Neuzugang stellt sich vor

Langkamp: „Jetzt kann‘s richtig losgehen“

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Sebastian Langkamp ist nicht zu Werder Bremen gekommen, um zuzuschauen. „Ich habe den Anspruch, Stammspieler zu sein“, sagt er.

Bremen - Das Pflaster auf der linken Hand ist stummer Zeuge, wie tief Sebastian Langkamp (30) schon in das Leben als Werder-Profi eingetaucht ist. Denn es verdeckt eine Wunde, die sich der 30-Jährige beim Jubeln zugezogen hatte.

Auf Schalke war's, und nachdem Langkamp den Last-Minute-Siegtreffer mit den Kollegen gefeiert hatte, als hätte er schon immer Grün und Weiß getragen, war da plötzlich Blut, viel Blut. Eine Schnittwunde hatte er sich zugezogen. Wie? „Wir werten noch die Videobilder aus, wie es passieren konnte“, lacht der Bremer Neuzugang und startet damit in eine Medienrunde, in der er einiges verrät.

Zum Beispiel, dass es ihm nicht reicht, nur Fußballer zu sein. Und dass er nicht von Hertha BSC weggegangen ist, um sich bei Werder auf die Bank zu setzen. „Ich habe den Anspruch, Stammspieler zu sein“, sagt der Innenverteidiger und bezieht auch zu anderen Themen Stellung.

Sebastian Langkamp über...

... den Blitz-Wechsel

Am 27. Januar saß er noch auf der Bank der Hertha, als die im Weserstadion ein 0:0 ertrotzte. Von einer Zukunft in Bremen wusste er an dem Tag noch nichts, beteuert Langkamp. Vier Tage später wurde er aber schon als Werder-Neuzugang vorgestellt. Ein Blitz-Wechsel. „Aber eine Kurzschluss-Reaktion war es nicht“, sagt er. Sondern? „Es war eine Entwicklung über ein paar Wochen, die mich zum Nachdenken bewogen hat. Dann gab es das Spiel in Bremen, in dem ich nicht mehr eingewechselt wurde. Für mich war das mehr als ein Fingerzeig. Spätestens da habe ich mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen kann.“

Werder fragte an, mit Hertha besprach er „offen und ehrlich“ alle Optionen und beschloss zu gehen – nach viereinhalb Jahren in Berlin und trotz eines Vertrags bis 2019. „So ein abruptes Ende“, gibt Langkamp zu, „kannte ich nicht.“ Binnen 36 Stunden musste er sich entscheiden. Den Ausschlag gaben ein gutes Telefonat mit Trainer Florian Kohfeldt und eine Pro-und-Contra-Liste auf der „deutlich mehr Pros“ standen.

Sebastian Langkamp ist Sebastian Langkamp: „Ich habe immer versucht, so zu sein, wie ich bin.“

... seine Ambitionen

Weg von Hertha, weil die Perspektive die Ersatzbank war. Hin zu Werder, wo nun was passiert? Langkamp sagt es so: „Es ist nicht meine Interpretation eines Vereinswechsels, dass ich von Bank zu Bank springe. Dafür bin ich noch zu jung.“ Zudem habe ihm Coach Kohfeldt auch nicht gesagt: „Basti, wir verpflichten dich für die Bank. Dann hätte ich auch aufgelegt.“ Langkamps Ambitionen sind ganz klar: Er will mit Milos Veljkovic und Niklas Moisander in den Kampf um einen der beiden Plätze in der Innenverteidigung gehen.

„Ich habe den Anspruch, Stammspieler zu sein. Es ist für mich der richtige Schritt gewesen, zu Werder zu wechseln. Ich sehe hier eine größere Chance zu spielen.“ Als Backup will er sich nicht bezeichnen lassen: „Ich bin kein Nachrücker, ich bin ein Bewerber für die ersten Plätze. Ich gehe schon davon aus, dass ich in Zukunft auf meine Einsätze kommen werde.“ Aufgrund seines Alters käme er auch für eine Führungsrolle im Team infrage. Doch das sei noch weit weg: „Da muss man innerhalb einer Mannschaft reinwachsen.“

... seine Eingewöhnung

Basti Langkamp kam, und Werder spielte eine Englische Woche mit Spielen auf Schalke und Leverkusen. Heißt: Viel unterwegs, viel Zeit in Hotels. „Das war ganz gut, so habe ich die Kollegen schnell kennenlernen können. Da sind schon gute Jungs dabei, die haben es mir leicht gemacht. Und ich weiß jetzt schon so ungefähr, wer auf einer Humorwelle mit mir ist.“

Sportlich hat es bislang nur zu Kurzeinsätzen gereicht. Ein paar Sekunden gegen Schalke, ein paar Minuten gegen Leverkusen, danach nur Zuschauer gegen Wolfsburg. „Ich konnte auch nicht davon ausgehen, dass ich sofort in die Startelf rutsche“, meint der 1,91 Meter große Verteidiger, „aber ich fühle mich mittlerweile ganz gut angekommen. Jetzt kann's richtig losgehen. Ich glaube, dass ich in naher Zukunft eine Option sein kann.“

... den Abstiegskampf

Mit dem FC Augsburg hat er dringesteckt, mit Hertha BSC auch mal – es ist also davon auszugehen, dass Sebastian Langkamp weiß, wie Abstiegskampf geht. Gelernt hat er vor allem eins: Sei dir nie sicher! Und diese Botschaft sendet er aktuell hinaus ins Werder-Umfeld. Denn in den wenigen Tagen, die er in Bremen ist, meint er gespürt zu haben, „dass rund um den Verein ein bisschen das Gefühl herrscht: ,Jetzt haben wir gewonnen, jetzt sind wir raus aus dem Abstiegskampf.' Aber das ist ja völliger Käse. Ich glaube, dass es ein Schneckenrennen bis zum Ende sein wird“, sagt der ehemalige U21-Nationalspieler.

Zur Verdeutlichung erinnert er an die Saison 2014/15, als die Hertha fünf Spieltage sieben Punkte Vorsprung aufwies, am Ende aber nur aufgrund der Tordifferenz die Relegation vermied. Dass die Mannschaft in Versuchung geraten könnte, die Situation nach sieben Punkten aus den letzten drei Spielen plötzlich zu leicht nehmen, ist allerdings nicht Langkamps Sorge: „Es ist oft ein Denkfehler des Menschen, dass er sich nach guten Ergebnissen zurücklehnt. Aber diese Mentalität gibt es hier nicht. Jeder im Team weiß Bescheid, was Sache ist.“

Ach ja, sollte die Mission Klassenerhalt mit Werder wider Erwarten scheitern, wäre Langkamp auch einer für Liga zwei. Klare Aussage: „Ich habe einen Zweieinhalbjahresvertrag unterschrieben, und der gilt auch für die Zweite Liga.“

... sein Auftreten

Wie Clemens Fritz – nur in groß! So hat die DeichStube Sebastian Langkamp nach dessen Vorstellung bei Werder beschrieben. Selbstsicher tritt er auf, aber nicht arrogant. Humorvoll und intelligent ist er, das bleibt nicht lange verborgen. Zudem sei er ganz sicher nicht gekünstelt oder verstellt, sagt er. Sebastian Langkamp gibt es nur als Sebastian Langkamp. Ohne Abweichungen. „Mir hat mal jemand gesagt: Im Fußball ist es nicht wichtig, wer du bist, sondern was andere denken, wer du bist. Ich habe das aber nie so eingehalten, sondern habe immer versucht, so zu sein, wie ich bin“, erklärt er.

... Soziale Medien

Instagram, Twitter, Facebook – „mich findet ihr da nicht“, sagt Sebastian Langkamp und führt danach aus, warum er die Aufenthalte in Sozialen Medien als Verschwendung von Lebenszeit hält: „Es ist mir nicht spannend genug, um zu sagen: Okay, die möchte ich nutzen. Ich verbringe meine freie Zeit lieber anders. Ich möchte generell meinen Horizont erweitern. Ob es Fremdsprachen sind, andere Kulturen, Ideen, Menschen, Reisen. Ich möchte ausprobieren, was mich glücklich macht.“

Sebastian Langkamp in seinem neuen Wohnzimmer: dem Weserstadion.

... über Nils Petersen

Es könnte ein spannendes Duell werden am Samstag, wenn Sebastian Langkamp denn spielen würde. Er würde auf Freiburgs Stürmer Nils Petersen treffen – und dem will Langkamp noch 'was erzählen. Petersens vor einigen Wochen getätigte Aussagen, dass er als Fußball-Profi „seit zehn Jahren verblöde“, haben dem Neu-Bremer nicht gefallen. „Sie helfen einem nicht, aus dieser Fußballer-Schublade herauszukommen“, erklärt Langkamp und bittet Petersen mit einem Augenzwinkern zwar nicht in den Lesekreis, aber zum Gespräch: „Vielleicht kann ich da am Samstag noch in Ruhe ein Wörtchen mit ihm drüber reden.“

... die Karriere danach

30 Jahre alt ist Sebastian Langkamp vor kurzem geworden. Ein paar Jährchen wird die Fußballer-Laufbahn zwar noch dauern, aber langsam wird es trotzdem Zeit, die Karriere nach der Karriere zu planen. Erste Pflöcke hat er sogar schon eingeschlagen, besitzt gemeinsam mit seinem Bruder Matthias, 33, ehemals Bundesliga-Profi bei Arminia Bielefeld, eine Finca-Vermittlung auf Mallorca.

„Das ist schon etwas, das uns Spaß macht. Vor allem lässt sich Arbeit mit Freizeit verbinden, das ist echt schön“, sagt der jüngere der beiden Brüder. Mallorca liebt er nach etlichen Urlauben zwar heiß und innig, Spanisch lernt er auch fleißig, „mein Lebensmittelpunkt soll die Insel aber nicht werden“, sagt Langkamp. Er hat „ein, zwei andere Ideen“, was er nach dem Fußball machen kann, „aber fixiert ist noch nichts“.

... über Florian Kohfeldt

Es wird sicherlich niemanden überraschen, dass Sebastian Langkamp positiv über Florian Kohfeldt, seinen neuen Trainer spricht. Aber klingt da nicht auch ein bisschen Kritik an seinen bisherigen Coaches durch? „Sehr, sehr authentisch“, sei Kohfeldt bei seiner Arbeit, so Langkamp. Und weiter: „Fachlich, das muss ich echt sagen, habe ich in den letzten Jahren wenige Trainer erlebt, die auf diesem Niveau waren. Dazu hat Florian Kohfeldt auch eine sehr große menschliche Komponente. Dieser Mix macht es dann aus.“

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Quelle: DeichStube

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