DFB ermittelt wegen Ohrfeige, aber Allofs bleibt cool / Syndesmoseband gezerrt

Schwarzer Pizarro-Montag: Verfahren und Verletzung

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Sowohl im Krankenhaus-Umschlag als auch in einer DFB-Mitteilung steckten gestern schlechte Nachrichten für Werder-Stürmer Claudio Pizarro.

Bremen - Am Sonntag hatte er noch selbst zugelangt, gestern gab‘s die Doppel-Watsch‘n für Claudio Pizarro. So leitete der DFB-Kontrollausschuss ein Ermittlungsverfahren gegen den Stürmer des SV Werder ein. Der Bremer hatte beim 3:0-Erfolg gegen Hannover Emanuel Pogatetz geohrfeigt, dafür jedoch kein Rot gesehen.

Nun droht ihm nachträglich eine Sperre von bis zu drei Spielen. Das wäre ein echter Wirkungstreffer für Werder im Kampf um die Europa League. Aber möglicherweise kann Pizarro ohnehin nicht spielen: Der Peruaner hat sich im Nordderby verletzt. In der Nacht kamen die Schmerzen, gestern folgte die Diagnose: Zerrung des Syndesmosebandes.

„Es ist nicht so schlimm“, meinte der 33-Jährige zu seiner Verletzung im Sprunggelenk nach der Untersuchung im Radiologischen Institut des Klinikums Bremen-Mitte. Im günstigsten Fall kann er schon heute oder morgen wieder mit dem Laufen beginnen. Im schlimmsten Fall muss sich Pizarro ein paar Tage länger mit Einheiten auf dem Ergometer begnügen – und damit wäre sein Einsatz in Dortmund gefährdet.

Doch Pizarro droht viel mehr Ungemach. „Der Spieler steht unter Verdacht, sich einer Tätlichkeit gegen den Gegner in der Form des krass sportwidrigen Verhaltens schuldig gemacht zu haben“, heißt es in der Pressemitteilung des DFB – und weiter: „Pizarro wird verdächtigt, seinem Gegenspieler Pogatetz bewusst mit der linken flachen Hand in die rechte Gesichtshälfte geschlagen zu haben. Schiedsrichter Christian Dingert hat auf Nachfrage erklärt, diese Szene nicht gesehen zu haben, weshalb der Kontrollausschuss nachträglich ermitteln kann.“ Denn damit handelt es sich nicht mehr um eine Tatsachenentscheidung.

Überraschend ist das schon: Die TV-Bilder zeigen eigentlich, dass Schiri Dingert die Szene wahrgenommen haben muss. Zumal er die beiden Streithähne anschließend auch noch – quasi Auge in Auge – zur Ordnung gerufen hat. Möglicherweise ging es dabei aber nur um die Rangelei, nicht um die Ohrfeige.

Klärung sollen heute die vom DFB angeforderten Stellungnahmen von Pizarro und Pogatetz bringen. Während der Bremer sich bereits nach dem Spiel ausführlich zu dem Vorfall äußerte („Ehrlich, ich wollte das nicht“), schweigt Pogatetz. Hannover 96 ist ohnehin um Zurückhaltung bemüht, denn die Geschichte ist brisant. Hannover würde als ärgster Verfolger von Werder nämlich durchaus davon profitieren, sollte Pizarro für mehrere Spiele aus dem Verkehr gezogen werden.

Von drei Partien ist die Rede. Als perfekte Vorlage dient dabei ausgerechnet der Fall Pogatetz. Der Hannoveraner war Anfang Februar für seinen Faustschlag in den Nacken von Nürnbergs Philipp Wollscheid nachträglich für drei Partie gesperrt worden.

Auch Pizarro ist kein Unschuldsengel. Vor knapp dreieinhalb Jahren war dem Peruaner schon einmal gegen den Karlsruher Martin Stoll die Hand ausgerutscht. Dafür gab‘s Rot und drei Spiele Zwangspause. Als Wiederholungstäter gilt der Bremer trotzdem nicht. Eine automatische Erhöhung der Strafe um eine Partie ist ausgeschlossen, dafür kommen nur Vergehen in der aktuellen und in der Vorsaison in Betracht. Keinen Einfluss auf das Strafmaß dürfte auch Pizarros nicht geahndeter Ellbogenstoß gegen Bayern-Verteidiger Holger Badstuber aus der Hinrunde haben.

Aber das ist nur ein schwacher Trost für Werder. Der Bundesligist kann auf seinen besten Angreifer (16 Saisontore) eigentlich nicht verzichten. Deshalb gab sich Clubchef Klaus Allofs gestern auch kämpferisch: „Bisher gehe ich davon aus, dass Claudio am Samstag in Dortmund dabei ist.“ Das Ermittlungsverfahren gegen Pizarro sei „eine normale Vorgehensweise. Nach der Berichterstattung, die sich doch nur um diese eine Szene drehte, habe ich nichts anderes erwartet. Was denken Sie, wäre los gewesen, wenn der Kontrollausschuss nicht reagiert hätte?“ Zum Vorfall selbst und zur Sichtweise des Schiedsrichters wollte sich Allofs mit Verweis auf „ein schwebendes Verfahren“ nicht mehr äußern. Werder würde nun die gewünschten Stellungnahmen abgeben, die Entscheidung abwarten – „und dann sehen wir weiter, wie wir darauf reagieren“. n kni/csa

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