Sidka über seinen Rauswurf bei Werder – und die Sache mit dem Teamgeist

„Damals hatte man nicht so viel Geduld“

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Erst vor wenigen Wochen war Wolfgang Sidka im Weserstadion – als Trainer beim Abschiedsspiel von Ailton.

Bremen - „Die Bilanz“, sagt Wolfgang Sidka und seufzt ein bisschen, „war nicht wirklich gut. Aber das hatte seine Gründe.“ Doch die konnten den Coach des SV Werder Bremen vor 16 Jahren nicht retten. Nach nur vier Punkten aus acht Spielen wurde Sidka gefeuert. „Damals hatte man nicht so viel Geduld“, erinnert sich der inzwischen 60-Jährige. Sein Nach-Nach-Nachfolger Robin Dutt hat da mehr Glück, er darf trotz eines ähnlich schlechten Starts und dem Sturz ans Tabellenende vorerst bleiben.

„Ich kann die Lage in Bremen nicht genau beurteilen, dafür bin ich in Berlin zu weit weg“, gesteht Sidka. Doch ihm ist in der Hauptstadt zumindest nicht entgangen, dass die Fans „phantastisch sind. Das Stadion ist immer voll. Die Bremer stehen voll hinter ihrer Mannschaft. Das hilft dir natürlich als Trainer. Früher war das nicht immer so.“

„Sidka-Raus-Rufe“ habe es aber auch nicht gegeben, ist sich Sidka sicher: „Doch die Medien haben ordentlich Druck gemacht. Klar, wenn ein Traditionsverein wie Werder ganz unten steht, dann sind sie alle da und machen ihre Geschichten.“ Letztlich sei der Vorstand eingeknickt, habe ihn trotz des 1:1 im Uefa-Pokal gegen das Starensemble von Olympique Marseille entlassen. „Ich habe das damals einfach akzeptiert, weil ich in den 29 Jahren immer loyal zu Werder gewesen bin“, berichtet der Coach und ärgert sich deshalb ein bisschen: „Ich hätte mich besser verkaufen müssen und auf die Probleme hinweisen sollen.“ Denn davon gab es reichlich.

Sidka hatte Werder in der Vorsaison in den Uefa-Cup geführt, aber plötzlich kaum noch Spieler. Der vom Vorstand versprochene Ailton, den Sidka in Brasilien entdeckt hatte, kam erst im Oktober. Kurzerhand wurde Hany Ramzy verkauft („Mein bester Abwehrspieler“). Und Leistungsträger wie Andreas Herzog, Jens Todt, Christian Brandt und Jurij Maximov fielen verletzungsbedingt aus. Im Tor hatte man sich für Nachwuchsmann Frank Rost als Nachfolger von Oliver Reck (wechselte zu Schalke) entschieden. „Das war auch richtig, aber am Anfang hatte Frank ganz schön Probleme, und wir haben viele Spiele knapp verloren“, hadert Sidka.

Seine Entlassung nimmt er den Verantwortlichen nicht übel: „Sie müssen so etwas entscheiden, dafür sind sie da.“ Deswegen sei es auch müßig darüber zu diskutieren, ob ein früher Trainerwechsel Sinn macht: „Da muss man jeden Fall einzeln sehen.“

Dass Werder nun wieder so weit unten steht, „das tut schon weh“, gesteht Sidka. Er sieht darin aber kein grundsätzliches Problem der Traditionsclubs: „Du musst einfach die richtigen Transfers machen und selbst gute junge Spieler ausbilden. Auf Dauer geht es nicht nur mit Teamgeist, du brauchst einfach Qualität.“

Sidka ist ständig auf der Suche danach: „Ich schaue viele Jugendspiele.“ Außerdem empfiehlt er den Blick nach Asien und Arabien, wo er als Trainer gearbeitet hat: „Man muss sich nur trauen, da sind schon einige richtig große Talente.“ Die er nur zu gerne in Deutschland trainieren würde: „Ich bin fit und bereit.“ Bis zum passenden Angebot schaut Sidka weiter viel Fußball und drückt Werder die Daumen: „Dieses Aushängeschild der Stadt Bremen darf einfach nicht absteigen.“ kni

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