Interview mit Werders neuem Sportdirektor

Schröder schwärmt schon: „Das Gesamtpaket ist top“

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Zurück in den Norden, wieder näher dran an der Familie: Rouven Schröder freut sich über den Wechsel zu Werder.

Bremen/Fürth - Von Malte Rehnert. Rouven Schröder weiß genau Bescheid – anders als damals Robin Dutt. Werder Bremens Trainer hatte sich bei seiner Vorstellung im Sommer 2013 an einer nordischen Begrüßungsformel versucht und nicht ganz korrekt „Mogn, Mogn“ gesagt. Schröder glänzte gestern am Telefon direkt mit einem „Moin, Moin“.

Wenig verwunderlich allerdings, schließlich hat der 38-Jährige eine Lübecker Vergangenheit. Seine Zukunft liegt nun in Bremen. Vorgestern löste er seinen Vertrag als Sportlicher Leiter bei Zweitligist Greuther Fürth auf, gestern unterschrieb er für drei Jahre bei Werder. Als Direktor Profifußball – zunächst gleichgestellt mit Frank Baumann, der 2015 geht. Im Interview erklärt Schröder, der einen sympathischen, geradlinigen Eindruck macht, was ihn an Werder so reizt.

Die Entscheidung über Ihre Zukunft ist gefallen. Wie geht’s Ihnen damit?

Rouven Schröder:Die letzte Zeit war hochemotional, natürlich auch wegen der Relegationsspiele gegen den HSV. Ich verspüre einerseits Wehmut, weil ich ein tolles Team verlasse, das alles für die Sache gegeben hat. Andererseits ist da aber auch die riesengroße Vorfreude auf die Aufgabe in Bremen.

Wie sehr schmerzt es noch, so knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt zu sein?

Schröder:Das hängt noch nach, keine Frage. Auch, weil man nicht weiß, wann so eine Chance mal wiederkommt. Wir haben in diese Spiele so viel reingelegt, haben zwei Mal nicht verloren (0:0 und 1:1, Anm. d. Red.) und es am Ende doch nicht geschafft. Der Gegner lag am Boden, hat sich dann aber irgendwie durchgeschlängelt. Wir haben es verpasst, in Hamburg das eine oder andere Tor zu machen – und dafür wurden wir leider bitter bestraft. Fürth hätte den Aufstieg total verdient gehabt.

Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?

Schröder:Sehr. Der Verein hat mir die Möglichkeit gegeben, mich auf einer größeren Bühne zu präsentieren. Hier bei den Kleeblättern ziehen alle an einem Strang, vom Greenkeeper bis in die höchste Instanz. Und man hat mit relativ wenig Mitteln viel erreicht, enorm akribisch gearbeitet. Es war eine erfolgreiche Zeit. Und ich bin Fürth unendlich dankbar, dass die Vertragsauflösung so reibungslos geklappt hat und mir keine Steine in den Weg gelegt wurden. Das ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich und deshalb nicht hoch genug zu bewerten.

Warum gehen Sie dann?

Schröder:Ein Punkt ist meine Familie, die in Lübeck lebt. Wir haben dort auch unsere Freunde, das ganze Umfeld. Und unser Sohn wird im Sommer eingeschult. Das alles hat da mit reingespielt. Ich war fast zwei Jahre nahezu komplett getrennt von meiner Familie, die sich jetzt natürlich auch freut.

Ziehen Sie alle nach Bremen?

Schröder:Nein, erst einmal nur ich! Meine Familie bleibt vorerst in Lübeck. Aber ich bin bald nur noch anderthalb Stunden dorthin unterwegs. Ein Klacks, wenn ich das mit der jetzigen Situation vergleiche.

Seit wann stand fest, dass Sie zurück in den Norden wollen?

Schröder:Im Februar oder März haben wir in Fürth erste Sondierungsgespräche geführt, wie es in Zukunft weitergehen soll, wie die Ausrichtung des Vereins aussehen kann. Da habe ich schon mitgeteilt, dass es mit mir wohl nicht weitergeht – obwohl ich noch nicht wusste, wohin mich mein Weg führt. Ich finde es ganz wichtig, früh mit offenen Karten zu spielen – damit der Verein weiß, was los ist. Es gab damals schon die Tendenz zu gehen. Auch, weil sich die Familie schwer umpflanzen lässt.

Und seit wann gibt es Kontakt zu Werder?

Schröder:Schon lange. Die Ausleihe von Niclas Füllkrug, die Verhandlungen über Johannes Wurtz (wechselt zur neuen Saison nach Fürth, Anm. d. Red.). Es gab schon immer Schnittmengen. Und im Verlaufe der Gespräche mit Thomas Eichin und auch Frank Baumann hat man sich intensiver kennengelernt, auch mal über andere Dinge als Transfers gesprochen.

Sie haben, als dann die konkrete Anfrage kam, nicht lange überlegt. Warum nicht? Was reizt Sie besonders an Bremen?

Schröder:Werder war über Jahre hinweg ein absolutes Aushängeschild im deutschen Fußball. Es ist ein Verein, der auch auf die Jugend setzt – und der sehr ehrgeizige Ziele verfolgt. Werder will wieder in Bereiche kommen, in denen der Club schon mal war. Da können sie jeden gebrauchen, der mit anpackt. Für mich ist das eine sehr spannende Sache – in allen Bereichen. Die sportliche Herausforderung, die familiäre Situation: Das Gesamtpaket ist top bei Werder.

In Fürth waren Sie der Sportchef, nun sind Sie Thomas Eichin unterstellt. Ist es schwierig, aus der ersten Reihe wieder ein wenig zurückzutreten?

Schröder:Daran verschwende ich überhaupt keinen Gedanken. Es geht nicht darum, ob ich nun in der ersten, zweiten, dritten oder vierten Reihe stehe. Es geht darum, ordentlich zu arbeiten, Dinge zu entwickeln, ein Wir-Gefühl zu leben. Sportdirektor mit Schwerpunkt Kaderplanung/Scouting bei Werder Bremen – das empfinde ich überhaupt nicht als Rückstufung.

Wie sehr sind Sie schon in die Bremer Personalplanungen für die kommende Saison eingebunden?

Schröder:Ich bin zu 100 Prozent Fürther, bis ich mein Büro dort abschließe. Bis dahin laufen die Planungen bei Werder ohne mich. Wir werden uns in Bremen im Laufe dieser Woche noch mal treffen, um die genauen Abläufe und den Rahmenplan zu besprechen.

Werder sucht händeringend einen Offensivmann. Bringen Sie gleich einen aus Fürth mit?

Schröder:Das ist nicht geplant – und das wäre auch kein schönes Abschiedsgeschenk.

Wie geht es jetzt für Sie weiter? Machen Sie erst mal Urlaub?

Schröder:Genau, ich freue mich auf meine Familie. Es ist enorm wichtig, auch mal abzuschalten, einen Cut zu machen. Sonst fällt man irgendwann in ein Loch – und das wahrscheinlich zum falschen Zeitpunkt. Ich werde jetzt erst mal meinen Akku wieder aufladen, damit ich dann mit frischem Elan bei Werder anfangen kann.

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