Enttäuschung ja, aber keine Kritik an Allofs

Schaaf stellt sich der „unerfreulichen Situation“

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Im Pulk der Kameras und Mikrofone steht Thomas Schaaf und spricht über den Wechsel seines Freundes Klaus Allofs.

Bremen - Thomas Schaaf kommt gemächlichen Schrittes aus dem Nebel. Die Hände in den Taschen seiner Trainingsjacke tief vergraben, schreitet er zum Presse-Gespräch. Sein erstes, seit die Spekulationen um den Wechsel von Klaus Allofs aufgekommen waren.

Schaaf hatte sich nicht erlaubt, irgendwelche Regungen zu zeigen, bevor nicht alles offiziell war. Nun ist Allofs – sein Chef, Freund und Partner in den vergangenen 13,5 Jahren – weg. Abgedampft zum VfL Wolfsburg. Und Schaaf bleibt allein bei Werder Bremen. Allein im Schlamassel?

„Ich habe eine Situation anzunehmen, die unerfreulich ist“, gibt der Chefcoach von Werder Bremen zu. Mit Geschäftsführer Allofs hat er quasi jede Entscheidung abgesprochen. Spielereinkäufe, Spielerverkäufe, Krisenmanagement und auch die kleinen Dinge des Geschäfts – immer war es ein Mitein-ander, nie ein Gegeneinander. Klingt melancholisch bis kitschig, ist aber so. Schaaf: „Wir haben ein Gespür für den anderen entwickelt, irgendwann auch die Denkweise des anderen verfolgt. Das ist etwas Besonderes gewesen.“

Und dann geht der andere einfach. Ein Grund, wütend zu sein? Das wäre zu viel der Emotion. „Klaus wollte eine Veränderung, das ist okay“, sagt Schaaf, der den ersten Schock aber nur schwer verdauen konnte: „Das hat schon einen Moment gedauert, das können Sie mir glauben.“

Werder-Profis trainieren im Nebel

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Es ist erst knapp ein Jahr her, dass sich Allofs und Schaaf ganz konkret verabredet hatten, das Projekt Werder gemeinsam weiter zu betreiben. Mit der Unterschrift unter neue Verträge (Allofs bis 2015, Schaaf bis 2014) hatten sie es im Dezember 2011 besiegelt. Immer wieder hätten die beiden diskutiert, „wie lange geht man diesen Weg gemeinsam, wie lange verfolgt man diesen Beruf – auch bei welchem Arbeitgeber? Wenn man sich dann darauf einigt, das Ganze nochmal anzupacken, dann ist das schon eine wichtige Entscheidung, über die ich mir ganz genau Gedanken gemacht hatte“, berichtet Schaaf. Letztlich war es ein gemeinsames Ja zu Werder und dem unausweichlichen Neuaufbau der Mannschaft. Allofs hat den Weg nun rasant verlassen, und Schaaf könnte sich hintergangen fühlen, tut er aber nicht: „Ich treffe meine Entscheidungen schon noch selbst. Da muss ich mir an die eigene Nase fassen“, sagt er.

Traurigkeit ist alles, was der 51-Jährige an Gefühlen erkennen lässt. „Ich bin natürlich nicht glücklich über die Entwicklung. Ich hatte mir auch etwas anderes vorgestellt. Aber im Fußball gibt es immer Veränderungen.“

Bei Werder herrschte allerdings über einen sehr langen Zeitraum nur in der Mannschaft Bewegung. Das Führungsduo war seit Amtsantritt der beiden im Jahr 1999 die große Konstante. Und natürlich wird viel spekuliert, ob Schaaf Allofs nach Wolfsburg folgen könnte. Nein, sagt der Trainer klipp und klar: „Das ist kein Thema.“ Wohlgemerkt: Schaaf spricht über die Aktualität. Was im Sommer oder irgendwann mal sein wird – wer weiß? Schaaf sagt nur: „Es gibt keine Gedanken in diese Richtung. Es ist eine Entscheidung von Klaus Allofs, nach Wolfsburg zu gehen.“ Unausgesprochener Nachsatz: Nicht von ihm.

Schaafs Konzentration gilt Werder. „Was mir erstmal am Wichtigsten erscheint, ist die Situation hier vor Ort. Mich beschäftigt, wie die Position des Geschäftsführers neu besetzt wird.“ Er braucht und sucht einen neuen Vertrauten. Einen, der den Allofs-Verlust kompensiert. „Ob das überhaupt geht, das wird sich herausstellen“, sagt Schaaf mit unüberhörbarer Skepsis.

Aufsichtsratchef Willi Lemke hat dem Trainer bereits zugestanden, mitzureden, wer der neue Manager wird – auch ein bisschen aus Angst, Schaaf zu verlieren. „Wir müssen für Thomas ein Umfeld schaffen, damit er nicht auf den Gedanken kommt, sich eine neue Aufgabe zu suchen“, hatte Lemke am Mittwoch gesagt.

Im Moment sieht es allerdings nicht danach aus, als würde Thomas Schaaf das Weite suchen wollen. Auch wenn die Werder-Zukunft derzeit im Nebel liegt – und das gewiss nicht nur wegen des trüben Herbstwetters. · csa

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