Gegen Funchal geht’s rund: Schonung für die einen, eine Chance für die anderen

Sechs raus, sechs rein? Schaafs große Rotation

Von Carsten Sander · Am Ende des Gesprächs wird der Ton eindringlich. „Wirklich, ich weiß noch nicht, was ich machen werde“, sagt Thomas Schaaf. Das, was er in den vergangenen beiden Tagen auf dem Trainingsplatz an Planspielen offenbart hatte, sei noch nicht der Abschluss aller Überlegungen. Aber wer den Trainer von Werder Bremen und seine Methoden kennt, weiß, dass die angedeutete Rotation mehr als nur ein Versuchsballon ist.

Für das Europa-League-Heimspiel gegen Nacional Funchal morgen (19.00 Uhr/Sky live) denkt Schaaf ernsthaft über sechs Veränderungen in der Startelf nach. Der Coach wirbelt das Team durcheinander.

Das macht er sonst nie. Oder wenn, dann nur auf ein, zwei Positionen. Doch diesmal hat er Mesut Özil, Naldo, Sebastian Boenisch, Marko Marin, Hugo Almeida und Philipp Bargfrede auf die Können-geschont-werden-Liste gesetzt. Daniel Jensen, Sebastian Prödl, Peter Niemeyer, Petri Pasanen sowie das Sturm-Duo Markus Rosenberg und Marcelo Moreno würden ins Team rücken.

Ist das nun gewagt oder schlau? Torhüter Tim Wiese hält es für ein Risiko und sieht die Serie von 21 Spielen ohne Niederlage gefährdet. „Wir haben eigentlich ein eingespieltes Team und sollten das nutzen, um unsere Serie bis zur Winterpause auszubauen. So eine Rotation birgt Gefahren.“

Eine davon könnte sein, dass die Partie gegen die Portugiesen nicht mehr ernst genommen wird. Zumal die sportliche Bedeutung für Werder nicht die allergrößte ist. Die Bremer stehen bereits sicher in der K.o.-Runde, in den letzten beiden Gruppenspielen geht es „nur“ noch um den Gruppensieg. Der könnte schon morgen sichergestellt werden (bei einem eigenen Sieg und höchstens einem Remis von Athletic Bilbao bei Austria Wien) oder aber am 16. Dezember, wenn Werder in Bilbao gastiert.

Zwei Versuche, aber zu verschenken hat das Team im ersten dennoch nichts. Das macht Schaaf klar und nennt das oberste aller Kriterien, nach denen er sich entscheidet: „Es gilt immer das Ziel, erfolgreich zu sein.“

Wenn’s möglich ist, gerne auch mal ohne einen Mesut Özil. Und ohne einen Naldo. Bei letzterem „schlummert etwas an der Leiste“, sagt Schaaf. Soll heißen: Der Brasilianer hat immer wieder Probleme. Ihn draußen zu lassen und durch Sebastian Prödl zu ersetzen, wäre gewissermaßen auch eine Präventivmaßnahme für die restlichen Spiele bis Weihnachten. Und bei Özil habe man zuletzt erkennen können, „dass er in dieser Saison schon eine große Belastung hatte“, so der Trainer. Sprich: Der neue Mittelfeldstar ist müde – was er auf Nachfrage auch mit einem Nicken bestätigt. Also auf die Bank mit dem Burschen, Daniel Jensen wartet schon.

Wie überhaupt: Die Nachrücker freuen sich über die Rotation. Jensen: „Jetzt ist die Gelegenheit da, auch mal andere zu bringen.“ Und Sebastian Prödl verspricht, dass die Rotation das Team nicht aus der Erfolgsspur werfen wird: „Es wird doch jeder zeigen wollen, dass er bereit ist für die Startelf. Außerdem hat der Trainer ein gutes Gespür, wann er welchen Spieler bringen kann. Er stellt ja nicht so auf, dass die Mannschaft verlieren muss.“

Sollte man hoffen. Schaaf geht mit der Sechs-raus-sechs-rein-Methode letztlich auch seinem Auftrag nach, alle Spieler in Form zu bringen. „Ich muss“, erklärt der Coach, „auch die, die sonst nicht so viel spielen, in Bereitschaft halten. Schließlich gibt es auch immer wieder Ausfälle.“ Deshalb heißt Per Mertesacker den Rotationsplan seines Chefs auch grundsätzlich gut: „Eine Mannschaft besteht nicht nur aus elf Spielern. Wir brauchen die ganze Palette.“

Dass Thomas Schaaf morgen eventuell zwar nicht alle, aber doch einen Großteil der Veränderungsmöglichkeiten ausschöpft, wird wohl selbst Geschäftsführer Klaus Allofs überraschen. Er hatte sich am Wochenende nach dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg noch festgelegt, dass es gegen Nacional Funchal keine Rotation geben wird. „Das gehört nicht zu den Gepflogenheiten des Trainers“, hatte er gesagt.

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