Schalke 04 einfach viel besser besetzt

Viele Pfiffe, aber kein Pfiff: Fehlstart für Werder – 0:3

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AUF DEM WEG zu Schalkes 3:0: Leroy Sane (Mitte) entkommt Werders Philipp Bargfrede (rechts) und bedient Klaas-Jan Huntelaar zum Endstand. Auch Bremens Alejandro Galvez (links) kann die Hereingabe nicht verhindern.

Bremen - Beim Warmlaufen, beim Verlesen der Aufstellung, bei jedem Ballkontakt und natürlich auch bei seiner Auswechslung – für Franco Di Santo gab es gestern im Weserstadion Pfiffe ohne Ende. Der Schalker, der vor dem Spiel im Kabinenbereich von Werder offiziell verabschiedet worden war, steckte sie gut weg, durfte sich über einen verdienten 3:0 (1:0)-Sieg freuen – und dann stellte sein Ex-Sportchef Thomas Eichin auch noch ungewollt passend zu der ganzen Geschichte fest: „Uns hat heute der letzte Pfiff gefehlt.“

Es war wahrlich kein guter Tag für Werder. Beim Bundesliga-Auftakt wirkte die Mannschaft übernervös, wagte kaum etwas. „Vielleicht waren wir etwas übermotiviert, dann bist du gehemmt“, mutmaßte Zlatko Junuzovic. Schalke bestimmte das Spielgeschehen und hätte schon nach neun Minuten in Führung gehen können, doch Felix Wiedwald reagierte bei seiner Bundesliga-Premiere als Werder-Keeper glänzend gegen Klaas-Jan Huntelaar. Genauso wie beim Kopfball von Leon Goretzka (27.). Davor hatten der starke Assani Lukimya (21.) und Theodor Gebre Selassie (24.) die einschussbereiten Julian Draxler und Huntelaar gerade noch gestoppt. Deshalb war es keine Überraschung, dass Schalke in der 34. Minute in Führung ging. Dafür war der Treffer mehr als überraschend und dürfte schon jetzt einen Platz im Saisonrückblick sicher haben – in der Rubrik „Pleiten, Pech und Pannen“. Gebre Selassie wollte im Strafraum nach einem feinen Pass von Joel Matip auf Huntelaar klären und schoss den Ball ins eigene Tor – über Wiedwald hinweg direkt unter die Latte.

„So ein dummes Tor darfst du eigentlich nicht kriegen. Das geht in der Bundesliga nicht“, stöhnte Eichin. Und Trainer Viktor Skripnik fühlte mit dem Pechvogel: „Dagegen gibt es keine Versicherung – so ist Fußball.“

Das Tor tat Werder zwar weh, aber es zwang die Gastgeber auch, endlich mutiger zu werden. Mehr als ein etwas zu hoch gezielter Fernschuss von Clemens Fritz (43.) sprang dabei allerdings nicht heraus.

Schalke war da gefährlicher – auch nach der Pause: Doch wieder scheiterte Huntelaar an Wiedwald (52.). Skripnik reagierte, brachte Neuzugang Aron Johannsson für den nach einem guten Start abgetauchten Levin Öztunali (57.). Und prompt gab es die erste Großchance. Der 24-Jährige lenkte die Kugel zu Junuzovic, der Fin Bartels perfekt in Szene setzte, doch der gestrige Spielmacher schoss knapp am Gehäuse vorbei.

„Wenn wir die Chance genutzt hätten…“, war nach der Partie von jedem Bremer zu hören. Die Szene diente als Mutmacher, dass man doch gar nicht so weit weg war von einem Punktgewinn oder sogar mehr. Die Realität sah allerdings etwas anders aus. Werder hatte keine weitere echte Chance, dafür langte Schalke noch zwei Mal zu: Erst der bärenstarke Eric-Maxim Choupo-Moting nach einem erneut starken Matip-Pass (68.), dann Huntelaar, der den Solo-Auftritt von Leroy Sane vergoldete (82.). Der Joker hatte Ulisses Garcia noch in der Schalker Hälfte den Ball abgeknöpft und ihm damit das sonst ordentliche Bundesliga-Debüt versaut.

„Mund abwischen, daraus lernen und am Freitag in Berlin eine Reaktion zeigen“, forderte Eichin nach der Partie und hob noch einmal hervor: „Wir haben gegen einen ganz, ganz starken Gegner verloren.“ Schalke ist vor allem in der Offensive viel besser besetzt. Auch wenn Neuzugang Di Santo nur ansatzweise seine Klasse zeigte, sich irgendwann aufgab und nach einer Stunde vom Platz ging – begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert, Judas-Rufen. Einige Fans wedelten sogar mit Geldscheinen. „Franco ist ein feinfühliger Spieler. Er hat das schon in sich aufgenommen“, führte Schalkes Sportvorstand Horst Heldt die schwache Leistung des Neuen auch auf die Pfiffe zurück. Di Santo selbst gab sich wie immer gut gelaunt, wenngleich er gestand: „Das war schon alles seltsam. So etwas habe ich noch nie erlebt. Aber das sind Fans, ich kann sie verstehen.“ Letztlich war der Argentinier einfach nur „glücklich, dass wir gewonnen haben“.

Werder Bremen unterliegt Schalke zum Auftakt

Damit stand er stimmungsmäßig natürlich im krassen Gegensatz zu seinen Ex-Kollegen. Die hatten in der Vorbereitung – zum Teil noch mit ihm – kein Spiel verloren und Hoffnungen geweckt. Und nun dieser Fehlstart. „Entschuldigung, dass wir diese Euphorie nicht belohnt haben“, meinte Skripnik: „Das war einfach nicht unser Tag.“ Der nächste Spieltag muss besser werden – und zwar schon am Freitag in Berlin.

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