Diagnose: Knorpelschaden im Knie / „Ich wollte es nicht wahrhaben“

Schindlers langer Kampf um die junge Karriere

Umjubelt: Freudige Momente wie hier beim Tag der Fans im August durfte Kevin Schindler in den letzten Monaten fast gar nicht genießen.

Werder-Bremen - Von Arne Flügge · Manchmal hätte Kevin Schindler in den vergangenen Monaten aus lauter Frust am liebsten daheim die Tapeten von der Wand gerissen, machmal dann aber wiederum still ins Kissen geweint.

Denn die Diagnose, die den jungen Profi von Werder Bremen im März bei einer Operation in Augsburg getroffen hatte, war hart und erbarmungslos: Knorpelschaden im Knie.

Für den damals erst 21-Jährigen ein Schlag ins Gesicht. „Es ist das Schlimste, was einen Fußballer treffen kann. Das war ein Schock, ich wollte es nicht wahrhaben“, erzählt Schindler, der im März 2007 als 18-Jähriger sein UEFA-Pokal-Debüt für Werder gefeiert hatte und zwei Monate später auch erstmals in der Bundesliga auf dem Platz stand.

18 Ausfälle beim Werder-Training

Werder-Training - 18 Ausfälle

Doch das ist erstmal Geschichte. Langsam, ganz langsam nur darf sich Schindler wieder an die Belastung herantasten. Monatelang war er praktisch zum Nichtstun verdammt gewesen. „Man hat mir gesagt, dass die Sache ganz, ganz ernst ist“, berichtet der Stürmer, „gerade für einen so jungen Spieler wie mich.“

Also schonte Schindler sein Knie, ließ es behandeln. Die ständige Reha ohne nur einmal den Platz zu sehen, nagte mit der Zeit unheimlich an ihm. „Wenn du nichts machen kannst, hast du viel Zeit zum Nachdenken. Dann fängst du an zu grübeln. Die Verletzung frustriert dich, macht sich auch manchmal wütend“, beschreibt der Angreifer seine Gefühlswelt: „Es war eine ganz, ganz schwere Zeit.“

Angst, dass seine noch Junge Karriere vielleicht schon zu Ende sein könnte, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat, hatte Schindler nicht, wie er beteuert. „Ich habe das verdrängt, keinen Gedanken daran verloren. Ich habe lieber nach vorn geschaut, denn ich bin ein Kämpfer“, sagt Schindler.

Seit einiger Zeit nun sieht der 22-Jährige Licht am Ende des Tunnels, auch wenn das gefühlt noch meilenweit entfernt ist. Schindler steht wieder auf dem Platz. „Ab und zu jedenfalls“, wie er einschränkt: „Ich darf Koordinationsübungen und bestimmte Bewegungen machen, locker traben, werde ans Joggen herangeführt.“

Im Grunde genommen sind das nicht mehr als nur erste, vage Gehversuche, für Schindler aber ist es mehr, viel mehr: Es ist ein Zeichen, dass es endlich bergauf geht, ein Zeichen, dass das Ende der langen Leidenszeit bald vorbei ist. „Ich bin froh, dass ich überhaupt wieder auf den Platz darf. Ich weiß, dass ich Geduld haben muss, auch wenn’s schwerfällt“, sagt Schindler.

Die jüngste Untersuchung bei Dr. Ulrich Boenisch in Augsburg, der vor kurzem auch Werders Linksverteidiger Sebastian Boenisch operiert hat, macht Schindler noch mehr Mut. „Er hat mir versichert, dass ich alles machen kann, was schmerzfrei ist“, berichtet der Bremer, „die Kernspin-Untersuchung hat zudem ergeben, dass sich der Knorpel gut entwickelt hat.“

Und Schindler hat sich zum Ziel gesetzt, „im Dezember oder Januar, spätestens aber im Wintertrainingslager“ wieder bei der Mannschaft zu sein. Schafft er’s, hat er den Kampf gegen den Korpelschaden gewonnen. Doch danach beginnt gleich ein neuer: Der Kampf um die Rückkehr in den Profifußball nach dann fast einem Jahr Verletzungspause.

Bilder der Relegation: Knapper Wolfsburg-Sieg über Braunschweig

Bilder der Relegation: Knapper Wolfsburg-Sieg über Braunschweig

Leaks nach Manchester-Anschlag: Trump verspricht Aufklärung

Leaks nach Manchester-Anschlag: Trump verspricht Aufklärung

„Hoya ist mobil“ 2017

„Hoya ist mobil“ 2017

Treckertreffen in Dreeke

Treckertreffen in Dreeke

Meistgelesene Artikel

Schierenbeck zu Sargent-Gerücht: „Das ist mir neu“

Schierenbeck zu Sargent-Gerücht: „Das ist mir neu“

Stalteri in der Hall of Fame

Stalteri in der Hall of Fame

Werders teure Pleite beim BVB: Zwölf Millionen Euro sind futsch

Werders teure Pleite beim BVB: Zwölf Millionen Euro sind futsch

"Mein Traum bleibt die Bundesliga"

"Mein Traum bleibt die Bundesliga"

Kommentare