Klaus Filbry als neuer Werder-Geschäftsführer vorgestellt / Wertkonservativer Marketing-Fachmann

Der Schwiegersohn ist da

Werder-Bremen - Von Carsten SanderBREMEN · Die erste Entscheidung wurde dem neuen Entscheidungsträger abgenommen. Wohin er sich setzen soll? In die Mitte natürlich. Denn dort ist ab sofort sein Platz. Im Zentrum Werder Bremens. Klaus Filbry, Nachfolger von Manfred Müller in der Geschäftsführung des Fußball-Bundesligisten, wurde gestern offiziell vorgestellt.

Er kam im dunklen Anzug, dazu ein graues Hemd. Die grüne Werder-Krawatte fehlte noch. Was daran liegen mag, dass der 42-Jährige noch nicht „eingekleidet“ ist. Sein Dienst bei Werder beginnt ja auch erst im neuen Jahr, bis vor zwei Wochen war Klaus Filbry noch einer der Top-Manager bei adidas. Den Job hat er gekündigt – für Werder. Er sagt, es sei „eine leichte Entscheidung“ gewesen: „Nach 16 Jahren bei adidas nehme ich die Herausforderung in Bremen an.“

Herausforderung? Worin die besteht, formuliert Filbry vorsichtig. Zunächst geht es ihm darum, die „gute Arbeit, die gemacht wurde,“ fortzuführen. „Auf jeden Fall wird die Linie, kaufmännisch solide zu wirtschaften, beibehalten“, meint er. Darüberhinaus soll er das erfüllen, weshalb Werder ihn, den „ausgeprägten Marketing-Experten“ (Aufsichtsrat Dr. Hubertus Hess-Grunewald), gesucht, gefunden und geholt hat. „Es geht darum, die Marke Werder Bremen auch international noch bekannter zu machen und an der Schärfung des Marken-Profils zu feilen. Da sehe ich Optimierungsmöglichkeiten“, erklärt der gebürtige Münsteraner, der sich nach einem Studium in den USA und England bei adidas hochgearbeitet hatte. Vom Assistenten der Geschäftsführung zum Vize-Präsidenten der Abteilung Fußball-Marketing. Weltweit war er tätig, hat Verträge mit der FIFA und UEFA (inklusive Champions League) ausgehandelt, hat mit Top-Vereinen wie Real Madrid und dem FC Chelsea Ausrüsterverträge geschlossen. Der Mann weiß, wie’s läuft – jedenfalls auf seinem bisherigen Gebiet.

In einem Verein zu arbeiten, bringt Veränderungen. Zumal sich Klaus Filbrys Aufgabengebiet nicht nur auf das Marketing beschränkt. Management und Finanzen gehören auch dazu. Neuland? Ja, ein bisschen. Aber Dr. Hubertus Hess-Grunewald, stellvertretender Vorsitzender des Werder-Aufsichtsrates, ist sich sicher, dass der dritte Klaus in der Geschäftsführung (neben Klaus Allofs und Klaus-Dieter Fischer) die Aufgaben meistern wird. „Er kann auch Finanzen“, sagte Hess-Grunewald mit einem Lachen und stellte klar, nach welchen Kriterien der Personalrat – bestehend aus den Aufsichtsräten Willi Lemke, Dr. Werner Brinker und Hess-Grunewald – aus „einem erlesenen Kandidatenkreis“ letztlich Klaus Filbry erwählten: „Wir wollten nicht nur Manfred Müller in einer jüngeren Version, sondern einen Fachmann, der auch international vernetzt ist und eine hohe Affinität für den Fußball besitzt.“

Filbry bietet alles. Im Ausland hat er studiert, im Ausland hat er gearbeitet. Und Fußballspielen kann er auch. In den USA erhielt er ein Fußball-Stipendium, „so habe ich mir mein Studium finanziert“, erzählt er. In England spielte er später gar beim derzeitigen Premier-League-Club Wigan Athletic, der damals aber noch in Liga drei zu Hause war. Außerdem waren Jahn Forchheim und der 1. FC Nürnberg II in der Bayern-Liga zwei Deutschland-Stationen, einen Trainer-B-Schein hat er auch. Fußball-Sachverstand ist also gegeben. Heute kickt der dreifache Familienvater immer noch – „einen wertkonservativen Libero“, wie er sagt.

Wertkonservativ – das kommt bei Werder gut an. Zwischenmenschlich passe es, erklärte Hess-Grunewald und plauderte über den Moment, als die Entscheidung für Klaus Filbry fiel. Acht bis zehn Bewerber, die ein renommierter Berliner Personalentwickler (neudeutsch auch „Headhunter“ genannt) für Werder gefunden hatte, waren zum Gespräch eingeladen. „Bei Klaus Filbry haben wir uns aber einfach nur angeguckt und gesagt: Der isses!“, so Hess-Grunewald.

Das war vor knapp einem halben Jahr. Nun steht der Dienstantritt kurz bevor – es wird ein Start bei Null. Filbry: „Bisher hatte ich noch nicht viel Zeit, mich in das Thema Werder Bremen einzuarbeiten.“ Schließlich habe er bis zum Schluss „hundertprozentig für adidas gearbeitet“. Und drei Kinder nehmen eben auch Zeit in Anspruch, grinst der künftige Geschäftsführer.

Seine Zeit wird künftig noch knapper bemessen sein. Denn Klaus Filbry hat nun nicht nur eine, sondern zwei Familien. Die Werder-Familie hat ihn aufgenommen. In welcher Stellung eigentlich, wurde Filbry gefragt. Vielleicht in der des Schwiegersohns? „Interessante Frage, ja, Schwiegersohn klingt ganz gut.“ Und seine Braut ist einer von drei Chefsesseln. Klaus Allofs, demnach sein älterer Schwager, siezt ihn allerdings noch. Doch das Du wird kommen – irgendwann. „Aber nicht gleich am ersten Tag“, so Allofs.

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