DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Ich musste auch schnell schwimmen lernen“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs.

Am Sonntag steht Werder in Leverkusen vor einem richtungsweisenden Spiel: Wenn dort zumindest ein Punkt erreicht wird oder sogar ein Sieg gelingt, dann lebt der Traum von Europa, und Werder würde auf Schlagdistanz an Bayer heranrücken.

Einer, der keine guten Erinnerungen an Leverkusen hat, ist mein Landsmann Marco Friedl. Im Herbst ist der Leihspieler von Bayern München gegen die Bayer-Elf in die Startaufstellung gerutscht und wurde beim 2:6-Debakel nach 45 Minuten ausgewechselt. Seither durfte er nur noch ein weiteres Spiel bestreiten. Ich kann mich noch an das 2:6 erinnern – damals hat die ganze Mannschaft nicht funktioniert, und Marco hat von seinen Kollegen zu wenig Unterstützung bekommen. Wenn so ein Resultat passiert, sagt man bei einem jungen Spieler oft, er sei noch nicht so weit und brauche noch Zeit.

Ich habe über Friedl nur gute Dinge gehört. Er ist ein wichtiger Teil der österreichischen U21-Nationalmannschaft, die sich für die Endrunde der EM 2019 in Italien qualifiziert hat, wo es ja auch gegen Deutschland geht. Ich denke, er hat dieses Spiel gegen Leverkusen längst verkraftet – und Rückschläge gehören zur Entwicklung eines jungen Profis nun mal dazu. Aber wie ich die Verantwortlichen bei Werder kenne, werden sie Marco nicht aufgrund eines schlechten Spiels beurteilen und ihn weiter fördern. Talentierte Spieler mit einem starken linken Fuß gibt es ja nicht so viele.

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Durch die Ausfälle in der Abwehr ist es sehr wahrscheinlich, dass Friedl am Sonntag die Chance bekommt, sich wieder zu präsentieren, und ich hoffe sehr, dass er sein Potenzial zeigen kann. Ich selbst wurde bei Werder ganz am Anfang auch nach Verletzungen von Per Mertesacker oder Naldo ins kalte Wasser geworfen und musste schnell schwimmen lernen. Aber man kann das nicht vergleichen, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon A-Nationalspieler war und die EM 2008 hinter mir hatte.

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Aber zurück in die Gegenwart: Beim Tor von Martin Harnik am Freitag gegen Schalke habe ich meine Finger im Spiel gehabt. Wir haben vorher telefoniert, und ich habe ihm prophezeit, dass er treffen wird. Da hat sich wieder gezeigt, dass Martin mit seiner Schnelligkeit beim Umschalten für Werder ganz wichtig ist. Auch für mich geht’s sportlich wieder aufwärts: Nach einer schwierigen Saison mit Verletzungen und ohne das Vertrauen des Trainers, wurde ich von Österreichs Teamchef Franco Foda in den Kader für die EM-Qualispiele gegen Polen und in Israel berufen. Nach so einem Lichtblick habe ich mich gesehnt, das gibt mir großen Auftrieb.

Sebastian Prödl

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der 31-jährige Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League. Prödl ist Nationalspieler – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

Quelle: DeichStube

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