Bode kommt neu dazu

Schulz macht doch weiter und stellt sich hinter Schaaf

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Seit 13 Jahren ein Werder-Aufpasser: Hans Schulz ist froh, dass er seinen Posten im Aufsichtsrat behalten wird.

Bremen - Am 5. November wird beim SV Werder gewählt. Gesucht wird ein neuer Aufsichtsrat – und Hans Schulz wollte eigentlich nicht mehr gefunden werden. Der 69-Jährige hatte angekündigt, seinen Platz als Fußball-Fachmann im sechsköpfigen Gremium zu räumen, damit Marco Bode einziehen kann. Eine ehrenwerte Haltung.

Aber Werder lässt Schulz nicht ziehen. „Ich habe entsprechende Signale bekommen, also stehe ich zur Wahl“, berichtet der 69-Jährige – und klingt nicht nur deshalb zufrieden: Denn auch Bode wird künftig dem Aufsichtsrat angehören – das Votum der Mitglieder vorausgesetzt.

„Das freut mich“, sagt Schulz. Weniger erfreut ist er von der sportlichen Entwicklung des Bundesligisten. „Natürlich bin ich nicht zufrieden. Aber dieser Umbruch musste sein, und er ist noch nicht vollzogen. Wir müssen Geduld haben“, fordert Schulz und versichert: „Es wird gutgehen. Ich vertraue unserem Trainer – und mit Klaus Allofs ist der richtige Mann an seiner Seite.“ Dass Schaaf an seinem neuen System und der sehr offensiven Ausrichtung nichts ändern will, ist für Schulz keine Überraschung: „Ich bewundere seine Ruhe. Dass er stur ist, hat ihm immer geholfen. Denn man ist nicht so lange als Trainer erfolgreich, wenn man wankelmütig ist und seine Linie verlässt. Die Spieler warten doch nur auf so eine Schwäche des Trainers, nutzen das sofort aus. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Heutzutage ist das noch extremer geworden.“

Schulz hatte von 1964 bis 1974 214 Mal in der Bundesliga gespielt – für Werder, den Hamburger SV und Fortuna Düsseldorf. Mit Werder feierte er 1965 die deutsche Meisterschaft. Der Club holte ihn 1999 in den Aufsichtsrat der gerade ausgegliederten Profi-Abteilung. Schulz ist also ein Mann der ersten Stunde dieses Gremiums und stolz auf dessen Arbeit. „Viele kritisieren ja, dass wir uns als Aufsichtsrat immer sehr bedeckt halten. Aber es ist ganz wichtig, dass wir uns nicht ins operative Geschäft einmischen. Das sorgt nur für Unruhe. Da gibt es doch wunderbare Beispiele für.“ Der Hamburger SV darf sich da mit seinem doppelt so großen Aufsichtsrat durchaus angesprochen fühlen. Schulz betont allerdings auch: „Hier ist nicht nur Harmonie, aber wir klären Konflikte diskret hinter verschlossenen Türen.“

So wie die Besetzung des Aufsichtsrates. Eine Kampfabstimmung auf der Mitgliederversammlung in der Werder-Halle soll es auf keinen Fall geben. Deshalb werden im Vorfeld die entsprechenden Weichen gestellt. Schulz bleibt also, Bode kommt hinzu – da muss zwangsläufig ein Aufsichtsratsmitglied weichen. „Ich weiß nicht, wer es ist. Ich denke, das wird auf unserer nächsten Sitzung geklärt“, sagt Schulz.

Aufsichtsratschef Willi Lemke ist ebenso gesetzt wie sein Stellvertreter Hubertus Hess-Grunewald und Gunnar Lübben-Rathjen als Vertreter des Vereins. Wackelkandidaten sind dagegen Dr. Werner Brinker und Axel Plaat. Brinker hat gerade als Vorstandsvorsitzender von Werder-Sponsor EWE keinen leichten Stand. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Gerüchte, er würde seinen Posten beim Bundesligisten abgeben. Wahrscheinlicher erscheint jedoch der Rückzug von Plaat. Der Schatzmeister des Sportvereins Werder war Anfang März 2011 ins Gremium nachgerückt, weil Beluga-Chef Niels Stolberg nach der Insolvenz seines Unternehmens sein Amt niedergelegt hatte. Damit ist der Verein im Aufsichtsrat der Kapitalgesellschaft eigentlich überrepräsentiert.

Durch Plaats Aufrücken wurde vor einem Jahr übrigens die Wahl eines Ersatzkandidaten notwendig. Werder holte Bode ins Boot, die Mitglieder waren mit dem Kandidaten sehr zufrieden. Schließlich besitzt der 43-Jährige als Ex-Profi jede Menge Fachwissen und hat sich durch ein Management-Studium sowie die Tätigkeit als Geschäftsführer einer Sportmarketing-Agentur weitergebildet. Auch deshalb wollte Schulz den Weg frei machen: „Ich schätze Marko sehr. Man sollte ihn unbedingt einbinden. Wenn es um die Frage ,Schulz oder Bode‘ gegangen wäre, dann hätte ich kein Problem gehabt, mich zurückzuziehen.“

Nun kommt es anders. Schulz macht weiter – und ist guter Dinge, obwohl der Club ein dickes Minus in seiner Bilanz verkünden wird: „Über Zahlen rede ich nicht, aber der Umbruch hatte nun einmal finanzielle Gründe. Wir können jetzt alles wieder positiv betrachten, niemand muss sich um die Zukunft von Werder Sorgen machen.“ · kni

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