Senatsbeschluss: Werder-Boss Filbry befürchtet weitreichende Konsequenzen

„Der Bremer Plan ist nicht bis zum Ende durchdacht“

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Werder-Boss Klaus Filbry (Bild) konterte sofort die Vorwürfe von SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe: „Von Erpressung zu reden, ist die Krönung dieses Vorgehens.“

Der Beschluss des Bremer Senats, die Deutsche Fußball-Liga (DFL) an Polizeieinsätzen bei Risiko-Heimspielen von Werder Bremen zu beteiligen, schlägt immer höhere Wellen. Gestern nahm der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Bremen das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Gibraltar am 14. November weg und verlegte es nach Nürnberg. Die Reaktionen auf die Gesetzoffensive sind völlig unterschiedlich (siehe links). Auch Klaus Filbry hat dazu eine klare Meinung. Der Werder-Boss sprach gestern im Zillertal über die Folgen, die Sorgen der Bremer Polizei und das zukünftige Verhältnis zur Politik.

Herr Filbry, wie haben Sie von der Entscheidung, Werder das Länderspiel gegen Gibraltar wegzunehmen, erfahren?

Klaus Filbry: Christian Seifert (DFL-Geschäftsführer und DFB-Vizepräsident, Anm. d. Red.) hat mich direkt nach dem Ende der Sitzung gegen 13 Uhr angerufen und über die einstimmige Entscheidung des DFB-Präsidiums informiert.

Wie haben Sie reagiert?

Filbry: Es hat mich nicht überrascht. Ich habe ja schon betont, dass es eine nachvollziehbare Entscheidung ist. Und eine Entscheidung die Bremen, den Fans in Bremen und Werder sehr wehtut. Eine Entscheidung, die zustandegekommen ist wegen des Ausscherens der Bremer Politik aus der Solidargemeinschaft der Innenministerkonferenz. Es gibt klare Absprachen, die 2012 zwischen Politik und Sport getroffen wurden.

Wie sehen die aus?

Filbry: Es gibt einen Zehn-Punkte-Plan, der unter anderem Gewältprävention und täterorientierte Aufklärung als Schwerpunkte setzte und das Thema Übernahme von Polizeikosten ausschloss. Allein Werder hat im Sinne dieses Zehn-Punkte Plans Ausgaben im siebenstelligen Bereich getätigt, um hier entsprechend zu arbeiten. Ich glaube, Werder ist derjenige Verein in der Bundesliga, der das am vorbildlichsten umsetzt. Im Mai wurde dem Sport auf der Innenministerkonferenz noch mal signalisiert, dass vorbildlich gearbeitet wird, der Sport sich zu 100 Prozent an die Absprachen gehalten hat – vor diesem Hintergrund ist die heftige Reaktion der Vereine und Verbände absolut nachvollziehbar.

Was hat der DFB-Entschluss für Folgen für Bremen und Werder?

Filbry: Es schmerzt emotional, aber natürlich auch finanziell. Allein das Länderspiel gegen Gibraltar war mit 600 000 Euro für Werder Bremen und die Weserstadion GmbH budgetiert. Diese Einnahmen haben wir jetzt nicht mehr. Auch die Bremer Tourismusbranche wird sehr traurig sein, weil sie Umsatzeinbußen hat. Das Schlimmste ist, dass sich die Menschen in Bremen auf diese Großveranstaltung gefreut haben. Sie wollten die Weltmeistermannschaft sehen – das können sie jetzt nicht mehr.

Der Bremer SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe griff den Sport und den DFB scharf an und sprach vom Versuch „eine demokratisch legitimierte Regierung und ein frei gewähltes Parlament mit dem Entzug von Sportveranstaltungen erpressen zu wollen“. Was sagen Sie dazu?

Filbry: Das muss ich entschieden zurückweisen. Es gibt, wie gesagt, deutliche Absprachen zwischen dem Sport und der Innenministerkonferenz. Und Bremen ist jetzt das einzige von 16 Bundesländern, das einfach mal entscheidet, sich nicht daran halten zu wollen – aber die Leistungen des SV Werder im Rahmen des Zehn-Punkte-Plans gerne mitgenommen hat. Von Erpressung zu reden, ist dabei die Krönung dieses Vorgehens.

Wenn die DFL künftig die Mehrkosten übernehmen muss und letztlich auf Werder überträgt: Könnten Sie dann als Verein, der die „Zeche“ zahlt, bestimmen, wie viele Polizeikräfte bei Risikospielen eingesetzt werden?

Filbry: Das ist etwas hypothetisch, aber durchaus eine große Sorge der Polizeigewerkschaft in Bremen. Dass derjenige, der bezahlt, sich einmischen wird, Einfluss nehmen will. Und das ist sicher nicht im Sinne einer Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit. Außerdem muss man das Ganze auch weiterdenken. Was, wenn das Gesetz irgendwann umgesetzt wird und Schule macht? Was, wenn es nicht mehr um Spiele der DFL geht, sondern um internationale? Wie reagiert dann die Uefa? Was ist dann mit anderen Großereignissen wie dem Freimarkt oder dem Karneval in Köln und Düsseldorf? Alle diese Themen wären von diesem Gesetzentwurf betroffen. Das hätte signifikante Auswirkungen. Dann würden noch ganz andere Debatten losgetreten. Ich denke, der Bremer Plan ist nicht bis zum Ende durchdacht.

Befürchten Sie künftig einen schlechteren Draht zu DFL und DFB?

Filbry: Überhaupt nicht – auch zur Stadt Bremen nicht. Wir arbeiten sowohl mit DFB und DFL als auch mit unseren Ansprechpartnern auf städtischer Ebene hervorragend zusammen. Heiner Heseler (Bremer Wirtschafts-Staatsrat, Anm. d. Red.) sitzt mit mir im Aufsichtsrat der BWS (Bremer Weserstadion GmbH), der auch mit sechs Politikvertretern besetzt ist.

Herrscht denn jetzt erstmal Eiszeit zwischen Werder und dem Bremer Senat?

Filbry: Nein. Wir werden versuchen, hinter den Kulissen den Dialog aufzunehmen. Und versuchen zu verstehen, warum sich Bremen hier in Form von Herrn Mäurer als Innensenator und der SPD-Fraktion nicht an den gemeinsamen Beschluss der Innenministerkonferenz hält. Wir wissen, dass es im Senat auch andere Meinungen gibt. Und wir werden versuchen, Leute vom Gegenteil zu überzeugen. Ob es gelingt, kann ich im Moment nicht beurteilen.

mr

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