neun Gegenspieler gewiss nicht genannt werden.

Werder Bremen siegt gegen Hertha BSC

Werder siegt gegen Hertha BSC

Bis zur dritten Minute der Nachspielzeit hatte es gedauert, ehe Claudio Pizarro die „Berliner Mauer“ zum zweiten Mal durchbrochen hatte. Allofs führte in diesem Moment Freudentänze vor der Trainerbank auf, doch das lange Warten hatte natürlich an den Nerven gezerrt. „Es wäre schön, wenn man sich schon nach 30 Minuten genüsslich zurücklehnen könnte“, sagte der Sportdirektor und dachte dabei an Spitzenreiter Bayern, der nach eben diesen 30 Minuten gegen Leverkusen den Sieg bereits mit zwei Toren sicher auf den Weg gebracht hatte.

Nun ist es freilich so, dass jedes Spiel anders läuft und Quervergleiche heikel bis unseriös sind. Klaus Allofs wagte es dennoch, um aufzuzeigen, wo die Unterschiede zwischen dem Tabellenersten und dem Tabellenzweiten liegen. „Wir schaffen es noch nicht, so überzeugend aufzutreten, das bekommen wir noch nicht hin. Aber wir sind auch erst dabei, eine Mannschaft auf den Weg zu bringen.“

Die Einzelkritik

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Bei fünf Siegen aus sieben Partien ist die Punktebilanz allerdings so gut, dass der Eindruck entsteht, Werder könne die Bayern in einen Wettkampf um den Titel verwickeln. Ganz ausschließen mag auch Allofs diese Möglichkeit nicht, sagt aber: „Wir sollten einen kühlen Kopf bewahren und realistisch bleiben. Fast alle unsere Spiele waren aufregend, hingen aber am seidenen Faden und hätten auch ganz anders ausgehen können.“

Das Match gegen die durch die Gelb-Roten Karten für Christian Lell (57.) und Adrian Ramos (63.) dezimierten Berliner ist das jüngste und auch beste Beispiel dafür. Denn im Zeitraum zwischen den Platzverweisen und Pizarros Last-Minute-Tor hatten neun Berliner bessere Tormöglichkeiten als elf Bremer. Dass das nicht sein darf, war allen klar. Und Hertha-Trainer Markus Babbel war nicht zu widersprechen, als er die These vom verschenkten Sieg aufstellte: „Ich glaube, dass wir mit elf Mann die Möglichkeit gehabt hätten, das Spiel zu gewinnen.“

Weil aber auch im Fußball der Konjunktiv wertlos ist, durften sich am Ende die Bremer über die nächsten drei Zähler freuen, die eigene Moral loben („Die Mannschaft hat nie aufgehört, an den Sieg zu glauben“, so Trainer Thomas Schaaf) und sich weiter mit der aufgezwungenen Rolle des „Bayern-Jägers“ ausein-andersetzen. Schaaf tat dies mit einer eindeutigen Abwehrhaltung. „Wir bleiben gelassen“, sagte er: „Denn wir vergessen nicht so schnell, was in der vergangenen Saison passiert ist.“ Oder anders gesagt: Schaaf ist die rasante Wandlung vom Abstiegskandidaten zum Titelaspiranten sus-pekt.

Klaus Allofs’ Haltung ist insgesamt eine Spur offensiver. Er sieht sein Team sehr wohl im Kreis derer, die von einer Münchner Krise – so sie überhaupt jemals in dieser Saison eintreten sollte – profitieren könnten. „Es ist nicht nötig, jetzt die weiße Fahne hochzuziehen. Erfahrungsgemäß passiert immer etwas im Laufe einer Spielzeit. Und wenn es soweit ist, müssen die anderen da sein.“ · csa

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