Trainer Robin Dutt im Thesen-TÜV

Ein Schlüssel, ein Schal, ein Irrtum

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Und hoch die Hände: Robin Dutt feiert eine Saison, die für Werder weniger nervenaufreibend verlief als zunächst gedacht. ·

Bremen - Die erste Saison unter Trainer Robin Dutt liegt hinter Werder Bremen. Es war eine Spielzeit mit dem angestrebten Ausgang. Werder ist unter dem Nachfolger von Thomas Schaaf nicht abgestiegen, der Club hat sich im Vergleich zur Vorsaison sogar um fünf Punkte (39 statt 34) verbessert – eine Konsequenz aus zehn Zu-Null-Spielen.

Die Gegentorflut hat Dutt dennoch nicht eingedämmt, mit 66 blieb die Zahl auf einem kons-tant hohen Niveau. Die Summe der erzielten Treffer ging dagegen von 50 auf magere 42 zurück. Es sind die Zahlen eines Jahres, hinter denen auch die Zitate zu den großen und kleinen Geschichten des Jahres stecken. Einige der Aussagen und Thesen des Trainers kommen rückblickend auf den Prüfstand.

"In der Winterpause habe

ich schon sehr oft

Schlüssel und Wege

gefunden.“

Robin Dutt am 16. Dezember 2013 über die Aussicht, Werder in der Rückrunde zu stabilisieren.

Es waren die Tage nach dem 0:7-Debakel gegen Bayern München, als Trainer Robin Dutt die Welle des Entsetzens irgendwie zu stoppen versuchte. Also versprach er indirekt, dass es in der zweiten Saisonhälfte besser laufen wird. Er werde schon dafür sorgen. Eine objektive Überprüfung bringt ans Licht: Er hat nicht gelogen. Aber sein Wort auch nicht wirklich gehalten. Werder holte in der Rückrunde 20 Punkte und damit einen mehr als in der Hinrunde. Das ist ein Fortschritt im kleinstmöglichen Bereich. Der missglückte Start nach der Winterpause (drei Unentschieden, zwei Niederlagen) legte sogar den Verdacht nahe, Dutt habe den Schlüssel zum Erfolg weiterhin verlegt. Doch dann stabilisierte Werder sich, zeigte im Frühjahr eine verbesserte Spielanlage, wirkte insgesamt reifer.

„Dieses Derby ist das

wichtigste Spiel.“

Robin Dutt am 26. Februar 2014 vor dem 100. Nordderby gegen den Hamburger SV.

Es ist nicht sonderlich gewagt, das Duell zwischen Werder und dem HSV als das wichtigste der Saison zu bezeichnen. Für die Fans ist das sogar Gesetz. Doch in diesem speziellen Fall war die Partie tatsächlich wichtig hoch drei. Nach fünf sieglosen Spielen zu Rückrundenbeginn stand Dutt in der Kritik und die Mannschaft nur noch drei Punkte vor dem Relegationsplatz. Auf dem rangierte schon damals der HSV – und natürlich war der Ausgang der Partie für beide richtungweisend. Bremen gewann dank eines traumhaften Hackenpasses von Aaron Hunt, den Zlatko Junuzovic mit dem entscheidenden Treffer zum 1:0 veredelte. Der Rest ist bekannt: Werder ist fein raus, der HSV in der Relegation.

„Sebastian Mielitz ist die

gesetzte Nummer eins.

Damit sich daran etwas

ändert, müsste über einen

langen Zeitraum schon viel

passieren.“

Robin Dutt am 2. Juli im Trainingslager auf Norderney.

Eine Stammplatzgarantie für den umstrittenen Torwart – das war nicht mutig von Trainer Dutt, sondern alternativlos. Denn Mielitz’ Konkurrent Raphael Wolf hatte zu diesem Zeitpunkt gerade erst das Training nach einem Kreuzbandriss wieder aufgenommen. Als er dann fit war, brauchte es keinen langen Zeitraum, um den Wechsel zu vollziehen, sondern nur ein Katas-trophenspiel von Mielitz. Nachdem er zwölf Partien recht ordentlich bestritten hatte, patzte er beim 2:3 gegen Mainz 05 doppelt. Sofortige Konsequenz: Ab auf die Bank. Es schien, als habe Dutt nur darauf gewartet, Mielitz ablösen zu können. Die Entscheidung erwies sich freilich als richtig.

„Das war vor fünf, sechs

Jahren Bremens typisches

System. Damals hat es

gepasst, inzwischen passt

es nicht mehr.“

Robin Dutt am 22. Juli 2013 über die Raute als taktische Grundordnung.

Eigene Ideen, eine eigene Handschrift, möglichst zwei, drei Systeme, die die Mannschaft schlafwandlerisch sicher beherrscht – das waren die Ziele des neuen Trainers, als er Werder im Sommer übernahm. Die Raute – das ehemalige Erfolgssystem seines Vorgängers Thomas Schaaf – hielt Dutt schlicht für ausgedient. Ein Irrtum. Am 3. November kehrte er vom bevorzugten 4-2-3-1 ab und bediente sich doch der Raute. Mit Erfolg. Werder gewann 3:2 gegen Hannover 96, Dutt lehnte die Raute als Standardsystem dennoch weiter ab: „Es ist ein Baustein, den wir dazugewonnen haben. Es ist ein weiteres, kleines Werkzeug.“ Das dann aber doch häufiger benutzt wurde als gedacht, und sich als das erfolgreichste aller Modelle entpuppte.

„Wir wollen mittelfristig

möglichst viele eigene

Talente nicht nur im Kader,

sondern in der

Startformation haben.“

Robin Dutt am 7. August 2013 über die Förderung und den Einbau junger Spieler.

Es ist das Thema der Gegenwart und der Zukunft: die Nachwuchsförderung. Robin Dutt ist mit vielen Vorschusslorbeeren bei Werder angetreten. Er würde auf die Jugend setzen, er sei der Richtige, um selbst ausgebildete Spieler einzubauen. Die Zwischenbilanz nach einem Jahr ist aber noch bescheiden. Nur zweimal standen Newcomer aus der U  23 in der Startelf – Stürmer Davie Selke beim 2:3 gegen Mainz 05 und Martin Kobylanski beim 2:0 über den HSV. Kobylanski war mit acht Einsätzen (211 Minuten) neben Özkan Yildirim (elf Einsätze, 286 Minuten) das am häufigsten berücksichtigte Talent aus dem Regionalliga-Team. Melvyn Lorenzen (drei Minuten Spielzeit bei zwei Einwechslungen) und Levent Aycicek (zwölf Minuten, ein Tor) durften allenfalls reinschnuppern. Julian von Haacke, Torben Rehfeldt und Luca Zander schafften es zwar in den Kader, nicht aber ins Team.

Kurzum: Ein Jugendwahn hat auch unter Dutt nicht eingesetzt. Der sagt: „Qualität entscheidet, nicht das Alter.“ Soll heißen: Unter den Werder-Talenten war in der vergangenen Saison noch keines gut genug, um sich wirklich durchzusetzen. Dutt hatte zu Saisonbeginn andere Prognosen gestellt: „Die Talente hier sind nicht schlechter als anderswo.“

„Ich bin nicht

abergläubisch.“

Robin Dutt am 01. März, nachdem er im Derby gegen den HSV mit Werder-Schal am Spielfeldrand gestanden hatte.

Er wollte in einem ganz speziellen Spiel „meine Nähe zum Verein symbolisieren“. Also band sich Robin Dutt beim 100. Bundesliga-Derby gegen den HSV erstmals einen Werder-Schal um. Er fand die Geste gut, manch anderer hielt sie für aufgesetzt. Fakt ist: Weil Werder das Derby gewann, trug der „nicht sonderlich abergläubische“ Dutt den Schal noch weitere vier Spiele. Dann wurde es ihm entweder zu warm oder doch einfach zu albern.

„Er ist der richtige Typ für

uns. Ich erwarte mir eine

Soforthilfe.“

Robin Dutt am 31. Januar über Neuzugang Ludovic Obraniak.

Er war der einzige Einkauf in der Winterpause, und er sollte dem Bremer Mittelfeld mehr Spielwitz und Finesse einhauchen. Doch nach einer Halbserie ist der Zwischenstand bei Ludovic Obraniak ein anderer. Dutt bekam von dem Franzosen nur ein Freistoßtor zum 1:1 gegen Mönchengladbach geboten – mehr Soforthilfe gab’s nicht. Nach acht Spielen setzte der Coach den 29-Jährigen auf die Bank. Und Obraniak fragt sich jetzt, ob er der richtige Typ für Dutt und Dutt der richtige Typ für ihn ist.

„Die Rückrunde wird ein

Kampf bis zur letzten

Sekunde.“

Robin Dutt am 27. Januar vor dem Start in die zweite Halbserie.

Ja, gekämpft hat das Team bis zur letzten Sekunde. Aber nicht mehr gegen den Abstieg, sondern um jeden Punkt. Gerettet war Werder schon drei Spieltage vor Schluss. Für Dutt, der sich auf eine nervenaufreibendere Zitterpartie eingestellt hatte, war es eine überraschend frühe Erlösung. Was zu diesem Zeitpunkt aber nicht nur an Werder, sondern auch an den chronisch schwachen Kellerclubs Braunschweig, Nürnberg und Hamburg lag. · csa

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