Erst „kleine Clubs“ in Berlin, dann die Bremer Amateure – und jetzt in der Startelf der Werder-Profis

Schmidt macht’s Schritt für Schritt

Jetzt kennt ihn jeder: Dominik Schmidt genießt es, mit den Werder-Fans abzuklatschen – wie hier nach dem Heimsieg gegen St. Pauli.

Bremen - Von Malte RehnertDen Eintrag auf www.werder.de muss der Webmaster ändern. In der Rubrik „größter sportlicher Erfolg“ steht da bei Dominik Schmidt noch „Berliner Meister“ und „Spieler des Jahres in Berlin“. Das ist lange her, inzwischen hat der 23-Jährige andere Höhepunkte zu bieten.

Endlich hat er bei Werder eine Chance bekommen, gehörte in der Champions League und der Bundesliga je ein Mal zur Startelf. „Das Highlight meiner Karriere ist jetzt das Spiel in Tottenham“, urteilt Schmidt über den „Königsklassen“-Einsatz vor gut einer Woche.

Seit vier Jahren ist der gebürtiger Berliner bei Werder. Vorher hat er bei „kleinen Clubs“ in der Hauptstadt gespielt. „Nicht bei den großen wie Hertha oder Union“, sondern beim 1. FC Lübars (bis 2000), den Reinickendorfer Füchsen (bis 2003) und dem Nordberliner SC (bis 2005). 2006 folgte als 18-Jähriger der Wechsel von Tasmania Gropiusstadt 1973 an die Weser, zunächst zu den Amateuren. Seinen ersten Profivertrag unterschrieb er vor anderthalb Jahren. „Ich habe mich Step by Step hochgearbeitet“, sagt Schmidt. Doch der nächste Schritt ließ auf sich warten - er fand in der Profimannschaft allenfalls auf dem Trainingsplatz Berücksichtigung, nicht aber in den Pflichtspielen. „Das liegt wohl auch daran, dass mich Verletzungen immer wieder zurückgeworfen haben – leider keine Kleinigkeiten, sondern immer Sachen, die ihre Zeit gebraucht haben.“ Beispielsweise Patellasehnenprobleme, die ihn ab September 2009 fünf Monate außer Gefecht setzten.

Zuletzt fehlte er wegen einer Knieverletzung (Knochen-Ödem und Außenbanddehnung) rund fünf Wochen, humpelte an Krücken. Gerade wieder genesen, hievte ihn Trainer Thomas Schaaf – wegen der Riesen-Personalsorgen im Abwehrbereich – im Auswärtsspiel bei Tottenham Hotspur am 24. November erstmals in die Anfangsformation. Als linker Außenverteidiger. „Der Zeitpunkt hat mich schon überrascht“, erinnert sich Schmidt: „Ich hatte doch erst seit zwei Wochen wieder trainiert. Und dann gleich in der Champions League ran zu dürfen – ein Traum, überragend.“

Sonderlich aufgeregt sei er vor seinem Profidebüt jedoch nicht gewesen: „Ich war gar nicht so nervös, wie ich es selbst erwartet hatte. Das lag aber auch an den gefühlten 49 SMS, die ich vor dem Spiel von Freunden und der Familie bekommen habe. Ich habe viel mit meiner Freundin und meinem Bruder gesprochen. Die haben mir die Nervosität genommen. Auch die Kollegen haben mir Mut zugesprochen. Und der Trainer hat gesagt: Ich solle mutig sein, hätte nichts zu verlieren. Also habe ich drauflos gespielt.“

Und dabei alle überzeugt: Sowohl nach dem Tottenham-Spiel als auch nach der Bundesliga-Premiere am vergangenen Sonntag gegen St. Pauli (3:0), wo er rechts in der Vierer-Abwehrkette auflief, hagelte es Lob von Verantwortlichen und Mitspielern. „Das ist Balsam auf die Seele. So ein positives Feedback freut mich natürlich“, meint Schmidt. Er selbst fand seine Leistungen – wohltuend bescheiden – nur „ganz in Ordnung. Ich hatte auf dem Platz gleich ein gutes Gefühl, obwohl ich auf beiden Positionen noch nie gespielt habe.“ Schmidt ist gelernter Innenverteidiger, hat bei Werder II aber auch schon als „Sechser“ und „zwei Mal im Sturm“ agiert: „Trainer Thomas Wolter hat immer gesagt, ich sei seine Allzweckwaffe.“

Und als solche benutzt ihn nun auch Thomas Schaaf – vermutlich morgen in Wolfsburg zum dritten Mal in Folge. „Im Moment kann ich mich nicht beklagen“, findet Schmidt. Vom Durchbruch bei Werder mag er allerdings noch nicht sprechen: „Darüber rede ich nicht – und darüber denke ich noch nicht mal nach. Ich habe einfach nur die Chance bekommen, mich zu zeigen. Und ich denke, ich habe sie genutzt.“ Schmidt weiß, dass er gewaltig vom Verletzungspech anderer Abwehrspieler – vor allem Sebastian Boenisch, Mikael Silvestre und zuletzt auch Petri Pasanen – profitiert hat. Und er weiß auch, dass es schwierig für ihn wird, dauerhaft zum Stamm zu gehören: „Klar gibt man seinen Platz nur ungern wieder her, aber ich muss damit rechnen. Ich versuche, mich bestmöglich einzubringen und dem Trainer das Vertrauen zurückzuzahlen.“

Schaaf zu beeindrucken, ist dem 23-Jährigen besonders wichtig. Im Sommer läuft Schmidts Vertrag aus – und er würde gerne bei Werder bleiben: „Ich weiß, dass ich um meine Zukunft spiele. Ich fühle mich hier sehr wohl. Meine Freundin lebt hier, meine Schwiegereltern auch. Wir haben uns hier etwas aufgebaut. Und der Verein ist top. Ich versuche, mich bei Werder durchzusetzen.“

Gefährliche Sternenjagd für Marc und Jens  - Tag 9 im Camp

Gefährliche Sternenjagd für Marc und Jens  - Tag 9 im Camp

Einzelkritik: Delaney lässt sein Potential aufblitzen

Einzelkritik: Delaney lässt sein Potential aufblitzen

Fieberhafte Suche nach Vermissten an verschüttetem Hotel

Fieberhafte Suche nach Vermissten an verschüttetem Hotel

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

Meistgelesene Artikel

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Rummenigge redet nicht so gerne über Gnabry

Rummenigge redet nicht so gerne über Gnabry

Kommentare