Der schwierige Weg eines Jung-Profis und eine „schöne Mittagspause“ / „Ich will mich hier durchsetzen“

Busch lacht nicht mehr, fühlt sich aber sicherer

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Marnon Busch war anzusehen, dass keine einfache Zeit hinter ihm liegt.

Bremen - Diese jungen Spieler haben es wahrlich nicht leicht. Vor knapp einem Jahr stand Marnon Busch in den Katakomben des Weserstadions vor den Journalisten und brillierte als pfiffiger Jung-Profi.

Zur Belohnung für seinen Sprung in die Bundesliga-Startelf habe er sich eine Winterjacke gegönnt, „wird ja jetzt kalt draußen“, scherzte er Anfang Oktober 2014 und grinste über das ganze Gesicht.

Gestern gab es an der gleichen Stelle keinen lachenden Busch, sondern einen hochkonzentrierten, nervös nach den richtigen Worten suchenden 20-Jährigen. Denn es ist viel passiert, Busch von seinem zehnten Bundesliga-Einsatz weit entfernt.

„Fußball ist ein hartes Geschäft“, sagt der rechte Verteidiger mit Bezug auf die Vorbereitung. Ins zweite Trainingslager durfte er nicht mehr mit, Coach Viktor Skripnik entschied sich auf der rechten Abwehrseite für den tschechischen Nationalspieler Theodor Gebre Selassie und Nachwuchsmann Luca Zander. „Das war nicht einfach für mich“, erinnert sich Busch. Doch Selbstzweifel sind Gift für einen Profi. Also habe er sich kurz Gedanken gemacht, woran es liegen kann und angefangen, „diese Dinge auszumerzen“. Worum es genau geht, das ist sein Betriebsgeheimnis. Aber es gibt schon erste Erfolge zu vermelden: „Ich fühle mich sicherer auf dem Platz – im Training und im Spiel.“

Dabei hilft ihm ein vermeintlicher Abstieg. Busch spielt wieder in der zweiten Mannschaft, wo ihn Robin Dutt vor einem Jahr entdeckt hat. Nach dem Aufstieg immerhin in der Dritten Liga, die Busch eine „große Plattform“ nennt und als Chance und nicht als Bestrafung ansieht. Ein Wechsel kam für ihn nicht in Frage. „Ich habe fast mein ganzes Leben für Werder gespielt, ich will mich hier durchsetzen, davon lasse ich auch nicht so schnell ab“, sagt Busch, der vor acht Jahren aus Stade zu Werder kam und noch bis 2018 unter Vertrag steht.

Es wirkt alles wohl überlegt, die Sätze ein bisschen einstudiert. Das ist nachvollziehbar. So oft hat Busch noch nicht vor mehreren Journalisten gestanden. Und diesmal steht er auch nicht in der Pole Position wie vor knapp einem Jahr, sondern muss quasi aus der Boxengasse starten und den Anschluss finden. Busch fährt zwar vorsichtig, kommt aber unbeschadet ins Ziel – vor allem hat er sich loyal gegenüber seinem Arbeitgeber gezeigt. Das ist wichtig, öffentlicher Unmut wird gerade von jungen Spielern nicht gerne gehört. Dann lieber Sätze wie: „Wenn man mich braucht, werde ich da sein.“ Es ist der Schlusssatz von Busch. Vor der schreibenden Zunft. Jetzt ist noch das Fernsehen dran, erst öffentlich-rechtlich, dann noch vereinseigen. „Schöne Mittagspause“, seufzt Busch. Vor einem Jahr hätte er das ernst gemeint. Aber junge Spieler haben es eben wahrlich nicht leicht.

kni

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