Werder-Coach wehrt sich / Hunt kritisiert die Außenstürmer

Schaafs schlechtester Start: Denkt er zu offensiv?

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Ernüchterung bei Thomas Schaaf: Den Saisonstart hatte sich der Werder-Coach ganz anders vorgestellt.

Bremen - Er ist als Fast-Absteiger gestartet (1999) oder als Meister (2004). Mal waren die Ziele hoch gesteckt (2004 bis 2010), mal vorsichtiger formuliert (ab 1999 und ab 2011). Doch eines hat es unter Thomas Schaaf als Trainer des SV Werder Bremen bislang nie gegeben: nur sieben Punkte nach sieben Spieltagen.

Schaafs 14. Bundesliga-Start ist sein schlechtester. Bei der Suche nach den Gründen taucht immer wieder eine Frage auf: Denkt Thomas Schaaf zu offensiv?

Die Zahl der Gegentore spricht dafür. 13 Treffer hat sich Werder eingefangen – so viele wie kein Team in der oberen Tabellenhälfte, wo die Bremer hinwollen. Nur Stuttgart, Hoffenheim und Nürnberg (jeweils 14) machten es noch schlechter. Und gegen die Bremer treffen sogar Mannschaften, die bis dato unter extremen Ladehemmungen litten – siehe Augsburg: Die bayerischen Schwaben waren bis zum Freitagspiel nicht nur Letzter, sondern mit nur zwei Toren total harmlos. Doch gegen den Gast aus dem Norden gab‘s einen Dreierpack und dadurch einen verdienten 3:1-Sieg.

Für Schaaf war das allerdings kein Ergebnis einer zu offensiven Aufstellung: „Wenn man zu viele Gegentore bekommt, denkt man natürlich schon, da packe ich hinten noch einen rein. Aber bei den Toren in Augsburg hatten wir nicht die Situation, dass wir hinten einen zu wenig hatten, wir waren sogar in Überzahl.“ Der 54-Jährige macht das Problem woanders fest: „Wir haben nicht attackiert. Wir waren nicht in den Zweikämpfen. Es ist völlig unwichtig, ob ich defensiv oder offensiv bin, ich muss immer die Zweikämpfe bestehen.“

Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, dass ein Defensivspezialist besser verteidigen kann als ein Offensivmann. Und im Bremer Mittelfeld gibt es keinen (!) Spieler mehr aus der defensiven Schule. Selbst der „Sechser“ ist inzwischen angriffslustig besetzt – mit Zlatko Junuzovic, einem Spielmacher. Und dem Österreicher reicht es nicht, sich vornehmlich um die Aufräumarbeit vor der Abwehr und die Spieleröffnung zu kümmern. Der 25-Jährige ist so viel unterwegs, dass er oftmals hinten fehlt. Kevin De Bruyne und Aaron Hunt könnten ihn dann absichern, aber die beiden Mittelfeldspieler auf den Halbpositionen haben auch den Vorwärtsgang im Blut. Einer wie Philipp Bargfrede könnte Werder defensiver machen, der 23-Jährige sitzt aber nur auf der Bank. Und Clemens Fritz, den ehemaligen „Sechser“, verwandelte Schaaf wieder in einen Außenverteidiger.

„Es ist richtig, dass wir offensiv ausgerichtet sind. Aber wenn alle vernünftig ihre Defensivarbeit verrichten – da beziehe ich auch die Außenstürmer mit ein –, funktioniert es auch. Wenn aber nur einer die Lücken nicht schließt, geht es nicht“, schlägt sich Hunt auf die Seite von Schaaf, reißt aber zugleich ein weiteres interessantes Thema an: die Außenstürmer. Eljero Elia und Marko Arnautovic hatten an den ersten Spieltagen noch fleißig nach hinten gearbeitet, in Augsburg taten sie es nicht mehr. Ihnen war es offenbar wichtiger, gegen einen nicht so hoch eingeschätzten Gegner endlich ihre Torflaute zu beenden.

Die Noten gegen Augsburg

Die Noten: Werder Bremen - Augsburg

Ein Egoismus, der zum großen Problem innerhalb der Mannschaft werden könnte. Denn nur als Einheit hat diese neu formierte junge Mannschaft eine Chance, in der Tabelle wieder nach oben zu klettern. Doch es sind sich längst nicht mehr alle grün. So meinte Hunt zu Sokratis, der vor einigen Wochen noch von der Champions League gesprochen hatte: „Die Meinung hat er alleine. Es sollte sich niemand zu Aussagen hinreißen lassen, die nicht realisierbar sind.“

Bilder vom Spiel

FC Augsburg gegen Werder Bremen

Aber was ist perspektivisch möglich? „Ich kümmere mich weniger um die Perspektive, ich kümmere mich um das Jetzt. Ich will bessere Leistungen erreichen. Solche Leistungen wie in Augsburg sollen sich nicht wiederholen“, sagt Schaaf gewohnt ausweichend und antwortet auf die Frage, ob der Blick nun nach unten gehen müsse: „Wir schauen geradeaus. Wir schauen auf unsere Aufgaben.“

So hat er es immer gemacht – seit 1999. „Das Wichtigste ist, dass wir eine klare Analyse haben. Wir müssen den Spielern die Fehler aufzeigen, damit man sich daran auch festhalten kann und sich verbessern kann.“ In den beiden vergangenen Spielzeiten hat das selten geklappt. Werder enttäuschte, verpasste jeweils das internationale Geschäft. Es folgte der radikale Umbruch. Der brachte zwar eine neue Spielfreude, aber kaum gute Ergebnisse. Nur gegen den Hamburger SV (damals noch ohne Raphael van der Vaart und mit jeder Menge Angst) und Freiburg gab es Siege. Demgegenüber stehen die peinliche Pokalpleite beim Drittligisten Preußen Münster, die – zugegeben ärgerlichen – Niederlagen in Dortmund und Hannover sowie das 0:2 gegen die übermächtigten Bayern. Ein am Ende schmeichelhaftes 2:2 gegen Stuttgart vervollständigt die Saison-Bilanz. Die macht gepaart mit den wenigen Punktgewinnen aus der Rückrunde der vergangenen Spielzeit Werder zur schlechtesten Bundesliga-Mannschaft im Jahr 2012 – mit nur 20 Punkten aus 24 Spielen. Da fällt es schwer, an bessere Zeiten zu glauben. Entweder Schaaf impft der Mannschaft mehr Defensive ein oder seine Offensive muss sich endlich lohnen – so wie in den Erfolgsjahren, als Gegentreffer einfach zum Bremer Modell gehörten. · kni/csa

Platz Spiele S U N Tore Punkte

Saison 2012/13: 12 7 2 1 4 10:13 7

Saison 2011/12: 2 7 5 1 1 14:7 16

Saison 2010/11: 13 7 2 2 3 11:16 8

Saison 2009/10: 5 7 3 3 1 12:6 12

Saison 2008/09: 7 7 3 2 2 19:16 11

Saison 2007/08: 8 7 3 2 2 10:12 11

Saison 2006/07: 1 7 4 1 2 18:9 13

Saison 2005/06: 3 7 5 1 1 19:9 16

Saison 2004/05: 4 7 4 0 3 15:8 12

Saison 2003/04: 2 7 5 1 1 16:6 16

Saison 2002/03: 2 7 5 0 2 14:11 15

Saison 2001/02: 11 7 2 2 3 10:11 8

Saison 2000/01: 13 7 2 2 3 9:9 8

Saison 1999/00: 10 7 2 3 2 16:8 9

 

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