Das Schlimmste verhindert

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Sprunggewaltiger Jubel: Arnautovic hob nach seinem späten Ausgleich gegen Hoffenheim ab – und die Werder-Fans fanden es natürlich prima.

Von Carsten Sander - In der 90. Minute schwoll der Hahnenkamm vor Stolz: Mit seinem Last-Minute-Treffer hat Marko Arnautovic Werder Bremen gestern im Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim wenigstens noch einen Punkt gerettet.

Beim 1:1 (1:0) glich der Österreicher, der für den gelbgesperrten Claudio Pizarro ins Team gerückt war, die frühe Führung der Gäste durch Jannik Vestergaard (4.) aus. Werder hat damit im vierten Rückrundenspiel der Fußball-Bundesliga das vierte Unentschieden eingefahren. Dennoch behauptet die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf weiterhin und erstaunlicherweise Platz fünf in der Tabelle.

Selbst, wenn Arnautovic gestern vor 39 167 Zuschauern im Weserstadion nicht mehr getroffen hätte, wäre der Europa-League-Platz nicht futsch gewesen. Denn die nachfolgenden Teams tun den Bremern Woche für Woche den Gefallen, selber nicht optimal zu punkten. So darf Werder-Sportchef Klaus Allofs mit dem Verweis auf die Tabelle immer noch sagen, „dass wir so schlecht nicht sind“.

Die Leistung gegen die erstmals unter ihrem neuen Trainer Markus Babbel antretenden Hoffenheimer hatte diese These allerdings überhaupt nicht gestützt. Vielmehr wurde Allofs’ Meinung in Halbzeit eins sogar konterkariert. Schon mit der ersten Aktion der Gäste kassierte Werder das 0:1 – schon zum achten Mal in dieser Saison fiel ein Gegentor nach einem Eckball. Francois Affolter hatte Jannik Vestergaard gewähren lassen, der erst 19 Jahre alte Innenverteidiger traf mit einer Kopfball-Bogenlampe. Auch, weil kein Bremer am langen Pfosten Position bezogen hatte. „Wir haben unser Tor wieder nicht mit aller Macht verteidigt. Es hat die Konzentration gefehlt“, schimpfte Allofs. Schon in den beiden Partien zuvor hatten die Bremer jeweils durch Gegentore in Folge von Ecken Punkte gelassen. Die Schwäche wird langsam eklatant.

Immerhin blieb gegen Hoffenheim noch jede Menge Zeit, um den Fehler auszubügeln. Doch die jüngste Bremer Startelf aller Zeiten (Altersdurchschnitt: 23,45 Jahre) fand nach dem frühen Schock überhaupt nicht in die Partie. Aus dem Mittelfeld, in dem der zur Pause ausgewechselte Mehmet Ekici ein Totalausfall war, kamen keine Ideen. Und Struktur hatte das, was Werder zeigte, schon mal gar nicht. Hoffenheim, das sich am Donnerstag nach dem 0:1 im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Greuther Fürth von Trainer Holger Stanislawski getrennt hatte, hatte es leicht, den Vorsprung zu verteidigen. Werder kam nur zu einer Chance durch Markus Rosenberg. Der Schwede vergab nach schönem Pass von Zlatko Junuzovic (feierte seine Heim-Premiere im Bremer Trikot) aber kläglich (21.).

Mehr lieferte Schaafs unerfahrene Truppe nicht ab. Immer wieder verloren sich die Akteure im Gewühl um den Ball oder gaben ihn gleich per Fehlpass her. Weshalb ein Großteil der Fans zum Seitenwechsel ein Pfeifkonzert anstimmte. Das wiederum ärgerte Allofs. Er sei nicht über die Leistung erschrocken, sagte er, „ich bin erschrocken über die Erwartungen“.

Nun lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob von einer Mannschaft mit internationalen Ambitionen nicht mehr Feinkost verlangt werden darf. Gestern, so beschrieb es Marko Arnautovic, „hatte das mit Fußball nichts zu tun. Das war nur Kampf.“

Immerhin den nahm Werder an, lobte sich deshalb für die „gute Moral“ (Kapitän Clemens Fritz) und freute sich nach einer besseren zweiten Halbzeit am Ende über ein Tor, an das niemand mehr wirklich geglaubt hatte. Der eingewechselte Niclas Füllkrug hatte zwei Tage nach seinem 19. Geburtstag noch eine Großchance vergeben (78.), doch nach der Kopfball-Vorlage von Markus Rosenberg traf Arnautovic zum umjubelten 1:1 – Remis-Serie gerettet. Und Arnautovic schaffte es mit seinem fünften Saisontor, sich nicht nur wegen seiner Hahnenkamm-Frisur ins Gespräch zu bringen. „Einerseits“, wertete der Österreicher die vier Punkteteilungen, „ist das schlecht, weil wir nicht gewinnen. Andererseits ist es gut, weil wir auch nicht verlieren.“ Letztlich entschied er sich aber für die negative Sichtweise: „Wir haben zu wenig Punkte geholt und müssen endlich gewinnen.“

Die Chance dazu war auch gestern gegeben. Denn in der Nachspielzeit (Hoffenheim hatte zuvor innerhalb von Sekunden zwei Großchancen durch Peniel Mlapa und Knowledge Musona ausgelassen) drosch Arnautovic einen Freistoß auf das Hoffenheimer Tor, den 1899-Keeper Tom Starke nur abklatschen ließ. Fritz kam zu spät zum Nachschuss, und Arnautovic vermisste in diesem Moment den 15-fachen Torschützen Claudio Pizarro mehr denn je: „Wenn Piza da gestanden hätte, hätten die ihn wahrscheinlich angeschossen und der Ball wäre reingegangen…“

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