Wer verlängert seinen auslaufenden Vertrag bei Werder – und wer wird den Verein verlassen?

Sieben Profis, sieben Perspektiven

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Sebastian Boenisch

Von Malte Rehnert · Bei Werder Bremen wird es im Sommer einen Umbruch geben – das hat Sportchef Klaus Allofs bereits angekündigt: „Die Mannschaft muss sich verändern.“ Wer kommen soll und wer gehen kann, ist aber weitestgehend noch offen.

Fest steht bisher nur, dass Verteidiger Petri Pasanen den Verein nach sieben Jahren ablösefrei verlässt. Es laufen allerdings noch sieben weitere Verträge aus, von denen Allofs gewiss nicht alle verlängern wird. Eine Übersicht inklusive Zukunfts-Prognose:

Torsten Frings (34)

Das entscheidende Gespräch mit Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Allofs steht noch aus. Der Kapitän tendiert aber klar dazu, seine Karriere zu beenden. „Ich werde 35 Jahre – ich möchte nicht mehr, es reicht“, hatte er Ende Februar gesagt. Woanders will er nicht mehr weiterspielen. Aber: In den vergangenen Wochen war zu erkennen, dass Frings den Spaß am Fußball wiederentdeckt hat. In der Hinrunde hatte er mehrfach lautstark mangelnde Einstellung und fehlenden Teamgeist beklagt, inzwischen scheinen die Bremer diese „Baustellen“ geschlossen zu haben. Fraglich, ob das für ein Umdenken reicht.

Prognose: Frings hört im Sommer auf, bleibt Werder aber in anderer Funktion erhalten. Dass er Trainer werden will, hat er bereits geäußert.

Zukunft bei Werder? Sieben Profi-Verträge laufen aus

Sieben auslaufende Profi-Verträge  

Daniel Jensen (31)

Schlechter kann die Ausgangslage für einen Spieler, der nur allzu gerne einen neuen Vertrag bekommen würde, nicht sein. Der Däne ist seit Mitte Januar (mal wieder) verletzt und kann sich bei den Verantwortlichen nicht empfehlen. Wie Naldo plagt sich auch Jensen mit einem Knochenödem im Knie herum. Anders als der Brasilianer will sich der Däne aber nicht operieren lassen. Derzeit wird er in der Heimat in Kopenhagen behandelt – wann er wieder spielen kann (und ob überhaupt noch mal für Werder), ist offen. „Er ist nicht in der besten Position“, urteilte Sportchef Allofs unlängst.

Prognose: Der Traum von Jensen, bei Werder doch noch einen neuen Vertrag zu bekommen, erfüllt sich nicht. Nach sieben Jahren ist im Sommer Schluss für den verletzungsanfälligen Mittelfeldmann.

Sebastian Boenisch (24)

Beim Linksverteidiger sieht’s ähnlich aus wie bei Jensen – er ist verletzt (Knie-OP). Boenisch fällt sogar mit Sicherheit noch mehrere Monate aus, kann in dieser Saison nicht mehr eingreifen. Und dennoch hat er wesentlich bessere Karten als sein Teamkollege. „Wir wollen uns kurzfristig zusammensetzen und die ganze Situation beleuchten. Wie sind die Prognosen, wie sieht er seine Rolle? Dass er auf jeden Fall bleibt, kann ich noch nicht sagen“, meinte Allofs, der Boenisch aber gerne halten würde – und der Spieler hat gerade erst betont, sich gut vorstellen zu können, „noch fünf, sechs, sieben Jahre in Bremen zu bleiben“.

Prognose: Boenisch verlängert. Gut möglich, dass noch in dieser Woche, wenn der Verteidiger seine Reha in Düsseldorf unterbricht und nach Bremen kommt, Einigung erzielt wird.

Dominik Schmidt (23)

Der Außenverteidiger hat laut Allofs „enorme Gehaltsvorstellungen“, die Werder nicht erfüllen will: „Dass die Auffassungen bei Vertragsgesprächen unterschiedlich sind, kommt mal vor. Aber hier gibt es, vermutlich vom Berater, eine völlige Fehleinschätzung – das sehen auch Thomas Schaaf und meine Kollegen aus der Geschäftsführung so.“ Schmidt will aber – wie er kürzlich klarstellte – nicht von seinen Forderungen abweichen: „Die Fakten liegen auf dem Tisch.“ Allofs hofft trotzdem noch auf den aus Werder-Sicht notwendigen "Sinneswandel" und hat dahingehend inzwischen auch Signale erkannt: „Es ist angedeutet worden, dass man noch mal reden kann.“

Eigentlich würde Werder mit Schmidt gerne verlängern. Allofs’ Urteil: „Er hat sich in einer schwierigen Phase positiv eingebracht, rangespielt und sehr viele Pluspunkte gesammelt.“ Und Schmidt – der auch wegen der großen Personalnot Ende der Hinrunde ins Team gekommen war und seine Aufgaben seither ordentlich erledigt – hat stets betont, sich in Bremen wohlzufühlen und gerne bleiben zu wollen.

Prognose: Wenn er das, was er verlangt, bei einem anderen Club problemlos bekommen würde, wäre der Abschied des Außenverteidigers wohl schon besiegelt. Vermutlich wird die Schmidt-Seite ihre Forderungen noch mal überdenken und zurückschrauben. Und dann gibt’s eine Zukunft bei Werder.

Jurica Vranjes (31)

Am 16. Mai 2009 absolvierte der Kroate sein letztes Pflichtspiel für Werder – es war eine 1:3-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC am 33. Spieltag. Zu Beginn der Saison 2009/2010 übte er erstmals deutliche Kritik an Schaaf und Allofs, klagte über unfaire Behandlung – und absolvierte in der Hinserie kein Spiel. Anfang 2010 wurde Vranjes für ein halbes Jahr an den türkischen Erstligisten Genclerbirligi ausgeliehen. Kurz vor seinem Abflug griff er Schaaf erneut heftig an. Im Sommer kam Vranjes zurück, wurde aber gleich in die U 23 geschickt. Dort trainiert der 31-Jährige, spielt aber nicht. Er wollte und will unbedingt weg, doch ein Wechsel ins Ausland – interessiert war unter anderem Hajduk Split aus seiner Heimat – zerschlug sich mehrfach.

Prognose: Vranjes ist am Saisonende weg – alles andere ist undenkbar.

Jose-Alex Ikeng (23)

In seiner noch jungen Karriere hat der Deutsch-Kameruner schon einiges erlebt – und vieles davon war negativ. Er hatte schon drei (!) Kreuzbandrisse – und danach stoppte ihn auch noch ein Knorpelschaden. Im Juli 2010 sorgte er für Aufsehen, weil er in Stuttgart in eine Disco-Schlägerei verwickelt war und verdächtigt wurde, diese ausgelöst zu haben. „Die Geschichte von damals ist nicht in die Richtung gegangen, die zu befürchten war“, sagte Allofs dazu lediglich. Seit einigen Wochen ist Ikeng für die Bremer U 23 am Ball, wurde bei seinen vier Spielen drei Mal eingewechselt. „Er ist noch nicht wieder der Alte“, urteilte Coach Thomas Wolter kurz nach dem Comeback des 23-Jährigen. Für die Profis spielt Ikeng laut Allofs „erst mal keine Rolle. Wir gucken jetzt, wie er sich macht.“

Prognose: Bei einem Angebot würde Werder Ikeng keine Steine in den Weg legen. Gibt’s keine Offerten, erhält er womöglich einen Einjahresvertrag und spielt weiter in der U 23, um sich dort empfehlen zu können.

Samuel (24)

Der im Winter verpflichtete Brasilianer stand noch kein einziges Mal im Bundesliga-kader, bestritt am vergangenen Freitag im Test beim Oberligisten BSV Rehden (1:0) sein erstes Spiel für Werder. Das war zwar ordentlich, dennoch bleibt fraglich, ob er Werder auch in der Liga weiterhelfen kann. Bis zum Sommer hat er noch Zeit, auf sich aufmerksam zu machen. Dann endet sein „verlängertes Probetraining“ (Allofs).

Prognose: Es sind nur noch sieben Spiele – und die Positionen, die Samuel spielen kann, besetzen derzeit Mikael Silvestre (Linksverteidiger) und wohl Petri Pasanen (Innenverteidiger). Möglich, dass ihm seine Vielseitigkeit zu Gute kommt und er als Abwehr-Backup weiterbeschäftigt wird. Wahrscheinlicher ist derzeit aber eine Trenung, zumal Werder im Defensivbereich verstärkt nach Neuen fahnden wird.

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