„Sie bekommen das in den Griff“

+
Marco Bode sieht bei Werder Probleme im Passspiel und Umschaltspiel und glaubt zudem, dass beim Thema Leidenschaft „noch Luft nach oben ist“. ·

Bremen - Auch Marco Bode ist enttäuscht, die aktuelle Situation des SV Werder Bremen gefällt dem Ex-Profi ganz und gar nicht. Als Aufsichtsrat kann der 44-Jährige seit gut einem Jahr mitgestalten und mitbestimmen.

Der in die Kritik geratene Trainer Robin Dutt steht für ihn nicht zur Diskussion – ebensowenig wie Sportchef Thomas Eichin. Im Interview erklärt Bode, warum er Dutt und Eichin vertraut und warum Fehler auch im Abstiegskampf erlaubt sein müssen.

Herr Bode, Sportchef Thomas Eichin hat erklärt, auch der Aufsichtsrat stehe voll hinter Trainer Robin Dutt. Stimmt das?

Marco Bode: Selbstverständlich stimmt das. Natürlich sind wir als Aufsichtsrat mit dem Rückrundenstart und der Gesamtsituation nicht zufrieden. Aber wir sind davon überzeugt, dass wir mit Robin Dutt und Thomas Eichin die richtige sportliche Führung haben. Sie werden das in den Griff bekommen.

Haben Sie im Aufsichtsrat über die Zukunft von Robin Dutt gesprochen?

Bode: Nein! Robin Dutt stand und steht im Aufsichtsrat nicht zur Diskussion.

Aber die Ergebnisse stimmen nicht. Robin Dutt ist seit der 1:5-Klatsche gegen Dortmund mit im Schnitt nur einem Punkt pro Spiel gemeinsam mit Aad de Mos der schlechteste Werder-Trainer in der Bundesliga-Geschichte.

Bode: Der Vergleich mit Aad de Mos ist doch absurd. Okay, de Mos hat es nach den vielen erfolgreichen Jahren von Otto Rehhagel nicht leicht gehabt. Aber er hat uns als Vize-Meister übernommen – und ist dann mit uns total abgestürzt. Da hatte Robin Dutt im Sommer nach der schwierigen Vorsaison ganz andere Voraussetzungen als Nachfolger von Thomas Schaaf. Außerdem sind Dutt und de Mos völlig unterschiedliche Typen, näher möchte ich darauf gar nicht eingehen.

Aber Robin Dutt ist im Sommer auch mit dem Ziel angetreten, die Mannschaft weiter zu entwickeln und besseren Fußball spielen zu lassen. Warum ist davon nichts zu sehen?

Bode: Ich gebe zu: Ich sehe auch noch keine nachhaltige Entwicklung. Robin Dutt hat ja selbst gesagt, dass er dachte, er wäre zu diesem Zeitpunkt schon weiter. Aber seine Aufgabe ist auch schwierig. Gleiches gilt für Thomas Eichin. Für beide ist es die erste richtige Saison bei Werder. In unserem Verein ist unheimlich viel in Bewegung, da muss sich vieles noch finden. Wir haben einfach keinen gewachsenen Kader.

Ist die Mannschaft zu schlecht für die Bundesliga?

Bode: Nein! Natürlich haben wir Schwierigkeiten, das ist ja nicht zu übersehen. Die Mannschaft hat zuletzt nicht überzeugt, aber sie hat Steigerungspotenzial. Sie ist gut genug, um sich da unten rauszukämpfen.

Wo genau sehen Sie die Probleme?

Bode: Zum Beispiel im Passspiel und im Umschaltspiel. Das hat sicher auch damit zu tun, dass sich die Mannschaft noch nicht gefunden hat und mit der schwierigen Situation nicht klarkommt. Es fehlt die absolute Geschlossenheit.

Ist es nicht die Aufgabe des Trainers, das hinzubekommen?

Bode: Ja, aber das können Trainer und Mannschaft nur zusammen schaffen. Wir als Aufsichtsrat können nur ruhig bleiben und Vertrauen schenken.

Sie könnten dem Trainer auch das Vertrauen entziehen und seine Entlassung forcieren.

Bode: Wir haben die sportliche Führung installiert und müssen nun auch das Vertrauen haben, dass es die richtige Entscheidung war. Es ist hier unsere Philosophie, dass wir totales Vertrauen schenken, so lange wir von den Betroffenen überzeugt sind. Und wir sind von Robin Dutt überzeugt. Ich gehe davon aus, dass Robin Dutt noch lange hier sein wird und seine Bilanz verbessern wird.

Traut sich der Aufsichtsrat nicht, seine eigene Entscheidung als falsch einzustufen und zu revidieren?

Bode: Totales Vertrauen heißt doch nicht, dass wir den Kopf in den Sand stecken und nichts mehr sehen und hören. Wir sind aufmerksam. Und wir haben mit der Trennung von Thomas Schaaf bewiesen, dass wir auch schwierige Entscheidungen treffen.

Andere Bundesligisten in ähnlicher Situation haben bereits die Reißleine gezogen und den Trainer entlassen.

Bode: Wir sind aber Werder Bremen und halten es für vernünftiger, langfristig Vertrauen zu schenken. Das ist sicher nicht die Regel in der Bundesliga. Glauben Sie mir, ich schaue nicht mit Freude auf die schlimmen Dinge, die nach dem letzten Spiel in Hamburg passiert sind.

Sie meinen die zum Teil sogar gewalttätigen Fan-Proteste. Passen sich in Bremen die Fans dem ruhigen Handeln der Cluboberen an?

Bode: Wir haben hier auf jeden Fall ein außergewöhnliches Publikum, das äußerst sensibel reagiert. Natürlich wird da auch gemeckert und geschimpft, aber trotzdem stehen fast alle hinter dem Verein. Dafür kann man nur dankbar sein. Das ist ganz wichtig in unserer Situation.

Was erwarten Sie jetzt?

Bode: Es kommt darauf an, die richtige Balance zu finden. Die Situation darf nicht unterschätzt werden, denn wir sind in akuter Gefahr, ganz nach unten zu rutschen. Aber das darf nicht dazu führen zu verkrampfen. Man muss Fehler zulassen, denn Fehler gehören zum Fußball dazu. Angst ist jetzt tödlich.

Also ist Robin Dutt als Psychologe gefragt – ist er ein guter?

Bode: So, wie ich ihn kennengelernt habe, gehe ich davon aus. Er hat genug Erfahrung – auch mit diesen Situationen. Aber es geht nicht nur um Psychologie. Man kann sich auch sehr viel im Training erarbeiten. Die Leidenschaft der Mannschaft war gegen Dortmund wesentlich besser als in Augsburg. Aber auch da ist noch Luft nach oben. · kni

Einzelkritik: Delaney lässt sein Potential aufblitzen

Einzelkritik: Delaney lässt sein Potential aufblitzen

Fieberhafte Suche nach Vermissten an verschüttetem Hotel

Fieberhafte Suche nach Vermissten an verschüttetem Hotel

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

BVB zurück auf Königsklassen-Kurs

BVB zurück auf Königsklassen-Kurs

Meistgelesene Artikel

Das große Pizarro-Rätsel: Startet er noch mal durch?

Das große Pizarro-Rätsel: Startet er noch mal durch?

Fritz: "Müssen uns über die Niederlage ärgern"

Fritz: "Müssen uns über die Niederlage ärgern"

Gnabry und Eilers für "Tor des Jahres" nominiert

Gnabry und Eilers für "Tor des Jahres" nominiert

Jetzt ist es fix: Sternberg wechselt doch nach Budapest

Jetzt ist es fix: Sternberg wechselt doch nach Budapest

Kommentare