Bei Werder geht‘s rund: Lemke wird scharf attackiert, erhält aber Rückendeckung vom Aufsichtsrat

Schulz will den Machtkampf

Offenbach-Post

Werder-Bremen - BREMEN n Bei Werder Bremen sind sich längst nicht mehr alle grün. Im Aufsichtsrat tobt ein erbitterter Machtkampf. Hans Schulz hat dabei schwere Vorwürfe gegen Willi Lemke, den Vorsitzenden des Gremiums, erhoben – und das öffentlich. Ein absolutes Novum bei Werder. Denn bislang wurden Unstimmigkeiten fast immer intern behandelt. Doch seit der „Affäre Born“ ist die heile Welt an der Weser Vergangenheit.

Schulz behauptet, Lemke hätte im Frühjahr Jürgen L. Borns Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden der Geschäftsführung erzwungen. Außerdem würde er nun Borns endgültige Rehabilitierung hinauszögern, weil er den Abschlussbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „PricewaterhouseCoopers“ in der „Affäre Born“ zurückhalten würde. In dem Papier soll stehen, dass sich der Verdacht, Born habe sich auf

n„Ein Rücktritt

nist kein Thema“

Kosten von Werder an Spielertransfers bereichert, nicht erhärten lässt. Das war schon nach einem Zwischenbericht Ende Mai von Lemke bekannt gegeben worden.

Der Aufsichtsrat reagierte gestern umgehend auf die Schulz-Attacken und verkündete via Pressemitteilung: „Wir stehen hinter Willi Lemke.“ Der Machtkampf dürfte damit aber nicht beendet sein, denn Schulz bleibt bei seiner Kritik und will das Thema auf keinen Fall begraben. Die Tatsache, dass die Geschichte ans Tageslicht kam, ist Schulz allerdings sehr unangenehm. „Das war nie meine Art. Von einer Veröffentlichung war ja auch gar nicht die Rede. Das war so von mir nicht gewollt und tut mir in dieser Form leid“, entschuldigte sich der 66-Jährige in der Presseerklärung des Aufsichtsrates. Ein Journalist habe ihm von einer bereits fertiggestellten Story zu diesem Thema berichtet und ihn lediglich um eine Einschätzung gebeten. Die gab Schulz ab. In der „Welt“ wurde er dann mit Worten zitiert: „Born ist voll rehabilitiert. Lemke verschleppt den Bericht, weil er dann seine Schuld eingestehen muss.“

Die Veröffentlichung sei zwar ärgerlich, aber im Gespräch mit dieser Zeitung stellte Schulz gestern klar: „Zu meinen Aussagen stehe ich voll und ganz.“

Lemke hatte Mitte März auf der Pressekonferenz zu Borns Rücktritt erklärt: „Ich habe mit ,Borni‘ dreimal über diese Dinge gesprochen, und er konnte nicht sagen: Willi, so und so war das. Aber genau das hatte ich erwartet. Denn an eine Zahlung von 50 000 Dollar könnte ich mich erinnern.“ Diesen Auftritt bezeichnete Schulz in der „Welt“ als „eine Farce. Lemke hat wie ein Staatsanwalt und Inquisitor gehandelt und Born ohne Beweise vorverurteilt. Er hätte die Untersuchungen intern leiten sollen, so wie es immer die Art von Werder war. Lemke hat aber so dem Verein geschadet, und wir hätten ihn stoppen müssen. Der Aufsichtsrat sorgt jetzt dafür, dass Borns Unschuld veröffentlicht, er würdig verabschiedet wird und sich Lemke bei ihm öffentlich entschuldigt.“

Das lehnte Lemke gestern ab und wehrte sich gegen die Vorwürfe. Alle Schritte in der „Affäre Born“ seien mit dem Aufsichtsrat abgestimmt gewesen, er hätte Born nicht zum Rücktritt gezwungen und würde auch nicht den Bericht zurückhalten. Es handele sich bislang lediglich um einen 150 Seiten langen Entwurf, der gerade von Geschäftsführer Klaus Allofs überprüft werde. „Ein normaler Vorgang, der nun einmal seine Zeit braucht“, sagte Lemke. Spätestens auf seiner turnusmäßigen Sitzung im August werde der Aufsichtsrat den fertigen Abschlussbericht diskutieren und anschließend eine Erklärung abgeben.

Dann dürfte es richtig spannend werden. Denn Schulz ist überzeugt, dass er im sechsköpfigen Aufsichtsrat mit seiner Meinung nicht alleine steht. Das gelte auch unabhängig davon, dass sich gestern alle Aufsichtsratsmitglieder (neben Schulz und Lemke gehören dem Gremium auch noch Dr. Hubertus Hess-Grunewald, Dr. Werner Brinker, Niels Stolberg und Gunnar Lübben-Rathjen an) in der Pressemitteilung hinter Lemke gestellt haben. Intern würde anders geredet, ließ Schulz durchblicken. Deshalb will er auch nicht aufgeben: „Ein Rücktritt ist kein Thema.“

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